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3„ ur znbern Hinſicht 8 Tyopin in ſeinen letztern Beugeln wegen ihres verſchleierten, nes vor den Erard'ſchen den Vorzug gab.
Merſchied zwiſchen den engliſchen und franzöſiſchen In⸗ ſtrumenten möchte der anzugeben ſein, daß die erſteren durch⸗ gängig einen markigeren, vollern Ton aufzuweiſen haben, der Ton der letztern d arden entſchieden graziöſer, eleganter, einſchmeichelnd er, auch ihre Spielart meiſt leichter und gefügiger iſt.
Von den Amerikanern, deren Inſtrumente wohl nur höchſt ſelten nach Enrlcda gelangen, hat ſich beſonders Steinweg hervor⸗ gethan. In Betreff Deutſchlands ſei zu unſrer hohen Genugthuung die Anerkennung ausgeſprochen, daß es ſich in den letzten zehn Jahren dem Auslande gegenüber die volle Ebenbürtigkeit wieder⸗ errungen hat. Lange genug war es, Dank dem ſtarren Feſthalten an der„deutſchen“ Mechanik, Engla iud und namentlich Frankreich unterthan und tributpflichtig. Wer erinnerte ſich nicht noch der Zeit, wo Erard faſt alle Concertſäle Deutſchlands beherrſchte und es nur eine ſeltene, meiſt nur durch Localgründe bedingte Gnade war, wenn die großen Heroen des Virtuoſenthums deutſcher In⸗ ſtrumente ſich zu bedienen die Herablaſſung hatten? Freilich graſſirte damals die Mode, in Kunſtange legenheiten nur das als wahrhaft vortrefflich anzuerkennen, was in Paris vorher die„Weihe“ erhalten hatte, und wie z. B. erſt ein von den Pariſern ausge⸗ ſtellter Paß dem deutſchen Kunſtjünger erlaubte, in ſeinem Vater⸗ lande ungehindert die ſteilen ege des Ruhmes zu wandeln, ſo konnten auch nur die von den Pariſern approbirten Erard'ſchen Inſtrumente als würdig befunden werden, in einem deutſchen Concertſaale zu Erſcheinen⸗ Und dennoch wäre es ungerecht, dieſes Reſultat etwa nur der Mode zuſchreiben zu wollen; es war eben ſo ſehr Folge wahren Verdienſtes, denn in der That ragten dieſe Inſtrumente durch ihren klangvollen Ton und ihre vortreffliche Spielart weit hinaus über faſt Alles, was Deutſchland damals hervorzubringen vermochte. Den erſten Schritt zur Wiederbelebung ſeines Pianofortebaues that Deutſchland durch die rückhaltloſe Wiederaufnahme der„engliſchen“ Mechanik. Zu Anfang noch unbeholfen und in zuchr oder minder ängſtlicher Nachahmung an ihre fremden Vorbilder, namentlich Erard, ſich anlehnend, haben die beſſern Fabritanien ſich allmählich von dieſem Zwange befreit, und durch eignes Nachdenken, unermüdlichen Fleiß und durch ihren hervorragend muſikaliſchen Sinn Erfolge erzielt, die wohl dazu angethan ſind, unſern gerechten Stolz zu erwecken. Wir wählen unter vielen Andern nur die Namen Einiger aus, de ren guter Klang allerwärts in Deutſchland Zeugniß ablegt für die Wahrheit zunſeres Ausſpruches. Es ſind dies: Schiedmayer und Söhne in Stuttgart, Dörrner und Lipp ebendaſelbſt, Ehrbar, Böſendorfer, Streicher in Wien, Scheel in Caſſel, Steinweg in Braunſchweig, Breitkopf und Härtel, Irmler, Wankel und Temmler, Feurich in Leipzig, Noſenkranz in Dresden, Klems in Düſſeldorf, Stöcker in Berlin und Bechſtein ebendaſelbſt, deſſen Inſtrumente zumeiſt
1 Pcerte Haus von Bülow's weithin bekannt geworden ſind. Ganz beſonders ſei hier noch als einer der hervorragendſten Vertreter deutſcher Pianofortebaukunſt Julius Blüthner in Leipzig genannt, deſſen Flügel, namentlich ſeine ſogenannten eſymmetriſch en“ Flügel, einen Vergleich mit den beſten Inſtrumenten des Auslands aushalten.
Schließlich dürfen wir nicht unterlaſſen, noch mitzutheilen, daß Deutſchland auch in der Fabrikation der wichtigſten? Materialien zum Clavierbau eine hervorragende Stelle einnimmt. So z. B. lieſert Miller in Wien die anerkannt beſten Stahlſaiten; Broadwoods, die bisher nur engliſche Saiten anwandten, hatten ihre ſämmt⸗ lichen auf der eintauſendachthundertzweiund ſechziger Weltausſtellung zu London befindlichen Flügel nur mit Miller'ſchen Saiten bezogen.
Das vorzüglichſte Leder zur Garnirung der Hammerköpfe fertigen die Gebrüder Geyer zu Eiſenberg im Altenburgiſchen; es bedienen ſich deſſelben ſelbſt die amerikaniſchen Fabrikanten. Vortrefflichen itz der an Güte dem beſten engliſchen und franzöſiſchen gleichſteht, liefert Weickert in Leipzig und Wurzen; auch ſein Fabrikat wird in großer Menge nach dem Auslande, beſonders nach Amerika, ausgeführt.
