Jahrgang 
11 (1865)
Seite
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iſt durch das beſonnene Benehmen und die Geiſtesgegenwart des Zugsperſonals kein Menſchenleben zu beklagen. Die Strecke,

dt welche durch dieſen Unfall unfahrbar wurde, konnte erſt der nach außerordentlichen Anſtrengungen dem Verkehr wiedergegeben ief werden.

ot ein Es iſt ſicherlich keine der geringſten Leiſtungen der Bora ge⸗ auf weſen, über Laſten von Hunderten von Centnern Schwere Herr

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zu werden. Sie herrſcht noch in ihrem Reiche, trotz der mächtigſten

Erfindung, die der Menſch ihr entgegenſtellte. Möge darum der anſcheinlich unanſehnlicheren, nur leiſe und Schritt für Schritt

gegen ſie heranwachſenden Macht der Cultur es gelingen, den Wütherich wieder in die Feſſeln des Wäldergürtels zu legen, den die Selbſtſucht und Unkenntniß der Menſchen zum Verderben der Nachkommen ihm einſt abgenommen!

In dem Atelier unſers wackern Meiſters Knaur, mit deſſen künſtleriſchem Bildungsgange die Leſer derGartenlaube ein frühe⸗ rer Artikel(1859 Nr. 35) bekannt gemacht hat, iſt eben eine über⸗ lebensgroße Marmorſtatue Gellert's vollendet, welche, für Leipzigs der Seite ſchönen Stadtpark, dasRoſenthal, beſtimmt, daſelbſt im Laufe

41 Die dieſes Frühlings aufgeſtellt werden wird, und von der ſchon jetzt unſern Leſern eine Zeichnung vorlegen zu können wir uns freuen.

Knaur iſt viele Jahre ſeines Lebens hindurch und in ver⸗ ſchiedenen Wiederholungen mit der künſtleriſchen Darſtellung und monumentalen Verherrlichung Gellert's beſchäftigt geweſen. In dem eben angeführten Artikel dieſer Zeitſchrift beſprachen wir neben Hoff anderen Werken des Künſtlers beſonders eine daſelbſt auch abge⸗ bildete Statuette des frommen Dichters, welche ihn wie in milder Begeiſterung über einem ſeiner religiöſen Lieder ſinnend darſtellt; er ſchon früher, ſchon als Zögling Rietſchel's, hat Knaur den rf zu einem vollſtändigen Gellertmonumente geſchaffen der üntwurf geblieben iſt. Man darf demnach wohl ſagen,

4 galtz abßeſehen beſondern Intereſſe, wel⸗

eipziger an dem Gegenſtande hat ſo ſehr wie ein Künſtler berufen und vorbereitet war, den Auftrag zu ſtatuariſchen Monumente Gellert's auszuführen. Daß die aber nun dahin gelangt iſt, wo wir ſie finden, und daß ute Stadt Leipzig damit in den Beſitz einer ſchönen monu⸗ alen Zierde gelangt, an deren Ueberfluß ſie bisher nicht ve gelitten hat, das hat ſeine eigene Geſchichte, von der Eini⸗ Straße. zu erfahren wohl auch für weitere Kreiſe nicht ohne Intereſſe 1 m wird..

Es iſt eine Reihe Jahre her, daß Knaur unerwarteter Weiſe von einem Grafen H**(der beſcheidene Mann will weder an dem Denkmal ſelbſt, noch in der Preſſe öffentlich genannt ſein), deſſen ſeitdem leider verſtorbene Mutter eine lebhafte Verehrerin Gel⸗ lert's war, den Auftrag zu einem für das Leipziger Roſenthal beſtimmten Gellertmonumente erhielt; eine beträchtliche Geldſumme, die Hälfte aller Koſten, welche zur Herſtellung des nun vollende⸗ ten Denkmals erforderlich waren, wurde angewieſen, im Uebrigen über die Form des Monuments Nichts vorgeſchrieben, als daß auf demſelben der Gellert'ſche Vers:

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Hoff

Gott ſoll ich über Alles lieben N Und meinen Nächſten gleich als mich

N

1 1 N unter einer Büſte oder einem Medaillon mit des Dichters

wmw AI rait anzubringen ſei. of Daß nun der Künſtler dieſen Auftrag mit aller Lebhaftigkeit wird nach dem oben Geſagten Niemand wundern; ſehr na⸗ iſt es aber auch, daß er den Wunſch hegte, das Werk in ft monumentaler Weiſe zu geſtalten, vor Allem, ſich, wenn möglich, bis zu ſtatuariſcher Darſtellung und bis zu dem 6,. ateriale weißen Marmors zu erheben. Allein da galt es, . nre Schwierigkeiten zu beſiegeng für die Herſtellung einer Marmoſtatue reichten die gebotenen Mittel bei weitem nicht aus; dieſelbendurch die Betheiligung wohlhabender Kunſtfreunde und Freunde x Vaterſtadt zu vermehren, wollte nicht gelingen, ob⸗ gleich derzünſtler an manche Thür geklopft hat. Nicht allein abgewieſen Nde er mit ſeinem Anliegen und ſeinen Plänen, man that auch, man konnte, ihn zu entmuthigen und von Schrit⸗ ten bei den gden der Stadt abzuhalten. Als jedoch trotz die⸗ ſer Mägerfo Iaad fruchtlos unerquicklichen Unterhandlungen der Sabſchrecken ließ, da wandte ſich das Blatt; ohne deken nahm ſich der Bürgermeiſter/ Koch der Fathsantrag auf Bewilligung der mochen c die Stadtverordnet.

