Jahrgang 
11 (1865)
Seite
169
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verirrte Handwerksburſche fallen in die überſchneiten Dollinen. So iſt's gar nicht möglich, das Unheil, das die Bora alle Jahre anrichtet, zu Buch zu bringen.

Sie hatten Recht, nahm der Capitain wieder das Wort, die Bora mit einem ſpringenden Raubthier zu vergleichen. Das Springen iſt ihr auch bequem genug gemacht. Der Birnbaumer Wald, auf deſſen kaltem, wildem Rücken der Volksglaube die Bora entſtehen läßt, erreicht durchſchnittlich eine Höhe von zweitauſend Fuß; der Nanos, an deſſen Wänden der Sturm anprallt, iſt über viertauſend Fuß hoch; fünfhundert Fuß tiefer, als der Birnbaumer Wald, ſtreckt die Karſthochebene ſich in einer Länge von zehn und einer Breite von drei bis vier Meilen aus, und zwölf⸗ bis fünf⸗ zehnhundert Fuß unter den Karſthöhen liegt Trieſt und das Meer. Das ſind die Rieſenſtufen, auf welchen das wüthende Raubthier Satz um Satz herniederſtürmt mit wachſender Wucht, bis es im Giſcht der Adria vertobt und verendet. Würden wohl die elaſſiſchen Schriftſteller der alten Griechen und Römer über dieſe Naturerſcheinung, die ſich ihren Schiffen doch bemerklich genug gemacht haben müßte, geſchwiegen haben, wenn ſie damals ſchon ihre heutige Macht entfaltet hätte?

Sicherlich nicht, antwortete der Gefragte;aber wie möchte dieſe auffällige Erſcheinung zu erklären ſein?

Sehr einfach, erwiderte der Capitain.Wir verdanken die Bora vielleicht ſchon den ſpäteren Römern, aber hauptſächlich den Venetianern. Der Karſt war offenbar in alter Zeit ſo gut be⸗ waldet, wie die Gebirge, die hinter ihm liegen. Die Venetianer bedurften aber Holz, und viel Holz, zu ihren maſſenhaften Schiffs⸗ und ſonſtigen großen Bauten. Dieſes holten ſie am liebſten da,

wo ſie am nächſten zur See kommen konnten, und das war

gebirgige Hinterland von Trieſt, das ſie fünf bis zehn Meilen 1 von der Küſte ausbeuteten. Wie für die Lawinen, iſt auch für die Stürme der Wald die ſicherſte Mauer; dieſe Wäldermauer hat die Habgier der Venetianer niedergeriſſen und dem Sturme freie Bahn gemacht und nun haben die Nachkommen zu büßen, was die Vorfahren hier ſündigen ließen. Dieſelbe Wälderverwüſtung, dieſelbe Verödung der Abhänge und Hochebenen des Gebirgs, die⸗ ſelben offenen Bahnen für Stürme, Lawinen oder Gletſcher finden wir am ganzen Südabhang der Alpen. Holz war Unkraut, man hat das Unkraut ausgerodet und damit viele goldene Saat in den I Thälern vernichtet. Sehen Sie jetzt die Flora des Karſt und ſei⸗ H ner Abhänge. Unter dem Hauche der Bora verdorrt aller Pflan⸗ zenwuchs, ſelbſt wo ihre Wirkung etwas gebrochen iſt, verkrüppeln die Bäume und haben nur auf der Siddſeite wenige belaubte Zweige. Es iſt ein Anblick zum Erbarmen.

