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ſeinem Gute. Damals lernte ich Louis Dumarſais kennen. Er
wurde mein Schüler, bezahlte mir einen Napoleon für die Stunde und lernte endlich einige Walzer ſpielen, denn er beſitzt kein Talent zur Muſik. Wenn er weder ein Spieler noch ein Wüſtling ward, ſo hat er dies mehr ſeinem ſchönen Naturell, als ſeinem Oheim zu danken, welcher vernarrt in den reizenden Burſchen war und ihm Geld in Fülle gab, doch keinen Unterricht. Alter ſchützt vor Thorheit nicht, das bewies der alte Baron, denn er heirathete vor anderthalb Jahren eine verſchmitzte junge Wittwe. Ich bin über⸗ zeugt, daß dieſe Dame zehn Jahre älter iſt, als ſie vorgab, und nie die Gattin jenes braven Majors war, der im italieniſchen Kriege gefallen ſein ſollte. Ich weiß, daß Louis kein böſes Wort über die Heirath ſeines Oheims geſagt hat, allein jenes durch⸗ triebene Weib wußte den alten Herrn dergeſtalt gegeu ſeinen bis⸗ herigen Liebling einzunehmen, daß der Baron denſelben verſtieß, ohne ihm einen Sou zu geben.“
„Unverantwortlich, Wilhelm!“
„Gewiß, ſündlich! Indeſſen war mit dem alten Narren nichts anzufangen. Louis blieb in Paris, ſchränkte ſich ein, verſuchte ſich als Schriftſteller, fand aber keine Verleger. Er meldete ſich als Fechtmeiſter, man wies ihn ab, kurz er hatte kein Geld, keine Freunde, kein Glück. Seine Garderobe mußte er verkaufen, um eſſen zu können, und iſt es endlich mit einem Menſchen ſo weit, daß er keinen eleganten Anzug mehr hat, dann iſt er in Paris verloren. Der arme Louis, er beſitzt keine Kenntniſſe!“
„Schön aber iſt der junge Mann.“
„Allerdings, vielleicht nützt ihm ſein Aeußeres etwas, denn Schönheit iſt eine ſeltene, herrliche Gabe, und Paris iſt die chancen⸗ reichſte Stadt der Welt.“
Wer beſchreibt mein Staunen, als ich, um fünf Uhr zu Wilhelm zum Diner gekommen, denſelben Herrn von Dumarſais, welchen ich am Morgen in faſt dürſtiger Kleidung geſehen hatte, in eleganteſter Toilette erblicke! Nichts fehlte, vom feinſten Hute bis zum zierlichen Stiefel von Glanzleder, ſogar das Notizbuch, welches er zufällig einmal herauszog, war das geſchmackvollſte, das man finden konnte, und die goldene Uhrkette noch werthvoller durch die Arbeit, als durch das Gold. Sicherlich eine Kette von der Inſel Malta.
Natürlich machte Wilhelm keine Bemerkung über dieſe Meta⸗ morphoſe. Erſt als Dumarſais ſich entfernte, um, wie er ſagte, ſeinem Verſprechen gemäß noch während des letzten Actes in der großen Oper zu erſcheinen, ſagte mein Freund zu ſeiner Frau: „Toni, glaubſt Du, daß Dumarſais mit ſeinem Oheim ausgeſöhnt iſt? Wie mag er plötzlich zu Gelde gekommen ſein?“
„Ich bin ebenfalls erſtaunt, lieber Wilhelm,“ antwortete die Frau,„ich hoffe, Herr von Dumarſais wird uns ſpäter wohl er⸗ zählen, wie Alles gekommen, da wir ihn ſo lange kennen. Jeden⸗ falls hat er ſein Geld nicht auf unehrenhafte Weiſe erhalten.“
„Gewiß nicht, Toni, ich wundere mich auch nicht allzuſehr; denn Paris iſt die chancenreichſte Stadt.“
Seit jenem Tage ſah ich Herrn von Dumarſais oft, bald in dieſem, bald in jenem Theater, auf Promenaden und Haupt⸗ plätzen, im Boulogner Wäldchen zu Pferde, und in Wahrheit, niemals ritt er ein Pferd, das nicht tadellos war, und ob⸗ gleich es im Wäldchen zur Promenadenzeit nie au Reitern fehlt, Dumarſais fiel durch ſein brillantes Aeußere und ſeine Reitkunſt doch auf.
Anfangs ſah ich thn immer allein, ſpäter oft mit jungen Männern, welche entweder aus hochangeſehenen Familien oder be⸗ rühmt waren; endlich erblickte ich ihn im Boulogner Wäldchen neben dem Wagen einer ältlichen Dame, bei gpelcher eine junge, blaſſe, höchſt anmuthige Dame ſaß, in Halbträller gekleidet.
Traf ich mit Dumarſais in einem Café zuſammen, ſo war er ſtets ſehr liebenswürdig gegen mich, auch machten wir dann und wann einen Spaziergang ſelbander, ſeine Wohnung ſagte er mir aber nicht. Eines Tages trug Dumarſais einen reizenden Anzug; er wurde von mehreren Modeherren ſehr bewundert, als wir zu⸗ ſammen in den Speiſeſaal des Grand⸗Hötel traten, wo wir einen gemeinſamen Freund treſſen wollten.
„Ich muß auch einen beſſern Sommeranzug haben; wo laſſen Sie arbeiten, Dumarſais?“ fragte Baron V.
