Jahrgang 
5 (1865)
Seite
73
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Dieſe gaben ihre Einwilligung unter der Bedingung, daß Kleiſt eine geſicherte Lebensſtellung ſich erwerben würde, da er ebenſowenig wie ſeine Braut ein hinreichendes Vermögen beſaß.

Wilhelmine war ein gutes, ſanftes Mädchen, das ſich in alle Launen des geliebten Mannes fand und voll Vertrauen an ihm hing. Geduldig wartete ſie auf die Erfüllung ſeiner Pläne für die Zukunft, die ſich indeß meiſt als Chimären erwieſen. Bald wollte er Chemie und Naturwiſſenſchaften ſtudiren, bald in Frankreich als Lehrer der deutſchen Sprache auftreten, bald dies, bald das ergreifen, vor Allem aber ſich die höchſte und vielſeitigſte Bildung erwerben. Bildung und Liebe ſind die Worte, die er in allen Briefen an ſeine harrende Braut wiederholt, die beiden Achſen, um die ſich ſein ganzes Daſein dreht. Seine Angehörigen und beſonders Wilhelminens Eltern verlangten, daß er ſich um ein Amt bewerben ſollte.Ich will kein Amt nehmen, ſchrieb er an die Verlobte.Warum nicht? Wie viele Antworten liegen mir auf der Seele! Ich kann nicht eingreifen in ein Intereſſe, das ich mit meiner Vernunft nicht prüfen darf. Ich ſoll thun, was der Staat von mir verlangt, und doch ſoll ich nicht unterſuchen, ob das, was er von mir verlangt, gut iſt. Zu ſeinen unbedeu⸗ tenden Zwecken ſoll ich ein bloßes Werkzeug ſein ich kann nicht. Nein, es geht nicht, ich paſſe für kein Amt. Ich bin auch wirklich zu ungeſchickt, um es mul führen. Ordnung, Genauigkeit, Geduld, Unverdroſſenheit ſind Eigenſchaften, die bei einem Amte unentbehrlich ſind und mir guuzfehlen. Ich arbeite nur für meine Bildung gern und da bin6ſnüberwindlich geduldig und unver⸗ droſſen. Für die Amtsbefoſsung Liſten zu ſchreiben und Rech⸗ nung zu führen? ach! ich würde eilen, eilen, daß ſie fertig

würden, und zu meinen geliebten Wiſſenſchaften zurückkehren. Ich

würde die Zeit meinem Amss ſtehlen, um ſie meiner Bildung zu widmen. Nein, es geht nicht!

Natürlich waren die Eltern ſeiner Verlobten mit dieſen An⸗ ſichten nicht einverſtanden, aber Wilhelmine blieb ihm treu, ohne ſie jedoch zu theilen. Kleiſt ſelbſt lebte in Berlin, ausſchließlich mit ſeinan Studien beſchäftigt, unter denen die Philoſophie den