Und doch wagt es die Cultur, trotz der Bora dem Boden treffliche Früchte zu entlocken, ja, der Bora ſelbſt Trotz zu bieten. Mit dieſen Worten trat ein deutſcher Kaufmann aus Trieſt in un⸗ ſern Kreis.Sie haben in Ihrer Unterhaltung mehrmals von den Dollinen geſprochen. Dieſe trichterförmigen Vertiefungen, die eine Haupteigenthümlichkeit des Karſtbodens ſind, dienen als die erſten Anhaltspunkte zur Wiederbefruchtung deſſelben. Sie mmen Lohr zahlreich vor mnd ſinv bald klein, nur wenige Fuß Durchmeſſer haltend, bald aber auch ſo groß, daß ihre Keſſel, eſis zu ſechszig Fuß Tiefe, kleine Thäler bilden. Offenbar ſind ag erdſtürze, veranlaßt durch die unterirdiſchen Gewäſſer, welche Tiefe Höhlen auswuſchen, deren Wände und Decke endlich lwach wurden, um die Oberfläche zu tragen, und zuſammen⸗ - in. Viele dieſer Trichter ſtehen noch durch Spalten und Lö⸗ d Pnit tiefer liegenden Höhlen in Verbindung, wie ſich aus Nach⸗ hungen ergeben hat. Zuerſt ſammelt ſich nun auf dem Boden . Verſenkungen eine Schicht Dammerde an, die aus dem ver⸗ Den Geſtein und den Pflanzenreſten ſich bildet, welche das vonooen in den Trichter einfließende Waſſer mit ſich hinabführt. 9 s nun der fleißige Menſch wieder die erſten Anpflan⸗

za invis der Boden ſich mehrt oder fruchtbare Erde mit viel Whe ud Koſten herbeigeſchafft wird, um auch die Wände des Thzrrs r des Thälchens fruchtbar zu machen. In den klein⸗

Sn dollin ſtehen wenigſtens einige Obſtbäume, in den größeren

Kihon Creide, Gemüſe und Wein gebaut, ja, den köſtlichſten ganz Jzjens, den Champagner von Proſecco, kocht die dan in einsolchen Dolline, die der über ſie hinbrauſenden

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acht. Jiſt ſchon einen Schritt weiter gegangen, an Ti genua ſind 5 c

nicht tief

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unbehelligt zu bleiben, durch Steinmauern gegen ſie ſchützt. In jüngſter Zeit iſt ſogar der Plan zur großartigen Inangriffnahme der Bepflanzung des Karſts aufgetaucht; doch weiß ich, da ich ſo⸗ eben erſt von einer größeren Reiſe heimkehre, nicht, wie weit man damit gediehen iſt.

Meine beiden Zöglinge, friſche Jungen von vierzehn und ſechszehn Jahren, hatten der aufregenden Unterhaltung mit leuch⸗ tenden Augen gelauſcht. Ich ſah ihnen an, wie ſie ſich heimlich auf ſo einen Boraſturm freuten. Und ſie ſollten ihn genießen, zu ihrer und meiner unauslöſchlichen Erinnerung. Eine erſte Probe derſelben ſtand uns aber bereits bevor, während wir uns eben dem Anſchauen der neuen vor unſeren Augen auftauchenden Herrlichkeit hingaben. Trieſt, die amphitheatraliſch an ihren Höhen aufſtei⸗ gende, mit dem burgartigen Caſtell gekrönte Stadt, hob ſich vor uns aus dem Meere. Selbſt die tiefen Golfe von Monfalcone zur Linken und Capodiſtria zur Rechten vermochten uns nicht mehr zu feſſeln, die Stadt allein zog alle Aufmerkſamkeit auf ſich. Da wir hatten bereits den Leuchtthurm zu unſerer Rechten und er⸗ kannten den Molo San Carlo, auf welchem ſtets zahlreiche Grup⸗ pen der Ankunft des Dampfers harren da rief plötzlich der Capitain:Wir haben den Teufel an die Wand gemalt, und da iſt er! Herren und Damen, die Kopfbedeckung feſt halten! Es kommt Bora! Sehen Sie die Staubwolke auf Optſchina! Die Matroſen riefenBora! Bora! und beeilten ſich, das Leinwand⸗ dach des erſten Decks einzuziehen. Die meiſten Frauen flüchteten in die Kajüten. Wir waren dem Molo ſo nahe, daß wir die ein⸗ zelnen Geſtalten unterſcheiden konnten. Plötzlich ungeheure Bewe⸗ gung und Flucht ein förmlicher Regen von Hüten und Mützen und ſelbſt Damenhüten flog dort in's Meer. Ehe wir zur Lan⸗ dungsſtelle kamen, war der Platz von Zuſchauern ziemlich geräumt, die handfeſten Facchini, die Trieſtiner Dienſtmänner oder Ecken⸗ ſteher, waren dagegen um ſo zahlreicher herbeigeeilt, um für iire Dienſtleiſtung heute eine doppelte Ernte zu halten.

