————— — 4—0 95 90— . ſchichte Sealsfield⸗Poſtel's und die Kataſtrophe, welche ihn als Sein letzter Beſuch galt einer jungen Dame aus hohen Kreiſen, Poſtel verſchwinden ließ, um ihn— nach Jahrzehnten— als deren Bekanntſchaft von Prag her datirte; dann verſchwand er. Sealsfield zum berühmten Schriftſteller werden zu laſſen. Er ſoll ſich nach Tirol gewendet haben und von da nach der den Carl war der älteſte Sohn des Anton Poſtel, eines behäbi⸗ Schweiz. Weiter ſeine Spur zu verfolgen, gelang ſelbſt der öſter ch⸗ gen Landwirths im Dorfe Poppitz, Herrſchaft Pöltenberg, Kreis reichiſchen Polizei nicht. Der Secretair des Kreuzherrenordens, Carl in⸗ Znaym, Markgraſſchaft Mähren in Oeſterreich, geb. den 3. März 1793; Poſtel, war der Welt für immer entſchwunden. Sie ließ es ſich den ihm folgten ſechs Geſchwiſter, vier Brüder und zwei Schweſtern. nicht träumen, daß er zehn Jahre ſpäter unter amerikaniſcher Maske, von Die Pfarrei Poppitz und die nahegelegene Probſtei Pöltenberg ge⸗ als genialer Romanſchriftſteller, ſie wiederum in Anſpruch nehmen hörten und gehören noch dem ritterlichen Orden der Kreuzherren und in Aufregung ſetzen werde. mte 3 in Prag. Dieſer Orden, gleich den Johannitern und Templern, Vorſtehende Erzählung bietet uns eine vollſtändige Löſung des lal⸗ zur Zeit der Kreuzzüge geſtiftet zur Beſchützung der Pilger und pſychologiſchen Räthſels und erklärt uns genügend das Benehmen ich zur Krankenpflege, verwandelte ſich im Laufe der Zeiten in einen des Mannes, der ſich vor ſeiner eigenen Berühmtheit fürchtete und Mönchsorden mit ziemlich freien Ordensregeln; er behielt ſein An⸗ verſteckte. Das bis über's Grab bewahrte Geheimniß des eigenen Sie 1 ſehen und ſeine beträchtlichen Güter; ſein Kleid war ein ſchwarzer Namens, das lebenslängliche Cölibat, die Scheu ſein Bildniß unter eim 3 Talar mit einem rothen Kreuz aus Seide auf die linke Bruſt geſtickt. die Leute kommen zu laſſen, das Ausweichen vor katholiſchen Geiſtlichen bot. V Es ſcheint ein beſonderes Ziel des Ehrgeizes der Eltern, ins- auf ſeinen Spaziergängen, die Ungeduld über das Glockengeläute ug, beſbidere der ſurnaolädbigen Mutter, geweſen zu ſein, den älteſten der Klöſter, die ſich in der Nähe ſeiner Wohnung„unter den one 1 der Söhne als„Arenshexm zu ſehen, im ſtattlichen Ordensge Tannen“ beſinden, das Nüchterne, Zellenartige ſeiner Wohnungs olte wand, an Seele und Leib geborgen, nicht nur ſich ſelbſt, ſondern räume, dies Alles findet ſeine ungezwungenſte Erklärung. Kein dal⸗ 4 auch allen ſeinen Angehörigen d die Wege zum Himmel bahnend. heimlicher Verbrecher war er, für welchen er zuweilen gehalten di Der Knabe mußte ſtudiren. Er abſolvirte die Gymnaſialelaſſen in wurde, ſondern ein aus ſeinem Kloſter entwichener Mönch. Kaum 3 boch Znaym. Nachdem ſeine Studien ſo weit gediehen waren, kehrte bedarf es der directen Beweismittel, welche dieſe Thatſache beſtä in er eines Tages in ſein Elternhaus zurück. Er trat vor die Mut„tigen: der Signatur C. P., welche der Verewigte auf ſeinen Grab udem ter und fragte:„Frau Mutter, was ſoll nun aus mir werden?