Eigenſchaften beſitzen.
— welche ich mir aus den
—
Male wieder begegnete
liebenswürdige, wir
wir, daß Lebas die jüngſte Tochter des Tiſchlers Duplay, in deſſen Hauſe Robespierre wohnte, geheirathet habe.
Lebas wurde, werden Sie bald ſehen.
Am 6. April 1794 ſtungen in Arras, daß
—,
88
—
Schreckens zu erheben.
Madame Lepelletier
—
—
—
Seſſel gelangen.
„Weshalb aber? höchſter Beſtürzung.
—
In der Höhle des Löwen.
Aus den Erinnerungen
Mitgetheilt von
Herr Anatole Mesnard hatte ſein fünfundſiebenzigſtes Lebens⸗ jahr zurückgelegt, als man 1840 ſchrieb. Geiſte, vollgepfropft mit Erinnerungen, mittheilſam und liebens⸗ würdig, ſind überhaupt ſehr willkommene Erſcheinungen. ders intereſſant ſind aber alte Franzoſen, wenn ſie die genannten Sie behalten einen ſo friſchen, jugendlichen Zug und erzählen bei der ihnen angebornen Lebendigkeit das Er⸗ lebte ſo feſſelnd und ſo dramatiſch, daß der Hörer unwillkürlich ſich in die Zeit zurückverſetzt glaubt, die ſie darſtellen. alter Franzoſe war Herr Mesnard, und ich hatte das Glück, aus ſeinem Munde die ſeltenſten Anekdoten aus der Vergangenheit, insbeſondere aus den Tagen der erſten franzöſiſchen Revolution zu hören, von denen mich vor Allem die nachſtehenden Mittheilungen intereſſirten, die ich gebe, wie ſie der alte Herr erzählte.
Von all den denkwürdigen Erinnerungen— begann derſelbe Zeiten der ungeheuren Revolu— tion bewahrt habe, iſt doch wohl die wichtigſte für mich: der Beſuch bei dem Haupte der Schreckensmänner, bei dem Manne, der das Leben von Tauſenden in Händen hatte; der durch Blut ging und darin erſtickte; deſſen Leben, Wirken und Pläne bis heute noch ein ungelöſtes Räthſel genannt werden müſſen— mein Beſuch bei Maximilian Robespierre. An ſich vergißt ſich ein Beſuch bei Robespierre ſchon nicht, wie viel weniger, Unternehmen handelt allergefährlichſten Abenteuern an die Seite geſtellt werden darf. Ich habe mir von Robespierre ein Menſchenleben erbeten, das ſchon der Guillotine verfallen war.
Die Familie Robespierre's war mir nicht fremd, denn ich bin zu Frévent bei Arras geboren. nen Beſuchen in Arras kennen; wir waren faſt von gleichem Alter. Robespierre zählte etwa zwei Jahre mehr, als ich. bekannt, als mit ihm, ward ich aber mit ſeinem Freunde und Schulgenoſſen Lebas, der, ebenfalls zu Frévent bei Arras geboren, zu meinen Spielcameraden gehörte. Später kamen wir auseinander; Lebas ſchlug die Laufbahn eines Rechtsgelehrten ein, ich widmete mich dem Kaufmannsſtande.
Die Ereigniſſe trieben Maximilian Robespierre bald auf die Oberfläche des ſtürmiſchen Meeres der Revolution, und faſt unzer⸗ trennlich von ihm blieb ſein Freund Lebas, dem ich verſchiedene Lebas war eine durchaus ehrenhafte und höchſt poetiſche Natur, begreifen, wie ein ſo lieber Menſch, als es Lebas war, in der Nähe des furchtbaren Mannes aushalten konnte. Zuletzt erfuhren
e Leute mit regem
Beſon⸗
Ein ſolcher
, das den
Ihn ſelbſt lernte ich bei ſei⸗
Viel genauer
konnten nicht
Wie wichtig mir
verkündeten die Ausrufer, Anſchläge und zu Paris Tages vorher Danton, Herault Léchelles, Hebert und Camille Desmoulins ihre Häupter auf das Bret der Guillotine gelegt hatten. Danton's Popularität war ſehr groß geweſen, man kann ſich daher die allgemeine Beſtürzung denken; dennoch wagte noch Niemand, ſich gegen das Syſtem des In ſehr gedrückter Stimmung ſaßen wir, meine Eltern, zwei Schweſtern und ich, in Geſſllſchaft unſerer bei⸗ den Comptoirgehülfen, beim Abendeſſen, als der alte Diener des Hauſes bleich und zitternd eintrat, Madame Lepelletier anmeldend, die meinen Vater dringend zu ſprechen wünſche. eine nahe Bekannte unſers Hauſes und eine ſehr achtungswerthe Dame. Ihr älteſter Sohn ſtand bei der Nordarmee, Marion aber, ſeine ſchöne Frau, dem altadeligen Geſchlechte der de Bonnaire ent⸗ ſproſſen, lebte in Paris; ebenſo der jüngſte Sohn, François, welcher dort das Colléège Louis le Grand beſuchte. trat ein, ihre Kniee ſchwankten und kaum konnte ſie bis zu einem Endlich, nachdem ſie ſich ängſtlich umgeblickt hatte, ob ſie auch keinen Verdächtigen gewahrte, brachte ſie mühſam die Worte heraus:„Gott! Marion und Francois ſind verhaftet! Sie wurden in das Gefängniß des Luxembourg geworfen.“
