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Das Clavier und
Kein muſikaliſches Inſtrument hat den Sinn und die ſelbſt⸗ thätige Liebe zur Tonkunſt in hervorragenderer Weiſe angeregt, befördert und verallgemeinert und von einer gewiſſen Zeit an in Wahrheit auch auf die Entwicklung der Muſik weſentlichern Ein⸗ fluß ausgeübt, als das Clavier. Es iſt nicht zu leugnen, daß das Clavier in mancher Beziehung weniger vollkommen iſt, als viele andere Inſtrumente; daß es namentlich rückſichtlich der vor⸗ nehmſten Zierde. jedes Tonwerkzeugs, der Klangſchönheit und Mo⸗ dulationsfähigkeit des Tones, trotz der hohen Vervollkommnung, die ihm auch nach dieſer Seite hin ſeit Ende des vorigen Jahr⸗ hunderts zu Theil geworden iſt, dennoch von faſt allen Streich⸗ und Blasinſtrumenten übertroffen wird, wir erinnern nur an die ſo rührend und eindringlich zum Herzen redende Violine, an das romantiſche Waldhorn, an die majeſtätiſch⸗prächtige Poſaune. Dieſen Vorzügen gegenüber aber, die alle nur eine einſeitige, melodiſche Ueberlegenheit begründen, hat das Clavier eine glänzende und ſiegeskräftige Gegenſeite aufzuweiſen, in der Vereinigung der Me⸗ lodie mit der Harmonie. In dieſer Vereinigung der beiden mäch⸗ tigſten muſikaliſchen Factoren liegt ſein Schwerpunkt; ſie iſt ihm, und zwar nur ihm, mit alleiniger Ausnahme der Orgel, welche jedoch dem täglichen und geſellſchaftlichen muſikaliſchen Verkehr aus mancherlei Gründen wohl für ummer entzogen bleiben wird, in höchſter Vollendung eigenthümlich, ſo daß die tiefſinnigſten und
complicirteſten harmoniſchen und melodiſchen Combinationen ihm
ebenſo zu Gebote ſtehen und ſeinem Weſen entſprechend ſind, wie die einfachſte Verbindung und Wendung; ſie weiſt ihm einen un— erſchöpflichen Reichthum zu und verleiht ihm die Befähigung zur Darſtellung ſelbſt des Höchſten in der Kunſt.
Zunächſt als Soloinſtrument betrachtet, mußte es die beſon⸗ dere Vorliebe und Auszeichnung der größten Tonmeiſter gewin⸗ nen. Die Literatur keines andern Inſtrumentes hat auch nur eine annähernd glänzende Reihe der bewundernswertheſten Geiſtesſchätze eines Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Weber, Men⸗ delsſohn, Chopin, Schumann u. A. m. aufzuweiſen. Aus der⸗ ſelben Quelle entſpringt ihm aber noch eine andere Eigenthümlich⸗ keit von größter Bedeutung; die Fähigkeit, alle übrigen Inſtrumente zu repräſentiren, ſei es einzeln oder gleichzeitig, und überhaupt ohne ſremde Hülfe Alles, was die Tonkunſt nur auf irgend einem Gebiete Großes geſchaffen hat, mit me oder minder großer Treue und Vollkommenheit zu reproducire ie etwa ein vollen⸗ deter Kupferſtich ein Oelgemälde wiederzugeben vermag, und wir meinen, daß bei der Beurtheilung des Werthes des Claviers dieſe ſeine Repräſentationsfähigkeit, ſein univerſeller Charakter wohl nicht minder ſchwer in die Wagſchale fallen dürfte, wie ſeine Vorzüge als Soloinſtrument. Wer wollte denn nicht gern zu⸗ geſtehen, daß z. B. die vortrefflichen vier- und zweihändigen Arran⸗ gements Haydn'ſcher, Mozart'ſcher und Beethoven'ſcher Symphonien, Ouverturen, Quartetten u. dergl., die heut zu Tage auf keinem Clavierpulte fehlen und nichts anderes als die ſchimmernde Far⸗ benpracht der Originale vermiſſen laſſen, mehr als alle immerhin doch nur ſeltnen Orcheſteraufführungen das volle Verſtändniß die⸗ ſer erhabenen Schöpfungen vermittelt und verbreitet haben, und daß vornehmlich der Mithülfe des Claviers nach dieſer Richtung hin die hohe Stufe der muſikaliſchen Durchbildung zu danken iſt, die ein ſo charakteriſtiſches Zeichen unſrer Zeit ausmacht? Und ſo iſt das Clavier auch überall, wo dem menſchlichen Geiſte eine Frei⸗ ſtätte geboten iſt, in jeder Familie, in jedem Kreiſe, der, nur einiger⸗
maßen über die materiellen Bedürfniſſe des Lebens ſich erhebend, Empfänglichkeit für ein höheres Daſein ſich bewahrt hat, der treueſte Dolmetſcher der reinſten Kunſt, der freundlichſte Vertraute in Freud' und Leid, den großen muſikaliſchen Geiſtern aber der ſicherſte Bahnbrecher für die Anerkennung ihres Wirkens und ihre dereinſtige Unſterbl' Keeit geworden. So.— uuch das Clavier in allen D., ſo zwar, daß es uns Da uf die obigen Wie ile Beſchre“ Heiligthum
Beweengenmicht widerſtanden und zerſprengt wurden, zudem
. 3 Und frewnolich durch das finſtrzalter
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ſeine geſchichte.