„Bei dem geſchmackvollſten Schneider der Welt, Baron, bei L.“ „Wo iſt das?“ „Ich will Sie hinführen, heute iſt es zu ſpät, morgen.
L. bedient meine Freunde nicht nur ſolid, denn das thut er Jedem, ſondern auch billig.“
„Darf ich auch von Ihrer Empfehlung profitiren, lieber Dumarſais?“
„Mit Vergnügen, treffen wir uns morgen um Elf im Grand⸗Café.“
„Gut!“
Dumarſais war zur beſtimmten Zeit da. Er führte uns in ſeiner luſtigen Weiſe plaudernd nach der Rue Nivoli, in ein großes Haus. Wir ſtiegen eine breite, dunkle Treppe hinauf und traten in einen gut möblirten geräumigen Salon. Bei unſerm Eintritt erhob ſich ein Herr, welcher in eine Zeitung ge⸗ ſehen hatte; ich erkannte in demſelben den Herrn, der im vergangenen März Dumarſais in den Tuilerien auf ſo ſeltſame Weiſe— angeredet wäre nicht ganz richtig, ich muß ſagen— gepackt hatte.
Der Herr machte eine tiefe Verbeugung.„Hier bringe ich Ihnen zwei meiner liebſten Freunde,“ ſagte Dumarſais etwas hochfahrend;„Herr L., ſorgen Sie gefälligſt, daß ſie gut bedient werden.“
„Gewiß, Herr von Dumarſais,“ erwiderte der Angeredete.
„Ich habe keinen Grund,“ fuhr Louis fort,„Ihnen zu ſchmeicheln, L., aber ich ſehe auch nicht ein, warum ich nicht der Wahrheit die Ehre geben ſoll, Sie ſind ein Genie, Ihr Gemälde hat kürzlich einer Dame meiner Bekanntſchaft außerordentlich geſallen.“
„Aber, Herr von Dumarſais—“
„Nicht zu beſcheiden, lieber L. Wenn Sie auch die Grille haben, Director eines Kleidermagazins ſein und bleiben zu wollen, ſo ſind Sie nichtsdeſtoweniger ein tüchtiger Maler, und deshalb verſtehen Sie mehr als irgend ein anderer Director, was Jeder, ſeinem Aeußern und ſeiner Individualität nach, tragen muß. Wir werden einen heißen Auguſt haben, der Juli iſt ſchon drückend; erfinden Sie denn für den Baron einige bezaubernde Toiletten, er geht nach Baden⸗Baden und wird Auſſehen erregen.
„Natürlich, ich ſehe ſchon, der Herr Baron iſt brünett, ich werde Alles auf das Kleidſamſte für den Herrn Baron wählen.“
„Und hier, ein deutſcher Dichter, auf der Schattenſeite der Vierzig, Sie wiſſen ſchon, was ihm frommt.“
Der Director des Bekleidungsinſtitutes lächelte, dann zog er die Klingel. Ein junger Mann erſchien, mehrere Papierſtreifen in der Hand haltend.
„Nehmen Sie dieſen beiden Herren Maß, Herr Korn, ich will mich jetzt zurückziehen und über die Zuſammenſtellung der Farben nachdenken, welche ihren Anzügen den Stempel der Voll⸗ kommenheit aufdrücken ſoll. Könnten Sie mir vielleicht Ihre Photographien da laſſen? Ihre Farben kenne ich, dunkle Haare, dunkle Augen, aber Ihre Phyſiognomien möchte ich gern ſtets vor mir haben.“
Ich lachte und meinte, der Sommerrock nebſt Weſte und Hoſe würde ſchon gut ausfallen, Baron V. dagegen ſprach alles Ernſtes:„Herr L., Sie ſind ein denkender Künſtler, und es wird mir ein Vergnügen ſein, Ihnen meine Photographie zu überſenden.“
Im September jenes Jahres verreiſte ich nach Deutſchland, Ende October kehrte ich zurück und vernahm bei Wilhelm, daß Herr von Dumarſais ſich eben mit jener jungen Dame vermählt habe, neben deren Wagen ich ihn zur Zeit der Mandelblüthe hatte reiten ſehen.
„Sie, die junge Frau von Dumarſais,“ erzählte mein Freund, „betrauerte damals ihren Verlobten, einen ſchwindſüchtigen reichen Mann, welcher ihr die Hälfte ſeines Vermögens vermacht hatte, ſo etwa viermalhunderttauſend Franken. Er hat Lebenserfahrung geſammelt, mein lieber ehemaliger Schüler, und das Geld gut und ſicher angelegt, wie ich aus ſeinen Reden entnahm. Dumarſais wird geliebt und liebt ſeine Frau, er wird glücklich ſein. Ja,
Paris iſt die chancenreichſte Stadt.“
Im Mai 1866 ſaß ich mit Wilhelm in einem Reſtaurant
bei einer Flaſche Chateau Lafttte, als ſich plötzlich ein Dritter
zu uns geſellte, Herr von Dumarſais. „Wo kommen Sie her? ich hebe Sie eine Ewigkeit nicht
geſehn,“ rief Wilhelm, freudig erregt.
„Ich war faſt ein Jahr fern, in der Normandie, die Frau meines Oheims iſt im Sommer 1865 an der Cholera geſtorben; in ihrem Nachlaſſe fand der Wittwer Briefe, welche nicht viel von