Auch wir hatten den erſten Gruß der Bora deutlich genug empfangen; doch tröſtete der Capitain, daß ſie noch ſchwach ſei. Um ſo mehr eilte Alles, an's Land und unter Dach und Fach zu kommen. Eine halbe Stunde ſpäter ſaß ich mit meinen Zöglingen in der Corona ferrata(Gaſthof zur eiſernen Krone), wo unſer Aufenthalt auf anderthalb Monat ſich ausdehnte. Wir fanden nun Gelegenheit, ſo ziemlich Alles zu erproben, was der Trieſtiner Bora auf dem Aloyddampfer Uebles nachgeſagt worden war. Wir erlebten ſie vom ſchwächſten bis zum äußerſten Grade, wo ihr Wüthen den Verkehr in denjenigen Straßen der Stadt, die ihr in ihrer ganzen Länge beſonders ausgeſetzt ſind, förmlich ſchloß, wo Geſchirr und Menſchen, die dieſe Straße paſſiren wollten, nieder⸗ geworfen und auf dem glatten Boden fortgeriſſen und gerollt wur⸗ den, wo ſelbſt die Seile, die man in ſolchen Straßen an den Trottoirs hin befeſtigt, nur von den ſtärkſten Männern zum Vor⸗ wärtskommen benutzt werden konnten, wo, wenn die Bora Tage lang wüthete, kein Segelſchiff in den Hafen kam, ſondern ganze Flotten ſich hinter Pirano ſammelten, um, wenn endlich Ruhe eintrat, zu ſechszig, ja hundert Segeln zugleich den Einzug auf der Rhede zu halten, ja, wo wir des Nachts bei feſt geſchloſſenen und verſtopften Fenſtern und Fenſterläden und ſelbſt unter dop⸗ pelten und dreifachen Decken im Bette froren, ſo Alles durch⸗ dringend iſt der fürchterliche Eishauch der Bora. Wir ſollten ſie aber in ihrer ganzen Machtfülle bewundern lernen, als wir endlich die Heimreiſe über den Karſt antreten mußten.

Ich will gleich zur Sache ſelbſt ſchreiten, wie ſehr es mich auch verlocken möchte, von unſerm Norddeutſchen, der wieder un⸗ ſer Reiſegefährte wurde, und von dem alten armen Türken, der nach Wien zum Kaiſer wollte und mit dem Turban auf dem geſchor⸗ nen Schädel und mit Pantoffeln an den Füßen, in dieſe wilde Gegend gerieth, ſowie von den Leiden auf der Gebirgsreiſe auch ohne Bora zu erzählen; nur das muß ich vorausſchicken, daß, na⸗ türlich vor der Eröffnung der Karſteiſenbahn in bedeutend ſtärke⸗ rem Grade als jetzt, das viele Fuhrmannsgeſchirr den Winterver⸗ kehr auf der Straße zwiſchen Trieſt und Laibach außerordentlich beſchwerlich, oft gefährlich machte. Mehr als in Trieſt ſelbſt ge winnt man einen Begriff von der Wichtigkeit dieſes Hauptſeehan⸗ delsplatzes der öſterreichiſchen Monarchie beim Anblick der oft un⸗ abſehbaren Wagenreihen, welche, mit Waaren beladen, landein, oder auch mit Bauſtämmen befrachtet, ſeewärts ſahren. Die Wagen