und mit dieſen haben wir es hier wohl faſt ausſchließlich zu thun — über dieſes für jeden Clavierſpieler ſo vielfach intereſſante und wiſſenswürdige Thema noch vollkommene Dunkelheit berrſche. Wie viele von unſern freundlichen Leſern haben auch nur über den Urſprung des Claviers jemals das Geringſte erfahren, oder den Namen des Erfinders unſeres heutigen Claviers, des Pianoforte, nennen hören? Wer von ihnen weiß es, daß das glanzvolle Pracht⸗ inſtrument, das heutzutage unter der Hand des Meiſters bald wie im Sturm und Ungewitter daherzubrauſen und bald wieder lieblich wie mit Elfen im Mondſcheine zu flüſtern und zu tändeln verſteht; deſſen mächtige Toufluth nicht mehr blos ausreicht, das „Boudoir der intimern muſikaliſchen Converſation“ auszufüllen, ſondern im glänzend großen Concertſaale Tauſende von Zuhörern in Bewunderung und Mitvibration zu verſetzen vermag; wer von ihnen weiß es, daß das Clavier noch vor einer kurzen Spanne Zeit, vor nicht länger als etwa hundertfünfzig Jahren, nur ein kleines un⸗
ſcheinbares Inſtrument war, das in ärmlicher Hülle auch nur einen dem entſprechenden dünnen und reizloſen Ton enthielt, und in ſeiner muſikaliſchen Dürftigkeit ſich nicht hinauswagen durfte in die ſtrenge anſpruchsvolle Oeffentlichkeit? Und ferner, daß, während es gegenwärtig in allen Welttheilen zu finden iſt, ſo weit die Civilt⸗ ſation gedrungen, in dem beſcheidenen Stübchen des einfachen Bürgers ſowohl wie in den prunkenden Paläſten der Großen die⸗ ſer Erde; während ſeine Fabrikation ein eigner Induſtriezweig von ſtaunenerregender Ausdehnung geworden iſt— in London allein werden von etwa zweihundertundfünfzig Fabrikanten alljährlich an 25,000 Inſtrumente gefertigt— daß es zu jener Zeit meiſt nur ein ſeltner Schmuck, ein faſt heilig gehaltenes Kleinod in den Studirſtübchen weniger hervorragender Gelehrten und Organiſten war; daß dieſe zugleich auch wieder in dem alleinigen Beſitze und der langſamen Ausübung der Kunſt ſeiner Verfertigung ſich be⸗ fanden, und daß eigentlich erſt von der Mitte des vorigen Jahr⸗ hunderts, ſeit der berühmte Organiſt und Orgelbauer Johann Andreas Stein in Wien die erſte wirkliche Kunſtwerkſtätte für den Clavierbau einrichtete, die allgemeinere Verbreitung des Cla⸗ viers datirt?
Der Stammvater des Claviers“ iſt das Monochord(Einſaiter), als deſſen Erfinder der im elften Zahrhundert lebende berühmte Bene⸗ dictinermönch Guido von Arezzo anzuſehen iſt. Es beſtand aus einem zwei bis vier Fuß langen und etwa drei Zoll breiten gerade ge⸗ hobelten Bretchen, worüber, auf einem beweglichen Stege ruhend, eine Drahtſaite gezogen war, die mit dem Finger angeriſſen wurde. Das Monochord diente und genügte auch nur dazu, um beim Ge⸗ ſange den Ton anzugeben. In Folge der Unbequemlichkeit des ſteten Verſchiebens des Stegs mit der Hand, zur Erlangung eines andern Tones, kam man darauf, mehrere Saiten von verſchiedener Tonhöhe nebeneinander anzubringen; ſpäter legte man Holzleiſtchen (Taſten, Claves) darunter, an deren einem Ende kleine aufrecht⸗ ſtehende Meſſing- oder Eiſenſtifte, ſogenannte Tangenten, in der Art befeſtigt waren, daß Saiten ſchlugen und dieſe erklingen machten; dann erweiterte man nach und nach die Anzahl der Saiten und Taſten, zunächſt nur bis auf zwanzig, umgab das Ganze mit einem Kaſten, und das Clavier war erfunden! In dieſer Geſtalt exiſtirte es im zwölften oder dreizehnten Jahrhundert. Längere Zeit behielt es noch den Namen Monochord bei, wurde aber in der Folge Clavichord(Clavis, Schlüſſel, chorda, Saite, Sehne) genannt. Natürlich war es noch ein in jeder Hinſicht äußerſt unvollkomme- nes Tonwerkzeug. Die zwanzig Saiten waren, mit Ausnahme von zwei, welche das kleine und eingeſtrichne B angaben, ſämmtlich in der diatoniſchen Tonreihe von G geſtimmt; die dazwiſchen lie⸗ genden halben Töne konnten nur Tangenten an die Saiten hervorgebzacht werden neben dem Uebelſtande, daß ſie nie volllonimen„e Nachtheil eintrat, daß die Saiten häufig der and
-ch aber agen, der Iten Kraft . her auch
s dem nöthig werdenden zu ungleichmäßigen Anſchlagd raſche
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5 Des Vaters Grab, vom S In der Benemun werden wir den Namen„Clavier'
e8.“ 5 Da eilen ſie, al„nde Wellenn Claſſennamen beibehalten; wo von den verſchiedenen 6 an Verbrecher dürfen.—. S ſie, als er. über Filavichord(auch kurzweg Clavier genannt), Clavicembal, Pi ven Verbrech Drei Kihde E gb de iſt, werden deren Namen gebraucht werden⸗ 3
SIAunſtizamtmann beſann ſich
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ſie beim Niederdrücken der Taſte an die
wohl ſchon
durch ſtärt ces Am'hlagen der—


