Jahrgang 
12 (1865)
Seite
187
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mit dem Wahnſinn kämpfen, während er es während ſeines Lebens ſchon vergeblich gethan hatte? Aber wahnſinnig oder nicht! Auch für einen Wahnſinnigen war dieſes finſtere Loch ein fürchter⸗ licher Kerker.

Und ich ſtand wiederum auf dem kleinen, engen Hofe, und noch ſonniger und heiterer ſchaute mich der blaue Frühlings⸗ himmel an. Und wieder raſſelte die alte Frau mit ihrem Schlüſſelbunde, und ſie ſchloß in dem rechten Flügel des ſchreck⸗ lichen Schloſſes eine Thür auf. Ich blickte in einen großen, kaſemattenartig gewölbten Raum. Er war hell; denn er erhielt ſein Licht durch die Fenſter, welche nach dem Hofe hinausgingen. Es war das Gefängniß der Juniüinſurgenten, welche die Bourgeoiſie der Februarrepublik, nachdem ſie mit den Kanonen Cavaignac's den Aufſtand der Vorſtädte in den Straßen von Paris nieder⸗ geworfen hatte, nach Schloß If führte. Sie brachten dort fünf Jahre zu. Im Jahre 1852 wurden die Uebriggebliebenen, deren Gefängnißzeit noch nicht abgelaufen, oder die noch nicht geſtorben waren, nach Cayenne gebracht. Sie ſchliefen indeß nur während der Nacht in dieſen Kaſematten oder in den Kammern des oberen Stockes. Während des Tages konnten ſie ſich auf dem Hofe oder auf der oberen Terraſſe des Schloſſes ergehen. Die Kaſematten waren eben wie andere Kaſematten. Sie waren nicht ſchlechter und nicht beſſer als die Kaſematten des Schloſſes Silberberg in Schleſien, in denen ich ſelbſt viele Monate zugebracht habe. Ich ſah, die moderne Zeit war doch etwas menſchlicher mit den poli⸗ tiſchen Gefangenen umgegangen, als die Könige von Gottes Gnaden.

Nun ſtieg ich die gewundene eiſerne Treppe hinauf, welche zu der oberen Galerie führte. Die Kerker der eiſernen Maske, des Herzogs von Orleans, der ſich Philipp Egalité nannte und mit der Revolution zu ſpielen verſuchte, bis ihm dieſe den Kopf abſchlug, und der Kerker Mirabeau's befanden ſich im oberen Stock. Hier in einem hohen gewölbten Gemache mit einem vergitterten Fenſter brachte der Mann, dem die Geſchichte den Namen der eiſernen Maske gegeben hat, drei Monate zu. Dann wurde er nach Paris in die Baſtille geführt, wo er nach vielen Jahren geſtorben iſt. Dieeiſerne Maske iſt bekanntlich eine Perſönlich⸗ keit aus der Regierungszeit Ludwig's des Vierzehnten, über deren eigentlichen Namen und Abſtammung ſich die Geſchichtsſchreiber vielfach den ⸗Kopf zerbrochen haben und deren Identität noch heute nicht unwiderleglich feſtgeſtellt iſt. Noch immer behaupten Viele, der Mann mit der eiſernen Maske ſei ein Halbbruder Ludwigs des Vierzehnten geweſen, der ſich durch dieſe Gefangen⸗ ſchaft ſeiner habe entledigen wollen, während andere Geſchichts⸗ forſcher in ihm einen italieniſchen Staatsmann erblicken, welcher an demgroßen König einen Verrath begangen habe.

Dieſelbe Galerie, aus der wir den Kerker der eiſernen Maske betreten haben, führt in einen andern Kerker, der ſich in dem die rechte Seite des Schloſſes flankirenden Wartthurm be⸗ findet. Der Kerker war hoch und weit, wie ein in Stein gehauenes

Gewölbe. Ein kleines vergittertes Fenſter erleuchtete ihn ſo ziem⸗ lich. Der Blick aus dem Fenſter fiel auf das Meer und ſtreifte

über die weite blaue Waſſerfläche bis zu den Bergen. Ein wei ter, ſchöner Blick! In der hintern Wand des Kerkers befanden ſich zwei Eiſenringe. Die alte Frau faßte einen dieſer Ringe und ſagte:An dieſem Ringe war der Herzog von Orleans angekettet, während er hier gefangen ſaß.

Ich war erſtaunt über dieſe Vorrichtung. Selbſt in den Kerkern Monte⸗Chriſto's und Faria's hatte ich keine Ketten be⸗ merkt. Auf meine Frage erwiderte die Frau:Er machte einen Fluchtverſuch, der mißlang. Darauf wurde er mit einer Kette an die Mauer angeſchloſſen.

geweſen ſein! Er hatte an allen Laſtern des lgenommen, um daſſelbe ſtürzen zu helfen und deſſen Ruin zu ſeinem eignen Vortheil auszubeuten. Die gold⸗ ſtrahlenden Säle des Palais Royal, wo er jene glänzenden Feſte gab, bei denen Jemand die prophetiſchen Worte äußerte:Nous dansons sur un volcan, und dieſer wüſte, kellerartige Kerker, welche Contraſte! Der Aufenhalt in dieſem Kerker wurde mir widerlich. Nicht die Thränen eines Unglücklichen hatten dieſe kalten Steine benetzt, das Laſter hatte ſie beſchmutzt.