Wir können alſo mit höchſter Genugthuung auf unſere gegen⸗ wärtige inländ düſa Clavierfabrikati ion ſchauen; ſie ſteht entſchieden „auf der Höhe der Zeit“, und w. begingen nur einen Act der Gerechtigkeit, dnden wir ihre Verdienſte hier nachdrücklich betonten. Möchte nur auch das deutſche Publi ſolches erkennen und danach handeln! Es giebt aber kaum eine a Nation, die ſo raſch bei der Hand wäre im Aufgeben eignen Verr iſtes, wie die deutſche. Wir können tagtäglich die Wahrnehmung machen, daß, während andere Völker in wohlberechtigtem Nationalſtolz auf ihre Induſtrie dieſelbe mit aller Kraft und Hingebung unterſtützen, mit allen Mitteln an ihrer immer weiteren Entwicklung arbeiten, ſie überall faſt rück⸗ ſichtslos geltend zu machen ſuchen und im Gefühl ihrer Ueber⸗ legenheit ſich ſtolz abwenden von fremden Erzeugniſſen, das deutſche Volk leider immer noch gar häufig in unglücklicher Verblendung nach dem Fremden, als dem deshalb unfehlbar Beſſern, greift und, indem es ſeiner eigenen Arbeit ſich nicht annimmt und ihr die Anerkennung verſagt, ihr auch d die Nahrung zum nöthigen Ge⸗ deihen entzieht. So finden wir auch jetzt noch in allen unſeren bedeutenden Städten große Magazine ausländiſcher Inſtrumente, die namentlich noch immer in die Salsus unſerer„Vornehmen“ wandern. Man zahlt gern eintauſend, eintauſend fünfhundert, ja eintauſend ſiebenhundert Thaler für einen Erard, Pleyel oder Broadwood, glaubt aber nicht die Hälfte dieſer Summe für ein ebenſo vortreffliches Inſtrument des beſcheidenen deutſchen Fabri⸗ kanten zahlen zu dürfen! Das Vorurtheil fremder Ueberlegenheit iſt es, das wie ein Alp auf der deutſchen Kraft laſtet. Möchte das deutſche Volk endlich nach allen Seiten hin ſich ſeines Werthes bewußt werden! Möchte der aller Orten erwachende nationale Geiſt mit der politiſchen Selbſtachtung namentlich auch die Achtung des Deutſchen vor deutſcher Arbeit verbreiten helfen, damit auch in dieſer Beziehung Deutſchland nicht mehr zu dienen braucht, wo es herrſchen könnte!
Herzenskämpfe eines deutſchen Dichters.
Von Max Ring.
Vor mehr As einem halben Jahrhundert erſchien eines Abends in Frankfurt a. d. O. der Lieutenant Heinrich v. Kleiſt bei ſeiner Fa⸗ milie, um ihr zu nicht geringer Verwunderung aller Verwandten anzuzeigen, daß er ſeinen Abſchied genommen und fortan ſich den Studien widmen wollte. Es war dies ein unerhörtes Ereigniß, daß ein königlich preußiſcher Officier von Adel ſeinen bevorzugten Stand freiwillig aufgab, und alle die alten Tanten und Baſen ſchüttelten den Kopf über den„ſonderbaren Schwärmer“. Dieſer ließ ſich jedoch keineswegs irre machen; er fühlte ſich glücklich in ſeinem neuen Laufe und ſtudirte fleißig Philoſophie und alte Spra⸗ chen mit auerkennungswerthem Eifer. Nach und nach ſöhnte ſich auch ſeine Familie mit dem neuen Lebensplane aus; er konnte ja Diplomat, Regierungsbeamter, wo nicht gar einmal Miniſter wer⸗ den. Er ſelbſt dachte zwar nicht an eine ſolche Verſorgung, ſon⸗ dern er liebte die Wiſſenſchaft nur um ihrer ſelbſt willen, rein und ohne alle Nebenabſichten; höchſtens dachte er daran, einmal als Profeſſor an einer Univerſität die⸗Jugend zu belehren. Daͤbei
war er, trotz einer kleinen Neigung zur Pedanterie, nichts weniger als ein gelehrter Stubenhocker; er beſuchte die beſte Geſellſchaft, zu der er vermöge ſeiner Geburt überall Zutritt hatte, galt für einen liebenswürdigen jungen Mann und wurde von der Frank⸗ furter Damenwelt recht gern geſehen, indem man ihm ſeine Sonder⸗ barkeiten und ſeine Zerſtreutheit leicht verzieh. In dem Hauſe des Generals Zeege lernte Kleiſt die älteſte Tochter deſſelben, Mi⸗ nette oder Wilhelmine, wie er ſie nannte, kennen; bald liebte er ſie auch und ſie erwiderte ſeine Neigung. Heimlich verlobte er ſich mit ihr, da er die Grille oder vielmehr den Grundſatz hatte, daß die Eltern nichts davon zu wiſſen brauchten, wenn zwei Lie⸗ bende ſich für einander beſtimmt hätten. Zu ſeinen Eiganhriten gehörte es auch, daß er ſeiner Braut faſt täglich die leidenſchaft⸗ lichſten Briefe ſchrieb, obgleich er Haus an Haus mit ihr wohnte. Er ging dabei von der Abſicht aus, die Geliebte geiſtig zu bilden und für ſich zu erziehen. Nur auf ihr dringendes Bitten entſchloß er ſich endlich, ihre Eltern mit dem Verhältniſſe bekannt zu machen.
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