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endlich lag das Riff hinter mir,
weiße Spritzwellen über Bord; Südweſt ein Felſeneiland weiß
und nun ſtieg in der Ferne in und geſpenſtiſch aus den blauen Fluthen des Meeres, mit Mauer⸗ werk und Zinnen gekrönt und von Wartthürmen überragt, vor mir auf. Bald konnte ich drei Inſelgruppen, welche durch Dämme mit einander verbunden ſchienen, unterſcheiden; auf der mittleren erhob ſich ein Schloß in mittelalterlichen Contouren. Weithin links ſtieg ein neues Felſeneiland in zackigen Formen auf, nach Süden hin tauchte der Blick in eine unendliche blaue Ferne— in das Meer, welches Europa von Afrika trennt. Das Boot hielt jetzt den geraden Cours auf die mittlere Inſelgruppe. Der Schiffer, der das Kreuz der Ehrenlegion am rothen Bande im Knopfloch trug, welches er ſich als Capitain eines Trausport⸗ ſchiffes im Krimfeldzuge erworben hatte, wie er mir erzählte, zeigte mit der Hand auf das weiße Felſeneiland, und ſagte: „Schloß If!“
„Und links dort die zackige Felſengruppe in der Ferne?“ „Die Inſel Tribulon. Sie erinnern ſich, mein Herr, es iſt die Inſel, an der Alexander Dumas Edmond d'Antès ſchwim mend landen ließ, als er ſtatt des todten Abbé Faria in dem Sack ins Meer geworfen wurde.“
„Ich erinnere mich. Aber was iſt Wahres an dem Roman?“
„Edmond d'Antès brachte vierzehn Jahre in einem entſetz lichen Kerker im Schloſſe If zu, der Abbé Faria ſaß dort in einem ganz ähnlichen Kerker ſechszehn Jahre, bis wahnſinnig im Kerker geſtorben iſt. Edmond d'Antéès und Faria waren beide politiſche Gefangene, der Erſtere Bonapartiſt, der Andere träumte von dem Königreich Italien, welches heute zur Wahrheit geworden iſt. Edmond d'Antès wurde nach vierzehn Jahren frei gelaſſen. Nur der Monte-Chriſto, in den Dumas ihn ſpäter ver⸗ wandelt hat, iſt ein Phantaſiebild des großen Romanſchriftſtellers. Alles Andere iſt wahr. Sie werden ja die Kerker ſehen.“
„Und die eiſerne Maske, und Philipp Egalité, der Herzog von Orleaus, der Vater des Bürgerkönigs— und Graf Mirabeau und die Juniinſurgenten?“
„Sie waren ſämmtlichen eiſerne Maske drei Monate, Graf Mirabeau zwei Jahre und Jahre. Sie werden die Kerker alle dort oben ſehen.“
Währenddem waren wir dem fürchterlichen Schloſſe ganz nahe gekommen. Der Schiffer reffte das Segel ein und führte mit dem Ruder das Boot um einen Felſenvorſprung herum in die kleine Bucht, welche die Inſel Ratonneau und das Eiland bildet, auf dem ſich Schloß If erhebt. Noch einige Minuten, und wir hielten an einer Felſenplatte, die als Landungsplatz dient.
Ein in den Felſen gehauener Stufenweg führte in vielen Plateau hinauf, welches ſich einige Meeres erhebt. In der Mitte
er F
ach einander dort oben eingeſchloſſen; die der Herzog von Orleans ſechs Monate, fünfhundert Juniinſurgenten fünf
Windungen zu dem kleinen hundert Fuß über den Spiegel des des Platcaus ſteht das Schloß, quadratförmig gebaut, von zwei dicken Wartthürmen in der Fronte flankirt, von einem dritten höheren Wartthurm überragt, rings von einem tiefen Graben um⸗ geben, über den eine hölzerne, gebrechliche Zugbrücke führt. Je der der beiden Thürme hat ein kleines Fenſter, mit Eiſenſtäben Aus den Fenſtern blickte die eiſerne Maske und Philipp ie maleriſchen Höhenzüge, welche die Südküſte der Eine, bis man ihn in die Baſtille führte, bis man ihm auf dem Revolu⸗
Welche Erinnerungen ſo düſter und ſo alters⸗
vergittert. Egalité auf d Provence umſäumen; der um dort zu ſterben, der Andere, tionsplatze in Paris den Kopf abſchlug. kleben an dieſen Mauern, die mich jetzt grau anblicken! Schreckliches Gefängniß! Die grauſamen und despotiſchen Bourbonen, die große Revolution, welche das ganze alte Europa aber den Haufen warf, Ludwig der Achtzehnte, der in der Verbannung nichts gel Bourgeoiſie der Februarrepublik haben dort fürchterlichen Urtel vollſtreckt.
Ein altes Mütterchen, die mich über die ſchwankende Zugbrücke,
Thor traten wir in einen kleinen viereckigen Hof. Hofe des Schloßes Jf.