“ ſtein zu ſetzen verordnete, der Beſtimmungen ſeines Teſtaments, und 9 Die Mutter, welche den klugen und gelehrten Sohn mit den für welche ſich ſonſt kein vernünftiges Motiv finden ließe, der Augen des Geiſtes bereits im ſchwarzen Talar mit dem rothſeide typiſchen Aehnlichkeit ſeiner Geſichtszüge mit denen der Geſchwiſter. atten nen Kreuze auf der Bruſt ſah, erwiderte erſchrocken:„Müßt' ich Poſtel(von welcher Schreiber dieſer Zeilen ſelber ſich zu überzeugen.— cut glauben, daß Du jetzt noch daran zweiſelſt, was aus Dir werden Gelegenheit hatte), der Identität der Handſchrift Carl Poſtel’s und mit ſoll, ſo würde mich jeder Kreuzer, den wir an Dich wandten und Charles Sealsfield's. lang⸗ jede Entbehrung reuen, welche wir uns auferlegten, Dir das Stu Die Vermuthung, welche Kertbeny in ſeinen„Erinnerungen“ 1 4— diren möglich zu machen.“ aufſtellt, Sealsfield ſei„ein Jude aus Oeſterreich“, iſt durchaus deder Carl Poſtel nahm den Urtheilsſpruch ſchweigend entgegen und nicht ſtichhaltig. Er habe ſich, als einſt die Rede auf einen dem trat in das Ordenshaus der Kreuzherren in Prag als Novize ein. Rabbiner kam, des höflichen Ausdrucks„Iſraelite“ bedient; das Es mochte dies um's Jahr 1813 ſein. Bald genug kam der ver⸗ iſt aber doch nichts weniger als ein Beweis für Sealsfield’s Juden ite es hängnißvolle Tag der Prieſterweihe. Der geniale junge Ordens⸗ thum. Kertbeny ſagt ferner, bei der ſchweizeriſchen Volkszählung bruder wurde Seczetariatsadjunct und brauchte nicht ſehr lange zu von 1860 habe er die Frage des Formulars:„katholiſch? prote ,— 1,b er von dem Großmeiſter des O Ordens zum Ordensſecretair ſtantiſch?“ mit den Worten ausgefüllt:„von anderer Religion“. ggeöff⸗ ut wurde. Der Ehrgeiz des Bauernſohnes von Poppitz durfte Dies iſt unrichtig. Das Formular lautete:„katholiſch? refor zum eneswegs als zurückgeſetzt betrachten; aber das Mönchsleben mirt? von anderer chriſtlicher Confeſſion?“ Sealsfield ſubſumirte h und nicht für den freien, hochfliegenden Geiſt des jungen Mannes. ſich unter letztere Rubrik. Braucht man erſt noch auf die Geſichts achen Eüngerer Bruder Carl Poſtel's, des Kreuzherrn, widmete ſich züge zu weiſen, welche durchaus nichts„Orientaliſches“ an ſich ernden V1 ehylls den Studien; er lag in Prag der Rechtswiſſenſchaft ob. haben? oder auf den Umſtand, daß ſich der Sterbende um Weihen en das 8.p ſelten beſuchte er den älteren geiſtlichen Bruder im Kloſter. nacht 1863 das Abendmahl in ſeiner Krankenſtube reichen ließ?* Eines Abends, es war im Sommer 1822, ſpricht er, wie ge⸗ Er war kein„Jſraelite“, ſondern ein entwichener Mönch, der L de ge⸗ wohnt, bei ihm vor; wie gewohnt, erſcheint eine Flaſche Wein aus während ſeiner letzten kranken Tagen⸗ zum Proteſtantismus ſich 8 eeniger dem K loſterkeller auf dem Tiſch. Aber der Bruder erſcheint ge hinüberneigte, aber kaum je ſich zum förmlichen Uebertritt veran b ins drückt, verſtimmt, zerſtreut. Endlich bricht er in die Worte aus: laßt ſah. f „Heute ſiehſt Du mich zum letzten Male, ich fliehe aus dem Klo Ebenſo ſchief iſt Kertbeny's Urtheil über Sealsfield’'s Stellungl ſter!