Reden Sie doche“ frug mein Vater in
war
Die alte Dame
88
daß ſein höchſter Genuß ein Spaziergang in ſtiller, ländlicher Natur ſii; daß ſeine Augen ſich mit Abſcheu von der Schlachtbank
d—
eines alten Franzoſen. Georg Hiltl. 4
„Einen Grund giebt man nicht an. Die Verhafteten erfahren meiſt ihr Vergehen erſt in der Stunde des Todes.“
„Vielleicht iſt es nur ein Gerücht,“ tröſtete meine Mutter, „denn was kann Francois verbrochen haben?“
„Nein, ein Gerücht iſt es nicht. Mein Advocat ſchreibt mir mit der Abendpoſt von Paris. Meine Angſt iſt unbeſchreiblich. Herr Mesnard! Sie haben ſchon oft geholfen; können Sie keine Hülfe ausfindig machen? Kann Niemand meinen lieben, ſchönen, ſchuld⸗ loſen Jungen retten?“
Die Unruhe der Madame Eexelletier ſteigerte ſich bis zu Krämpfen. Während die Frauen der Bejammernswerthen Beiſtand leiſteten, ging ich mit meinem Vater im Zimmer auf und nieder. Das Geſchick der Armen ging uns ſchwer zu Herzen. Ihr mußte Hülfe werden in ihrer furchtbaren Lage, das ſtand bei mir feſt. Die offenbare Geſahr, die damit verknüpft war; der Gedanke, einer ſchönen Frau, wie Madame Lepelletier in Paris, einen ſolchen Ritterdienſt zu leiſten— das hatte einen mächtigen Reiz für einen jungen Mann, wie ich's dazumal war. Zudem lag die Hochherzig⸗ keit gewiſſermaßen in der Luft jener Zeit, und Beiſpiele großartigſter Aufopferung erlebte man faſt täglich.
„Ich werde die Verurtheilten retten!“ meinen Schritt anhaltend.
„Anatole!“ rief mein Vater.„Du biſt unſinnig.“...
„Um Gotteswillen, lieber Sohn!“ rief meine Mutter.„Denk Du nicht daran.“
Madame Lepelletier war durch meinen exaltirten Ausruf zu ſich gekommen. Sie ſprang auf mich zu, faßte meine Hand und drückte ſie heftg.„O edler, braver junger Mann,“ rief die Aermſte,„Sie wollten es verſuchen? Ja, Sie ſind gut, muthig, klug. Gewiß es wird Ihnen gelingen.“
„Anatole, Du mußt doch bedenken——“ zitternd ein.
„Du wagſt Dein Leben!“ jammerte meine Mutter, meinen Hals werfend.
Ich ſah das kummervolle Geſicht der armen Mutter, aber⸗ ich gedachte auch der Angſt der Gefangenen und dazu kam das Ehrgefühl.„Nein!“ rief ich.„Keine Abmahnungen, weg mit der Furcht! Ich reiſe morgen mit dem Früheſten nach Paris; ich ſpreche Robespierre, zuerſt aber eile ich zu Freund Lebas. Er, Robespierre's Pylades, er ſollte nicht meinen Plan fördern können? Haben Sie alſo keine Furcht, meine Lieben!“ G—
Der Name Lebas hatte meinem Vater weuigſtens die Ueber⸗ zeugung beigebracht, daß ich nicht hirn- und planlos handeln wollte. So gaben mir denn nach einigem Widerſtande meine guten⸗ Eltern ihren Segen, Madame Lepelletier drückte mir ſtumm die Hand. Ich hatte, ſo viel es ging, die oberflächlichſte Darſtellung der ganzen Sachlage aufgenommen. Beſonders wichtig war es für mich, die Gefangenen ſprechen zu können, was mit Hülfe des Schließers der Luxembourg⸗Gefängniſſe möglich war; ſelbſtver⸗ ſtändlich gegen eine bedeutende Belohnung. Madame cepelletier theilte mir mit, daß der Mann Lambert heiße und daß ich mich
rief ich plötzlich aus,
warf-mein Vater
ſich an
dreiſt an ihn wenden könne, wenn ich ihm einen Gruß und das
Bild der Madame Lepelletier brächte. Ich notirte mir ferner die Wohnung des Notars der Dame, ebenſo Straße und Hausnum⸗ mer, wo früher Frau Marion Lepelletier gewohnt hatte, und ſuchte dann mein Schlafzimmer auf..
Schlafen konnte ich natürlich nicht. Erſt als die Stille ver Nacht mich umgab, ordneten ſich meine Gedanten. Ich ſtellte mir jetzt vor, welchen gewagten Schritt ich unternehmen wollte. War
ees nicht ſchon gefährlich genug, nur für die Verdächtigen zu bit⸗
ten? Wer ſich Freund eines Geächteten nannte, war Feind der Nation; eine Bitte für die Gefährdeten brachte die höchſte Gefahr. Dann fragte ich mich wieder, ob Lebas, der ein weicher und poe⸗ tiſcher Mann im gewöhnlichen Leben war, auch ebenſo mild urthei⸗ len werde, wenn es ſich um politiſche Gegenſtände handele. Wußte
man doch auch, daß Robespierre makellos in ſeinem Lebenswandel,
ein Freund der einfachſten Vergnügungen, ein Pfleger der Blumen;
—
——