Führen Sie mich nun in den Kerker Mirabeau's, ſagte ich zu der alten Frau;er beſaß wenigſtens neben Liſtern auch große Tugenden und eminente Talente. 7

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ußte dem ſchlechten und laſterhaften Manne in dieſem. athe

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Wir gingen die Galerie entlang nach dem Theile des Schloſ⸗ ſes, welcher der Eingangspforte gegenüberliegt. Auf der Langſeite der Galerie öffneten ſich ebenfalls zwei Thüren, welche in Kaſe⸗ matten führten. Ich warf im Vorübergehen einen Blick hinein. Auch hier waren die Juniinſurgenten eingeſchloſſen, ſagte die Frau,aber nur während der Nacht. Ich habe ſie Alle geſehen. Wir hatten über fünfhundert im Schloß. Ich bin ſeit dem Jahre 1847 im Schloſſe IJf.

Nun betraten wir die andere Seite des Schloſſes. In der Ecke erhob ſich der Wartthurm, der die andern Thürme hoch überragte. Hart an den Wartthurm ſtieß ein viereckiges, nicht gewölbtes Gemach, aus dem man die Ausſicht auf den Schloßhof hatte. Die Frau öffnete die Thür.Und wer hat dieſen Kerker bewohnt? fragte ich.

Ein großer Todter, ſagte das Mütterchen,bevor er in den Sarg gelegt wurde.

Ein Todter? fragte ich verwundert. Todte ein in dieſem fürchterlichen Schloſſe?

‚Kennen Sie den Marſchall Kleber, erwiderte die Frau, den berühmten General, der mit dem Kaiſer in der Schlacht an den Pyramiden focht?

Ob ich ihn kenne! Er war ein Republikaner, ein Mann von Ueberzeugung und edlen Eigenſchaften des Herzens und des Charakters, ein Mann von Muth und Talent, wie nur Einer während der großen Revolution. Ein fanatiſcher Mameluk er⸗ mordete ihn in Cairo. Sein Ebenbild aus neuerer Zeit ſtarb neulich in Baſel, der Oberſt Charras!

Er war es. Sein Leichnam wurde aus Aegypten herüber gebracht, um in Frankreich in vaterländiſcher Erde zu ruhen. Aber in Aegypten war die Peſt. Deshalb wurde der Leichnam hier vierzehn Tage niedergelegt, bevor man ihn ans Land brachte.

Eine ſteinerne Wendeltreppe zog ſich im Wartthurm auf⸗ wärts. Als wir auf der dritten Stufe ſtanden, öffnete die Frau eine niedrige Thür. Sie führte in ein viereckiges Gemach. Das

Kerkerte man auch

Gemach hatte ein größeres Fenſter, als die anderen Kerker im

Schloſſe If. Aus dem Fenſter blickte man auf die andere Seite des Meeres. Der Blick tauchte ſich in die Unendlichkeit. Wenn⸗ das Auge ſo weit reichte, würde man aus dieſem Fenſter die afri⸗ kaniſche Küſte erblicken können.

Hier wurde Graf Mirabeau zwei Jahre geſangen gehalten, ſagte die Frau.Sein Vater ließ ihn einſperren, als er noch ein ganz junger Man war. Sie wiſſen vielleicht?...

Ja, ja, ich weiß, erwiderte ich. Ich befand mich im Kerker des jungen Grafen Mirabeau, den ſein eigener Vater auf Grund einer lettre de cachet König Ludwig's des Fünfzehnten mehrere Jahre einſperren ließ, weil er ſich wider ſeinen Willen verheirathete und tolle Streiche machte, die dem Vater nicht be⸗ hagten. Nun, jedenfalls war es der freundlichſte Kerker im Schloſſe If, wenn man einen Kerker in dieſem fürchterlichen Schloſſe über⸗ haupt freundlich nennen kann.

Ich trat jetzt auf die Terraſſe hinaus, trotz des Miſtrals, der mich umzuwerfen drohte. Blick war wundervoll. ein prachtvolles Amphitheater ſtiegen die Paläſte und Häuſer⸗ reihen von Marſeille im Oſten am Gebirge empor; ein Ma⸗ ſtenwald, mit den bunten Flaggen aller Nationen geſchmückt, umſäumte ihre weißen Füße, welche die ſchöne Stadt in das blaue Meer tauchte. Rechts erhob ſich aus der See die Inſel Tribulon, deren zackige Contouren die Abendſonne vergoldete, links erſchien der blaue Höhenzug, mit dem die ſtarre Küſte der Provence ins Meer ſteigt, in roſafarbenem Schimmer, und wenn ich mich um wendete nach Süden, blickte ich nach Afrika. In der Betrachtung des wunderbar ſchönen und großartigen Meerbildes verſunken, überhörte ich das Brauſen des Miſtrals und vergaß, wo ich ſtand. Aber dann blickte ich auf die Steine unter meinen Füßen. Sie waren mit Inſchriften und Namen bedeckt. Ich bückte mich und las die Namen der Juniinſurgenten, welche hier fünf Jahre ge fangen gehalten wurden. Die Worte22. 23. Juni 1848 wa⸗ ren überall zwiſchen den Namen auf den weißen Steinen einge⸗ graben. Es waren die Kampftage, an denen in Paris der Socia lismus mit der Bourgeoiſie focht. Schreckliche Crinnerung an jene Ungläcklichen, welche Ferdinand Freiligrath ſo bezeichnend mit den Worten beſingt:Ihr vom Schickſalsſturm am weiteſten Getragnen, Ihr Junikämpfer von Paris, Ihr ſiegenden Geſchlag⸗ Und wo ſind ſie geblieben, die Unglückſeligen?

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