“ Dann ſchildert er dem Erſchrockenen ſeine innern Kämpfe, zu der Schweiz und den Schweizern. Sealsſield brachte— annähernd die ganze Qual der geiſtigen Tortur, welcher ein ſtrebſamer junger berechnet— wenigſtens fünfundzwanzig Jahre ſeines Lebens in Mann mit hellem, gebildetem und denkendem Geiſte in den Kloſter⸗ der Schweiz zu, nämlich von 1832 bis 1850 und von 1857 bis — matern zu erliegen Gefahr laufe. Er ſchloß:„Willſt Du von 1864. Er hatte— früher und ſpäter Umgang und Be mir Abſch chied nehmen— für's Leben, ſo komm morgen früh acht kanntſchaft mit vielen bedeutenden Männern der Schweiz. In 4 Uhr in den Kloſterhof. Dort wirſt Du mich in den Wagen ſtei⸗ letzter Zeit zählte er die Nationalräthe Peier in. Hoſ, Gutzwyler ertbeny; gen ſehen. Ich geleite einen Ordensbruder nach Karlsbad zur und andere hervorragende Perſönlichkeiten zu ſeinen Freunden und währs⸗ Brunnencur und werde nicht wieder zurückkehren. 7 beſtimmte den erſtgenannten zu ſeinem Teſtamentsexecutor. Er kaufte 1 enthält 1 Des andern Morgens Fund ſich der jüngere Poſtel im Kloſter- ſich, der ſein Leben lang wie ein rollender Stein keine bleibende welche hof ein. Der Bruder drückte ihm d die Hand, während ſeine Augen Stätte gehabt hatte, endlich noch ein Haus in der Schweiz und ſich mit Thränen füllten. Er ſtieg in den Wagen und rollte da⸗ machte ſie dadurch zu ſeiner dritten Heimath. Hätte er bei ge beſtand von. Es waren die Kloſtergäule, die ihn dem Kloſter entführten ſunden Sinnen dies Alles gethan, wenn er die Schweizer im Allge thält. Der Abſch ied der Brüder war für'’s Leben, ſie ſahen meinen als„unangenehme Patrone“, welche„kein geiſtiges Leben auluif ſich niemals wieder. haben“, und die Schweiz als ein Land, wo man„verbauern und A5 haiu II Von Karlsbad wandte ſich Carl Poſtel, der flüchtige Kreuz⸗ verwildern“ muß, qualificirt haben würde? Sealsfield als Adoptiv 8 e niſes berr, nach Wien. Dort hatte er einen hochgeſtellten Gönner, der ſohn und Bewunderer Amerikas wäre es ſchlechter als einem Andern annde ihm anſt die Stelle eines Hofcaplans zugeſagt hatte. Eine ſolche angeſtanden, den nüchternen, derbrealiſtiſchen, wenig überſchwenglichen, 4 ſund Stelle war eben vacant. Poſtel ſtellte ſich dem Gönner vor und aber geſunden und ſchwindelfreien ſchweizeriſchen Voltsgeiſt zu miß füm daß inne te ihn an ſein Verſprechen. Die Antwort war keine er⸗ achten. Manche, welche ſich der Gaſtfreundſchaft des ſchweizeriſchen ic, Ri⸗ wünſche:„Die erledigte Stelle ſei ſchon vergeben; Poſtel ſollte, Bodens erfreut haben, mögen mit ſolchem Urtheil ſpäter ihren ne pieſe nach rag in ſein Kloſter zurückkehren; das nächſte Mal werde er ſchnöden Dank abtragen Sealsfield war nicht ſo unvankban gegen n.* an V i ganz gegiß berückſichtigt werden.“ Poſtel entgegnete:„Es ein Land und Volk, welches ihm während ſünfundzwanzig Jahren aus. hit A iſt 4 ät! Ich bin gegen das Gebot meiner Ordensobern ſtatt ein Aſyl und endlich ſeinem müden Leib ein Grab gewährte. wei ulche us K. ſter nach Wien gereiſt, ich kann nicht wieder zurück.“. Atfred Hartmanne „A u we en——* dt- G— 1 1 14—————
Jahrgang
6 (1865)
Seite
95
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