Gerade vor mir erhob ſich weit aus der Ferne erblickt hatte. mir führten gewölbte Thüren in die untern Räume des in der halben Höhe der Mauer lief die oberen Räume des Schloſſes betrat;
Ich ſtand in
der hohe Thurm, den ich ſchon
Schloſſes
ernt und nichts vergeſſen hatte, und die Alle nacheinander ihre
Frau des Caſtellans, führte und durch ein gewölbtes
Rechts und links und vor
eine Galerie, von der man zu der Galerie ſtieg man
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Von oben blickte in hlingshimmel hinein.
auf einer gewundenen Eiſentreppe hinauf. den düſtern Hof der blaue, ſonnige Frü
„Ich werde Sie nun zuerſt in den Kerker von Edmond d'Antéès führen, mein Herr,“
näſelte das Mütterchen,„oder des Grafen Monte⸗Chriſto; er ſaß dort vierzehn Jahre.“
Und ſie ſchloß eine ſchwere Holzthür in der Mauer an der linken Seite des Hofes auf. Wir traten in einen gewölb⸗ ten, kellerartigen Naum, der eine Länge von ſechszehn Schritt und eine Breite von fünf Schritten hatte. Das Licht ſiel durch ein kleines, eiſenvergittertes Fenſter hinein. Oder nein, es war kein Licht, es waren einige ſchwache Lichtſtrahlen, bei deren Schimmer ich das alte runzlige Geſicht des Mütterchens nicht erkennen konnte. Eine feuchte Luft wehte mich an.„Und hier ſaß wirklich Edmond d'Antés vierzehn Jahre?“ ſagte ich ſchaudernd.„Ein politiſcher Gefangener, dem man niemals einen Proceß gemacht hat, der nur bonapartiſtiſcher Sympathien verdächtig war, weil er in Marſeille einige Briefe übergeben hatte, deren Inhalt er vielleicht gar nicht kannte! Und dieſe Grauſamkeit verübte ein Bourbon, nachdem er faſt fünfundzwanzig Jahre das Brod des Exils gegeſſen hatte! Dieſe Race iſt doch unverbeſſerlich!“
„Nur während des Tages, mein Herr, nur während des Ta⸗ ges,“ ſagte das Mitterchen.„Sollen gleich ſehen, wo er des Nachts war.“
Dann zündete ſie mit einem Talglicht an und ſchloß eine kleine Thür auf, we Mauer befindlich war und die ich nicht bemerkt hatte. Gebückten Hauptes trat ich durch die Thür in ein ganz dunkles Loch. Ich fühlte mit den Händen die Mauer und maß das ganze dunkle Loch mit den Schritten, bis ich wieder an die Mauer ſtieß. Das Loch hatte eine Breite von zwei und eine Länge von vier Schrit⸗ ten. Mit dem Kopfe ſtieß ich an die Decke. Ich konnte nur ge⸗ bückt ſtehen.
„Hier brachte Edmond d'Antès vierzehn Jahre alle Nächte ſagte die alte Frau;„während des Tages ließ man ihn, in
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chwefelholz ein Stümpfchen lche in der
zu t, das große Gefängniß.“ Ich ſchauderte. Das dunkle Loch erſchien mir wie ein ſchwar⸗ zer Sarg. Alle ſchreckliche Stunden, welche Dumas in ſeinem
kerleben des Unglücklichen ſchildert, ſtiegen warze Geſpenſter. Nein, der Jeiſtvolle Ro⸗ Kerker Monte⸗Chriſto's noch nicht ſchreck⸗ Schaudernd trat ich aus dem dunkeln
Roman aus dem Ker vor mir auf, wie ſch manſchriftſteller hat den lich genug geſchildert!
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Loche. Das Stück Himmel über dem düſtern Gefängnißhofe er⸗ ſchien mir jetzt noch einmal ſo ſonnig und ſo blau, wie vorher. Ich athmete wieder auf. Balſamiſch, wie der Odem des Himmels, wehte mich die Frühlingsluft an. Sie trug auf ihren Schwin⸗ gen den Duft der Veilchen, der erſten und lieblichſten Frühlings⸗ blumen.
Die alte Frau mit dem Schlüſſelbunde ſtand wieder neben mir. Sie hatte den Kerker Monte-Chriſto's von Neuem ver⸗ ſchloſſen.„Nun ſollen Sie den Kerker des Abbé Faria ſehen,“ ſagte ſie mit ſchwacher, zitternder Stimme. Dann trippelte ſie über den Hof und ſchritt durch die Thür, welche dem Eingangsthore gerade gegenüber liegt. Ich folgte ihr und betrat einen ziemlich großen, halbdunkeln, kellerartig gewölbten Raum. Aus dem Raume führte eine Thür in einen andern Kerker. Es war ganz duntkel. Das alte Mütterchen zündete mit dem Schwefelholz von Neuem ihr Talgſtümpfchen an. Ich blickte mich um. Nackte Wände, welche einen Raum von ungefähr acht Schritt Breite und Länge umſchloſſen. Im Hintergrunde des Kerkers war eine wallförmige Erhöhung in der ganzen Breite der Mauer.
„Dies iſt die Wölbung des Kerkers, in ſchlief“, ſagte die Frau.„Durch dies Gewölbe iſt der gebrochen, Sie wiſſen?“
„Ja, ja, ich weiß,“ ſagte ich. Dumas', worin der Abbé einen Gang durch Kerker Edmond d'Antés' führt, erſt kürzlich geleſen. Abbé?“ fragte ich.
„Er iſt nach ſechszehn Jahren in dieſem Kerker geſtorben..“
„Ließ man ihn nie heraus? Konnte er nicht den vorderen⸗ „Raum betreten, wie Edmond d'Antès?“
„Nein, er war ja wahnſinnig.“—
War es die Tradition aus dem Dumas ſchen Roman, welche ſich in dem Kopfe der Alten feſtgeſetzt hatte, oder war der Abbé Faria wirklich wahnſinnig geweſen? Mußte ſein Andenken noch
dem Monte⸗Chriſto Abbé durch⸗
Ich hatte die Schilderung ) die Mauer in den „Und der
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