nend agons ſchädig⸗ öſchung Ademije

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Leipzigs gottesfürchtiger Dichter in ſeinem Lieblingshaine.

bei; der Plan war gerettet und die Stadt Leipzig hat ſich in wür⸗ diger Weiſe an der Herſtellung eines Denkmals betheiligt, zu deſſen Aufrichtung eine um ſo nähere Veranlaſſung gegeben war, als das alte Gellertmonument auf dem ehemaligen ſogenannten Schnecken⸗ berge dem Theaterneubau am Auguſtusplatze hat weichen müſſen.

Zur Würdigung nun der Statue ſelbſt und zum rechten Ver⸗ ſtändniß der Intentionen des Künſtlers muß zunächſt ein Wort über den Aufſtellungsort geſagt werden. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, daß bei jedem Kunſtwerke die Auffaſſung, der künſtleriſche Charakter von der Beſtimmung und von dem Orte und der Art der Aufſtellung abhängig zu denken iſt; es ſollte we⸗ nigſtens ſo ſein und iſt in allen Zeiten lebendiger Kunſtübung, bei den Alten nicht minder als in der Renaiſſance, ſo geweſen, und es müßte allgemein empfunden werden, daß es für die Con⸗ ception eines plaſtiſchen Monumentes durchaus nicht gleichgültig iſt, wohin man daſſelbe ſtellen will, ob in einen geſchloſſenen Raum, ob in nächſte Verbindung mit der Architektur, oder auf einen weiten, von Häuſern umgebenen Platz, auf eine belebte der in die freie Natur, in einen Garten oder, wie es 6 ugebung von Wald und Wieſe. Wen⸗ an Knaur's Statue die nig enrehafte

Siiaße, hier der Fall iſt, in ne uns demgemäß auf den erſten Bu allein durchaus realiſtiſche, ſondern ekttes Küffaſſu und Behandlung befremden mag, ſo wird dies Bef nden 54 ger Zuſtimmung weichen, wenn wir die Beſtimmung des Bildes in's Auge faſſen, wenn wir uns die Statue in die für ſie ewählte Umgebung hineingeſtellt denken. 3 4 DasRoſenthal, ein parkartig behandelter Laubwald mit weiten, von prächtigen alten Bäumen und dichten Gebüſchen umgebenen Wieſenflächen, iſt der namentlich an Sonntagen vielen Hunderten beſuchte, unſchätzbare Spaziergang Lein das war er ſchon zu Gellert's Zeit, ja, der alte Her bekanntlich das damals ausſchließliche Privilegium im thale zu reiten. Hier alſo, in dieſe Umgebung, in die der ſonntäglichen Spazierganger, wird Knaur's Statue dnf eſteltt an einem trefflich gewählten und künſtleriſch herzurichtenden Plau angeſichts eines der belebteſten Wege, umgeben von Raſenfläche und Blumenpartien, während uralte hohe Eichen und lauſch ige Ge⸗ büſche, unter denen Bänke angebracht werden ſollen, die En 4 mung und den Hintergrund bilden. 1 mah Und wenn wir nun ſehen, daß der ſinnige Meiſter den alten Herrn in dieſe Umgebung ſelbſt als einen Spaziergänger hinein ſtellt, nicht ſitzend, wie den Gelehrten in der Studirſtube nicht dichtend und ſinnend wie in ruhiger Einſamkeit ſondern g erade ſo, wie er leibhaftig im Roſenthal erſchienen ſein mag werhi ein Kreis ſelbſt ſpazierengehender Verehrer, der in jedem Augenblia durch die Beſchauer wieder dargeſtellt wird, ſich eben um ihn ſammelt hat, werden wir da nicht ſagen müſſen daß der Bildu⸗ ſeiner Auffaſſung genau das Richtige getroffen hat? So a Statue in der That gedacht. Der Baumſtamm mocben, d ſchließt die Verbindung mit der Umgebung, dig att eben jetzt geſchloſſenen Buch, in welchem er luſtwo. 2 mag, auf dieſen Stamm geſtützt, den dKchrt, ſondere ug im ſonntäglichen Habit ſeiner Zeit, 7 d ahnce a uns, nicht in einer beſtimmten⸗ei. rrten Geſele darſtellender Schauſpieler mif zhn Nup e por nein, in voller Ruhe, ſo w weder den Dichter noch den Menſch in ſeiner Gar tion als der Mittelp auden haben würd 2