einnahm. Plötzlich aber erfaßte ihn ein Ekel vor allem . eigenthümlicher Zuſtand von Zweifel und Ueberſättigung, wie er häuſig gerade die vorzüglichſten Geiſter zu befallen pflegt, während die Mittelmäßigkeit davon verſchont bleibt.Seit die Ueberzeugung, ſchreibt élr an ſeine Braut,daß hienieden keine Wahrheit zu finden iſt, vor meine Seele trat, habe ich kein Buch mehr angerührt. Um ſich aus dieſem furchtbaren Zuſtande zu reißen, unternahm er in Begleitung ſeiner treu ergebenen Schweſter Ulrike im Jahre 1801 die ſchon längſt beabſichtigte Reiſe nach Paris. Der Anblick des modernen Babel war nicht geeignet, ſei⸗ nen Seelenſchmerz zu heilen. Der Luxus, die Gedankenloſigkeit und Unſittlichkeit des franzöſiſchen Volkes nährten nur ſeine Schwer⸗ muth. Ernſtlich dachte er daran, ſich ganz von der Welt zurück⸗ zuziehen, mit dem Reſt ſeines Vermögens ſich in der Schweiz niederzulaſſen und als Landmann das Feld zu bebauen. Dieſen Vorſchlag machte er auch ſeiner Braut, indem er ihr ſchrieb: Unter den perſiſchen Magiern gab es ein religiöſes Geſetz, ein Menſch könne nichts der Gottheit Wohlgefälligeres thun, als die⸗ ſes: ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen und ein Kind zu zeugen. Das nenne ich Weisheit, und keine Wahrheit hat noch ſo tief in meine Seele gegriffen, als dieſe; das ſoll ich thun, das weiß ich beſtimmt! Ich will im eigentlichen Verſtande ein Bauer werden, mit einem etwas wohlklingenderen Worte ein Landmann. Was meine Familie und die Welt dagegen einwenden möchten, wird mich nicht irre führen. Jeder hat ſeine eigene Art, glücklich zu ſein, und Niemand darf verlangen, daß man es in der ſeinigen ei. . Wilhelmine hielt es für ihre Pflicht, dieſen neuen gewagten Lebensplau ihres Verlobten, der ihrer ganzen Lebensanſchauung widerſprach, ihren Eltern mitzutheilen, die von ihrem Standpunkte ein äußerſt ungünſtiges Urtheil darüber fällen mußten. So ſchonend als möglich theilte ſie ihm ihre Bedenken mit; Kleiſt fühlte ſich verletzt und ſchwieg fünf Monate, worauf er ihr einen kurzen Brief, den Scheidebrief ſeiner Liebe, ſchrieb, in dem er ſich bitter

über ihre Kälte beklagte und hinzufügte, daß er nun allerdings zu

der Einſicht gekommen, ſie habe ihn nie geliebt und werde ihn nie lieben. Sein erſter Liebestraum war an der Proſa des Le⸗

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An den reizenden Ufern des Thuner Sees, da, wo ſich die rauſchende Aar in ſeine ſtille Fluth ergießt, liegt eine kleine Inſel im Angeſicht der majeſtätiſchen Alpen, wie geſchaffen zu einem ruhigen, beſchaulichen Aſyl, nur von einigen Fiſcherfamilien be⸗ wohnt, die in patriarchaliſcher Einfachheit lebten. Hier erſchien gegen Ende April des Jahres 1802 ein junger Mann von unge⸗ fähr ſechsundzwanzig Jahren mit charakteriſtiſchen, wenn auch nicht gerade ſchönen Zügen. Ueber die hohe Stirn fiel das ſchlichte bräunliche Haar nachläſſig hin, die kleinen, tiefliegenden Augen verriethen eine gewiſſe anziehende Schwermuth, während die vollen Lippen und das rundliche Kinn nicht ohne Anmuth waren. Der Fremde hatte ein leerſtehendes Häuschen auf der Inſel bezogen, welches er allein bewohnte. Im Anfange lebte er ganz für ſich, in tiefſter Zurückgezogenheit, meiſt am Ufer der Inſel umherſtrei⸗ fend und ſich ſeinen eigenen Gedanken überlaſſend. Auf ſeinen Ausflügen hatte er die Bekanntſchaft einer armen Fiſcherfamilie gemacht, mit der er zuweilen um Mitternacht auf dem Nachen über den See fuhr, wenn ſie ihre Netze im Silberlicht des Mon⸗ des auswarf. Bald hatte er das Vertrauen und die Liebe der ſchlichten Leute gewonnen, ſo daß ihm der Vater von zwei Töch⸗ tern die eine überließ, damit ſie ihm die Wirthſchaft führe. Es war ein freundlich liebliches Kind,Mädeli geheißen, das ſich ihm innig anſchmiegte und Alles that, was ſiedem Herrn an den Augen abſehen konnte. Beide führten ein idyllliſches Leben; ſie ſtanden mit der Sonne auf, er pflanzte im Garten, ſie ſchaffte in der Küche, während er arbeitete; dann wurde unter Scherzen und Lachen das gemeinſchaftliche, frugale Mittagsmahl genoſſen. Sonntags zog das Mädeli ihre ſchöne Schweizertracht an, ein Ge⸗ ſchenk ihres großmüthigen Freundes, dann ſchifften ſie ſingend über den See; ſie ging in die Kirche nach dem nahen Thun und er beſtieg eine der ſchönen Waldhöhen jenſeit des Sees, und nach der Andacht kehrten ſie wieder in das freundliche Häuschen zurück.

