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Geiſte, deutſcher Einheit und Größe nichts weniger als entſpricht, iſt dies beim Keller durchaus der Fall; er iſt ein würdiger Repräſentant der deutſchen Weinpflege, der edlen Frankenweine, wie ſie unſere Zeit liefert, und darf ſich mit Stolz den Königs⸗ keller der deutſchen Weinſtadt nennen laſſen.
Der Hofkeller beſteht aus zwei großen von einander getrenn⸗ ten Abtheilungen— alſo aus zwei Kellern— und nimmt faſt das ganze große Areal des Schloſſes ein. Der rieſige Schloßbau ruht zumeiſt auf den gewaltigen Kellerpfeilern. Die weniger be— ſuchte, weil weniger intereſſante Abtheilung, die ſüdweſtliche, enthält die kleinern abgeſchloſſenen Räume mit den Weinpreſſen, den Moſten nind jüngern Weinen. Der großartige, prächtige, vorzugsweiſe Hof⸗ keller genannte weite Raum befindet ſich unter dem rechten Schloß⸗ flügel nach Nordoſt und iſt für die Cultur und Ablagerung der Weine beſtimmt. Auf der bequemen, behäbigen Treppe gelangt man in den Vorkeller und aus dieſem in eine Rotunde, welche dem Beſucher ſogleich nicht wenig imponirt; denn hier ſieht er den grandioſen Pfeiler von ovaler Form, der das Gewölbe trägt.
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Partie aus dem Hofkeller zu Würzburg.
Vier Kelleröffnungen von ſo bedeutendem Umfang, daß in einer derſelben eine ſteinerne Treppe emporführt, bringen das Tageslicht in dieſen Raum, von welchem ſich die ſtattlichen Gewölbeabtheilun⸗ gen abzweigen, welche die beſondern Namen Moſtkeller und Kammer⸗ keller führen und an welche ſich weiter die Gewölbe, Bandhaus⸗ keller und Schwedenkeller genannt, anſchließen. Der Flächeninhalt ſämmtlicher Abtheilungen beträgt 11,603 Quadratfuß; die Höhe der Gewölbe neunzehn und einen halben Fuß, die Breite dreiund⸗ dreißig Fuß. Die zweckmäßig vertheilten geräumigen Kellerfenſter führen Licht und Luft in nöthiger Menge in die Gewölbe; der Boden iſt durchweg mit großen Steinplatten belegt und in be⸗ ſtimmten Entfernungen mit Vertiefungen verſehen, in welche die um ſämmtliche Keller hinlaufenden ſteinernen Rinnen ausmünden, die, wenn ein Faß zerplatzen ſollte, keinen Becher Wein verloren gehen laſſen. Eine andere zweckmäßige Einrichtung iſt ein ſpringender Brunnen hellen, friſchen Waſſers im Keller, der das Gemälde an⸗ genehm belebt, in die Ruhe des Ganzen ſanfte Bewegung bringt, für die heilſame Abkühlung der etwa allzu weinheißen Köpfe ſorgt und die prompte Reinigung aller Gefäße ermöglicht. Es iſt nicht ohne Bedeutung, für den feinen Genuß der verſchiedenen Weinſorten hintereinander ſtets friſche, reingeſchwenkte Gläſer zur Hand zu haben.
Der Hofkeller umfaßt gegen ſechshundert Fäſſer mit ungefähr
20,000 Eimern Wein; die Lagerung iſt in den verſchiedenen Ge⸗ wölben, je nach ihrer Weite und Höhe, bald in zwei, bald in drei Reihen und hie und da in zwei Etagen übereinander. Zur Be⸗ arbeitung der Weine auf der obern Etage wird ein auf Rollen laufendes Gerüſt von drei Fäſſerbreiten verwendet. Die neuere beſſere Weinpflege hat das Volumen der Fäſſer ſehr verringert; ſonſt lagen hier jene Faßgiganten, deren Vorbild das Heidelberger Faß war, und in welche man gewiſſermaßen die Ehre eines fürſt⸗ lichen Kellers ſetzte, die aber doch nur der maſſenhaften Weinpro⸗ duction von geringer Qualität entſprachen. Zum Andenken an jene Zeit liegt noch ein einziges Rieſenfaß im Hofkeller, das 660 Eimer enthält und ſein Daſein dem hochſinnigen Fürſtbiſchof Franz Ludwig von Erthal(1779—1795), dem vorletzten geiſtlichen Re— genten dieſes Landes, verdankt, wie eine gereimte Inſchrift an deſſen Fronte beſagt.
In dieſen handlichen Fäſſern von ſo ſauberem, gaſtlichem An⸗ ſehen ruhen die edlen flüſſigen Geiſter der geſegneten Frankenberge aus ſehr verſchiedenen Zeiten traulich beiſammen. Das iſt ein
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köſtliches Enſemble, eine geiſtreiche Weltgeſchichte der fränkiſchen Traube, auch ein Stück Deutſchthum, und wahrlich keines der ſchlechteſten, nicht in Bücher gebunden, wie anderer deutſcher Geiſt, ſondern in Dauben und Reifen. Führen wir die Namen der be rühmteſten und trefflichſten Werke der unterirdiſchen Gebinde an: es iſt des Leiſten edles Aroma, des Steins ſanftes Feuer, des Pfülben köſtliche Milde, Hörſteins feine Blume, Saalecks reizende Lieblichkeit, des Kalmuth poetiſche Kraft. Eine humoriſtiſche Ironie iſt es, daß des Hofkellers„Schwedenkeller“ genannt hat, zum Andenken an die über alle Vorſtellung durſtige Thätigkeit dieſer ungebetenen Gäſte während der wenigen Jahre, in welchen ſie hier die Herren ſpielten(1631— 1634). Der ebenfalls nicht unbedeutende Kellen der Veſte Marienberg, der Vorgänger des jetzigen Hoffellers, war, nachdem ſie das Schloß erſtürmt, zumeiſt der Schauplatz dieſes Wunders von nordiſcher Durſtäußerung; es klingt fabelhaft, welche Maſſen von Wein ſie während ihrer kurzen Exiſtenz in Franken vertilgt haben. Wären ſie die Herren des Landes geblieben, ſo wäre für keinen andern Menſchen mehr eine Traube gewachſen. Nun lag im Marienberger Kellerunter andern ſtattlichen Geſellen ein ziemlicher Rieſe von Faß, gefüllt mit dem delicaten Jahrgang 1540. Es war das Koſtharſte, was die fürſtbiſchöfliche Kellerei
man eine Abtheilung


