barg. Sollte man das dem proteſtantiſchen Eroberer ſo ohne Weiteres überlaſſen? Es galt wenigſtens den Verſuch, das herr— liche flüſſige Gut, das man ein Jahrhundert lang mit ſo viel Liebe gepflegt, den nordiſchen Kehlen zu entfremden, in der Hoff⸗ nung, der liebe Gott werde das Schwedenregiment nicht allzu⸗ lange dulden. Der Keller hatte eine kleine verſteckte Abtheilung, irgend ein allerliebſtes, geheimes Gemach; dahinein wurde der Cy— klope des ſechszehnten Jahrhunderts gebracht und ſo geſchickt zu— gemauert, daß die Schweden, die doch ſehr viel in dieſem Keller verkehrten, ihm nicht auf die Spur kamen. Zur größten Freude aller gutkatholiſchen Weinzungen fand man den verborgenen Lieb⸗ ling gerettet in ſeiner Klauſe, als die ſcandinaviſchen Weinſchläuche nach der Nördlinger Schlacht ihren Abmarſch genommen hatten. Als Erbe des Marienberger Kellers erhielt jene Abtheilung des Hofkellers zum Andenken an dieſe tragi⸗komiſche Begebenheit ihren Namen. Der alte Goliath, der in jenem Drama die Hauptrolle geſpielt, liegt zwar noch im Schwedenkeller, aber ſein hiſtoriſch be— rühmter Inhalt iſt mit ſeinen jüngeren, nicht minder edlen und feurigen Brüdern, den berühmten Jahrgängen 1631 und 1728, nach dem königlichen Keller in München gewandert, nicht ohne vor⸗ her noch einmal in ihrer Geſellſchaft den Kehlen trinkluſtiger Er⸗ oberer escamotirt worden zu ſein. Als nänlich die franzöſiſche Armee unter Jourdan 1796 ſiegreich heranzog, ließ der letzte Fürſt⸗
Franzöſiſche Fußtritte für
JZene Tage, als deutſche Fürſten mit dem Blute ihrer in fernen Klimaten für die Sache der Tyrannei geopferten Landes⸗ ſöhne ſich Millionen erwarben, ſtehen obenan auf den ſchmach bedeckten Blättern unſerer deutſchen Geſchichte. Kaum minder ſchmachvoll aber ſind die Zeiten des Rheinbunds, als, wiederum lediglich in dynaſtiſchem und abſolutiſtiſchem Intereſſe, deutſche Krieger im Kampfe gegen die eigenen Brüder das Joch des frem⸗ den Eroberers auf dem Vaterlande immer ſchwerer ſchmieden hal⸗ fen. Längſt hat die Geſchichte ihr Urtheil gefällt über dieſe Pe⸗ riode unſerer kläglichſten Erniedrigung, allein um den ganzen Jam⸗ mer der Rolle kennen zu lehren, welche dieſe deutſchen Hülfstruppen im Heere ihres„Protectors“ ſpielten, liefern die neuerdings ver⸗ öffentlichten Aufzeichnungen eines deutſchen Soldaten einen wichtigen Beitrag, der um ſo mehr unſere Beachtung verdient, als die Zei⸗ tungen den Lenkern der mittelſtaatlichen deutſchen Politik die alten Gelüſte nach einer Anlehnung an das franzöſiſche Kaiſerthum beimeſſen und antideutſche Diplomatenhände die anknüpfenden Fäden vielleicht ſchon zu ſpinnen begonnen haben. Welches Loos den deutſchen Hülfstruppen in der„großen Armee“ gefallen war— welches ſie von Neuem erwarten dürfte das ſchildert in dem gedachten Buche ſchlicht und prunklos ein deutſcher Fürſtenſohn, Markgraf Wilhelm von Baden, der als junger Prinz in drei Feldzügen, vwon 1809 bis 1813, ein ſolches deutſches Hülfscorps, das badiſche, befehligte.
Ein wahres Epos, furchtbar in ſeiner Erhabenheit, entrollen dieſe einfachen Denkwürdigkeiten. Der Feldzug des badiſchen Hülfscorps in Rußland läßt Alles hinter ſich, was die Weltge⸗ ſchichte in dieſer Art aufzuweiſen hat. Der Rückzug Xenophon's muit ſeinen Zehntauſend Griechen iſt dagegen faſt eine Idylle; nur die letzten Kämpfe der Nibelungen am Hof des Hunnenkönigs rufen ähnliche Eindrücke hervor, wie die einfache Schilderung des Mark⸗ grafen Wilhelm über den Untergang des badiſchen Hülfscorps im ruſſiſchen Feldzuge. Unendlich lehrreich für das deutſche Volk aber ſind die Einzelnheiten dieſer Schilderungen, in ſo weit ſie das Verhältniß der deutſchen Hülfstruppen zu den Franzoſen in der „großen Armee“ oft in kleinen, aber ſtets in hellleuchtenden Zügen darſtellen.„.