So verging ein Tag wie der andere gleich einem glücklichen Traum. Nur ſelten zeigte ſich eine finſtere Wolke auf der hohen Stirn des Mannes, und auch dieſe mußte bald dem lieblichen Ge⸗ plauder des holden Mädeli weichen. Einmal fiel es ihm ein, dem unſchuldigen Kinde zu ſagen, daß es ſparen ſollte. Das Mädchen aber in ihrer Einfalt verſtand ihn nicht und er war nicht im Stande, ihr das Ding begreiflich zu machen; Beide lachten dar⸗ über ausgelaſſen und es blieb beim Alten. Er ſelbſt fühlte ſich ſo glücklich, wie nie zuvor, und ſeine Briefe bekundeten dies. Auch an Beſuch fehlte es nicht auf der einſamen Inſel; zuweilen kamen einige Freunde, die er ſich in der Schweiz erworben hatte, der liebenswürdige Geßner, der hochbegabte Zſchokke und der junge Ludwig Wieland, der talentvolle Sohn des berühmten Dichters. Dann wurden bald heitere, bald ernſte Geſpräche über Natur, Kunſt und Literatur geführt und bei einem Glaſe edlen Weines manches ſchöne Gedicht vorgeleſen und beurtheilt. Eines Tages hatten ſich die Freundewie die Hirten Virgils zu einem poetiſchen Wettkampf vereinigt. In IZſchokke's Zimmer hing ein franzöſiſcher Kupferſtich, in deſſen Figuren ſie ein trauriges Liebes⸗ pärchen, eine keifende Mutter mit einem Majolikakruge und einen großnaſigen Richter zu erkennen glaubten. Jeder ſollte dieſen Stoff nach ſeiner Weiſe bearbeiten, Wieland ihn als Satire, Zſchokke als Erzählung und Kleiſt, welcher der Bewohner des kleinen Häus⸗ chens am Thuner See war, als Luſtſpiel behandeln. Seine Ar⸗ beit:Der zerbrochene Krug, erhielt einſtimmig den Preis, und dieſes Urtheil der Freunde beſtärkte ihn in ſeinem Entſchluſſe, fortan als Dichter zu leben.

Auf ſeiner Inſel erwachte mit ungeſtümer Kraft der poetiſche Schöpfertrieb in ſeiner Seele; eine Tragödie,Die Schroffenſteiner, hatte er bereits vollendet und neue großartige Pläne bewegten ſeine Bruſt. Den Entſchluß, Landmann zu werden, hatte er wieder aufgegeben, dafür war er ein Dichter geworden und zwar, wenn er den Verſicherungen ſeiner Freunde trauen durfte, ein Dichter, der ſich den erſten Genien dreiſt an die Seite ſtellen durfte. Der Traum ſeines Lebens ſchien in Erfüllung zu gehen; er war ein Dichter und wurde geliebt. Doch nur kurze Zeit ſollte dieſes Glück dauern. Zwei Monate hatte er mit ſeinem Mädeli auf der ſtil⸗ len Inſel gelebt, als ſie eines Tages ihn verließ und nicht mehr zurückkehrte. Wie man ſagt, hatte ein franzöſiſcher Officier, der ihr mit ſeiner kleidſamen Uniform und heiteren Laune beſſer geſiel, als der zuweilen ſo ernſte und ihr unverſtändliche Dichter, ſie ent⸗ führt. Der Aufenthalt auf der Inſel war dieſem nun verleidet, ſein

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