Jahrgang 
11 (1865)
Seite
172
Einzelbild herunterladen

V

V

V

b

Gefühl angepaßte Auffaſſung und Compoſition, Eigenthümlichkeit unſer Künſtler die Analogie höchſt ausgezeichneter Portraitſtatuen des Alterthums anführen könnte; denn wirklich iſt

die Situation des berühmten Sophokles im Lateran und des Neapeler Aeſchines im Weſent⸗ lichen ganz diejenige dieſes Gellert, und die letztere dieſer beiden Sta⸗ tuen iſt auch in der realiſtiſchen Behandlungsweiſe mit der unſrigen verwandt, nur daß die antiken weiten Falten auf unſer Auge anders wirken, als die moderne

Tracht. Und doch hat der Künſt⸗ ler unzweifelhaft Recht gehabt, uns ſeine Statue in eben dieſer

Tracht, ohne alle Faltenzuthaten hinzuſtellen; die vielkragigen Kut⸗ ſchermäntel, durch welche die mo⸗ derne ſtatuariſche Portraitbildnerei eine Zeit lang antiken Falten⸗ wurf erſetzen zu müſſen geglaubt hat, ſind längſt als entbehrlich, ja als vielfach ſtörend erkannt wor⸗ den, hier aber, bei einer Statue, die man hauptſächlich im ſchönen Sommerwetter betrachten wird, wenn's im Roſenthale grünt und blüht, und der man im Winter wohl, wie unſeren übrigen ſtei⸗ nernen Monumenten, ein hölzernes Schilderhäuſel überdecken wird, hier G väre ein Kutſchermantel doppelt A a dreifach ſchlecht am ☛☚ Lſen Sehr vertuer Weiſe der Küſer dagegen ſeinem ellert einen Hut in den Arm egeben, der zugleich als ein utes Motiv einer einfachen und Ratürlichen Bewegung des linken Armes wirkt; denn haben wir al den alten Herrn in leib⸗ Perſönlichkeit vor uns, ſo wir ihm auch zugeſtehen daß er nicht ohne Hut ſenthal gegangen iſt.

Die dieſen Zeilen beigegebene Zeichnung überhebt uns beinahe der Pflicht noch beſonders hervor zuheben, daß Knaur trotz alles Realismus der Auffaſſung das Platte und ſpielend Genrehafte mit Glück vermieden und ſeiner Sta tue im Antlitz und in der Hal tung plaſtiſche Ruhe und monu mentale Abgeſchloſſenheit genug zu geben gewußt hat, um ſie mit ihrer Aufſtellungsart in Harmonie zu bringen. Von dieſer nämlich habedswir noch ein kurzes Wort hinzuzufügen. Das ziemlich hohe poſtament wird aus rothem Roch nitzer Porphyr ausgeführt, und ſoll

tragen. 2n

.

W ¹ Aung dr

der aufopferndſten Anſtrengüng

8 RAg 1=ee LELen

kamen Gellert, ohne alle Beifügungen von Geburts⸗ und Unter dem Geſimſe aber wird in vergoldeten

für deren ſpecifiſche⸗ Buchſtaben auf einer Erzplatte an der Vorderſeite der oben ſchon angeführte Vers eingelaſſen werden, dem hinten der folgende ent⸗ ſprechen wird:

Seid fröhlich, ihr Gerechten, Der Herr hilft ſeinen Knechten.

Zu beiden Seiten ſollen dann weiter dieſe Verſe angebracht wer⸗ den, rechts:

Vertrau' auf Gott, er wohnt bei denen,

Die ſich nach ſeiner Hülfe ſehnen. Und links:

Der wahre Ruhm iſt Ruhm bei Gott

Und nicht bei Menſchenkindern.

Schließlich wollen wir noch einmal auf das Material der Statue zurückkommen; daß es weißer Marmor ſei, haben wir ſchon geſagt, hier ſei noch hinzugefügt, daß carrariſcher Marmor der ſo⸗ genannten zweiten Claſſe abſicht⸗ lich gewählt wurde. Während nämlich der Marmor der ſogenann⸗ ten erſten Claſſe die Eigenſcha⸗t hat das Waſſer, wenn auch 1 in höchſt unbedeutendem Grä

anzuziehen, ſteht der hiern wählte gegen Näſſe vollkg und läßt das Waſſer wie⸗ tes Porcellan ablaufen. mnach wohl hoffen, daß

Knaur'ſche Gellertſtatue, namentli

wenn ſie im Winter, wie obe

angedeutet, verwahrt wird, der Ungunſt unſeres Klimas vollkom⸗ 1

men widerſtehen wird. Erfüllt b ſich aber dieſe wohlbegründete Er⸗ wartung, ſo dürfte damit das vielgehegte Vorurtheil, als ob wir in unſeren Breiten Marmor⸗ ſtatuen nicht ungeſtraft im Freien aufſtellen dürften, auch bei uns wohl beſeitigt werden, wie es z. B. in Berlin durch die Gruppen auf der Schloßbrücke beſeitigt worden iſt. Das aber wäre von nicht geringer Bedeutung; denn ſo vor⸗

trefflich ſich die Bronze für ge⸗

wiſſe monumentale Zwecke eignet, ſo wenig paßt ſie für alle. In unſerem Falle z. B. wäre ſie gar wenig am Platze geweſen, und ähnliche mögen ſich zu die⸗ ſem geſellen. Uns Leipzigern liegt ſ 3 es gar nahe, dabei an das ſeit Arin A S langer Zeit projectirte Leibnitzmo⸗ ſſ nument zu denken, für welches

beträchtliche Fonds geſammelt ſind

und das in Marmor hergeſtell einem unſerer ſchönen öffentlichen Plätze leicht zu einem erfreuliche ſ * ren Schmucke gereichen duck, in Erz, welches unter den Einflüſſen unſeres Klimas ach nicht die ſchöne Patina antiker Monumente gewinnt, ſondery ielmehr recht ſchwarz und düſter wird. Frbeck.

WeeneNdlllhnö-

Gellertſtandbild in Leipzig. Von Hermann Knaur.

an ſeiner Vorderfläche nur

Preußiſche Fahnenweihe in Feindesland.

uncrunugen eines Veteranen. Mitgetheilt von Georg Hiltl.

des

heuren Stapt; nicht wie ſonſt tönten diet. 4 der Begrüſteng aus tauſend Kehlen in ſan, nrre Imunung in n 22

7 4.

Paris eine eigent⸗ R durchſtrömte eine