Der erſte Feldzug, den ein badiſches Hülfscorps im Heere Napoleon's mitmachte, war jener des Jahres 1809 in Oeſterreich, der zur Schlacht bei Aspern führte und in der Schlacht bei Wa⸗ gram ſeinen Schluß fand. Der junge Markgraf Wilhelm, damals noch Graf von Hochberg, wurde dem Marſchall Maſſena als Ad⸗ jutant zugetheilt. Er war Zeuge des erſten Zuſammenſtoßes der Franzoſen und Oeſterreicher geweſen und wurde dann von dem Marſchall beauftragt, dem Kaiſer die Nachricht der errungenen Vortheile zu überbringen,„Zu dem Ende,“ erzählt Markgraf
biſchof Georg Karl von Fechenbach dieſe Perlen ſeines neuen Hof⸗ kellers ſchnell nach dem nahen preußiſchen Orte Marktſteft bringen, wo ſie unter den Fittigen des hohenzollerſchen Adlers ein ſicheres Aſyl fanden. So kettet ſich an die unſelige Geſchichte von der Uneinigkeit Deutſchlands die komiſche dieſer alten Weine. Das vor dem Schweden- und Franzoſendurſt gerettete Faß prangt mit einem gereimten Spruch an ſeiner Fronte, der Nachricht von der Geburt und Pflege des darin aufbewahrten Weines giebt.
Eine andere Kellerabtheilung führte ſonſt einen ebenfalls ſcherzhaften Namen. Weil nämlich in ihr die älteſten und edelſten Weine, die Créme des Leiſten und des Stein vonr allen erhaltenen Jahrgängen, fein brüderlich beiſammenlagen, ſe. wurde dieſes intereſſaute Cloſet„die Sacriſtei“ genannt. Ueber dem Eingange lieſt man wieder gereimte Verſe im Geſchmack jener Zeit, die uns freilich nicht mehr ſo munden, wie die Weine. Von den Böden dieſer Fäſſer und von den Mauern dieſer Gewölbe ſollten die den heutigen Weinen entſprechenden Gedichte und Reim⸗ ſprüche des trefflichen Frankendichters Ludwig Bauer flammen, der ſeine vaterländiſchen Weine ſo reizend beſungen hat. O dieſer poetiſche Hofkeller verdiente, wie der Bremer Rathskeller, daß ein Dichter darin ſeine patriotiſch-önologiſchen Phantaſien ſchriebe, und ſie müßten wahrlich noch farben-, geiſt- und gemüthreicher ſich darſtellen, als Wilhelm Haufſ's einſt vielgeleſenes Werk.
deutſche Fürſtendienſle.
Wilhelm,„frug mich der Marſchall Maſſena, was ich melden wolle. Ich erwiderte, daß das, was ich mit angeſehen, in der Gefangen⸗ nehmung von ungefähr fünfzig Mann und dem Verluſt von nur
ſehr wenig Leuten beſtände. Der Marſchall entgegnete hierauf lebhaft, dies dürfe ich dem Kaiſer nicht ſagen, denn ich
würde einen Bericht mitbekommen, in welchem der Verluſt der Oeſterreicher auf vierhundert Gefangene und eine große Anzahl Todter angegeben ſei, wornach ich mich zu richten hätte.“— Das war die erſte Erfahrung, die der junge deutſche Krieger im Gefolge des franzöſiſchen Marſchall auf dem„Felde der Ehre“ zu machen Gelegenheit hatte.
Am 1. Mai 1809 beſtand das badiſche Dragonerregi⸗ ment, welches die Avantgarde bildete, mit der Arrièregarde des Hiller'ſchen Corps ein höchſt ehrenvolles Gefecht. Unterſtützt von würtembergiſcher Cavalerie, die ein anderer Adjutant Maſſena's, Obriſtlieutenant St. Croix, führte, ſprengten die deutſchen Reiter das Viereck eines Bataillons vom Regiment Jordis; ein badiſcher Trompeter erbeutete die Fahne des geſprengten Bataillons. Da ſprengte ſeinerſeits der Herr Oberſtlieutenant St. Croix herbei, entriß dem Trompeter die Fahne, brachte ſie dem Marſchall, wurde dafür auf der Stelle zum Oberſten ernannt, erhielt einen höhern Orden— und der deutſche Dragonertrompeter konnte ſein Trom⸗ peterſtückchen erzählen, wo er wollte, nur nicht wo der Franzoſe,. der den Lohn bekommen, es hörte. Das war der erſte Lorbeer, den die deutſchen Truppen hier erworben und den— die Fran⸗ zoſen ſich zuſprachen.
Wir übergehen den wenn auch vielfach intereſſanten Verlauf dieſes Feldzugs und der ihm folgenden Jahre, um alsbald zu dem erſchütternden Gemälde des Kampfes von 1812 zu kommen.
Zum ruſſiſchen Feldzuge ſtellte Baden 7666 Mann, zum großen Theile aus Leuten beſtehend, die den Feldzug von 1809 mitgemacht hatten. Dazu ſtieß eine Abtheilung Heſſen. Napoleon „ließ dem noch nicht zwanzigjährigen Markgraf Wilhelm eröffnen, daß er ihm das Commando der ausmarſchirenden Truppen beſtimmt habe.“ Der Anfang der Campagne beſtand für die Badenſer und Heſſen in blutigen Mißhandlungen, die ihnen vonder franzöſiſchen Garde in Stettin(wo ſie ebenſo wie ſpäter in dem ungeſunden Danzig viele Wochen den härteſten Garniſondienſt leiſten mußten) zu Theil wurden.„Graf Laborde,“ erzählt der Markgraf,„beſtrafte einige ſeiner Officiere und Unterofficiere, wobei ich mich um ſo mehr beruhigte, als ich vorausſah, daß alle weiteren Klagen und Re⸗ clamationen erfolglos bleiben würden.“
Dieſe und ähnliche Scenen waren baren Tragödie, die endlich über die deutſchen Truppen hereinbrach. Das neunte Corps der großen Armee, welches i Mehrzahl
der Prolog zu der furcht⸗
aus den Truppen des Rheinbundes beſtand, hatte in Smolensk
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