Jahrgang 
8 (1868)
Seite
121
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Rückreiſe einen bis zwei Tage in Linz, um mehrere Abendſtunden bei

ihm zu bleiben. In der Zwiſchenzeit tauſchten wir fleißig Briefe aus. Die Bekanntſchaft verwandelte ſich in Freundſchaft, als ich

nach einem ſchmerzlichen Verluſte, der mich betroffen, in Linz Quartier nahm, um mich an dem täglichen dem edlen Manne zu erlaben, zu kräfligen, aus der Kummers zu erheben.

In dieſer Zeit war es mir vergönnt, tiefe Blicke in ſeine Seele zu thun und die Ueberzeugung zu gewinnen, daß bei ihm der Menſch in vollkommenſter Harmonie mit dem Dichter, ja über dieſem ſtand. Seine Wahrheitsliebe, ſeine Herzensgüte, die antike Ruhe, mit der er ſich über alles Kleinliche erhob, konnten ihre Wirkung auf ein halbwegs empfängliches Gemüth nicht verfehlen. Man war beſſer, wenn man von ihm ging, und wurde es mehr und mehr, wenn man über das, was er geſagt, nachdachte.

zwei Wochen Verkehr mit Apathie des

Stifter's Ausſprache war provinciell; er kam nie ganz über die oberöſterreichiſche Accentuirung hinaus. Aber einerſeits war

mein Ohr daran gewöhnt, anderſeits war der Fluß ſeiner Rede ein ſo ununterbrochen ſchöner, boten ſich ihm die idealſten Bilder, die reinſten Redewendungen ſo ungeſucht dar, waren ſeine treuen, gütigen Augen ein ſo freundlicher Wegweiſer zur geſpannteſten Aufmerkſamkeit, daß es, mir wenigſtens, unmöglich ſchien, durch ein mehr oder weniger offenes a oder e e unangenehm berührt zu werden.

Der Bildungsgang des Dichters iſt kein leichter und ebener ge⸗ weſen. Mühſelig genug hatte ſich, wie er uni in gemüthlichem Geſpräche nach und nach in Bruchſtücken, ich möchte ſagen anekdotiſch erzählte, der lernbegierige Jüngling ſo weit fortgehol fen, daß er mit Schmalhans als Küchen⸗ und Kellermeiſter in Wien ſtudiren konnte. Die Gabe, was er wußte, Andern mitzutheilen, verſchaffte ihm anfangs in obſcuren Familien einige ſchlecht. bezahlte Unterrich Usſtunden oder den unterſten Platz an einem Mittags⸗ tiſche. Die Familie von Collin, deren ich oben ohne ſie zu nennen erwähnte, war die erſte Stufe zu ſeinem beſſeren Fortkommen. Das Haus war angeſehen durch die Erzieherſtelle, welche Heinrich von Collin bei dem jungen Herzog von Reichſtadt bekleidet hatte, deſſen Spielgenoſſen ſeine Söhne waren; angeſehen durch Matthias von Collin den Dichter, dem in der Caroluskirche ein Denkmal geſetzt worden war, und auch dadurch, daß zur Zeit des Wiener Congreſſes viele literariſche Notabilitäten, wie die Gebrüder Schlegel, Varnhagen von Enſe u. A., in ihm aus und ein gingen, und ſo ward Adalbert Stifter durch ſeinen Eintritt als Lehrer in dieſe Familie den gebildeten Ständen näher gerückt. Frau von Collin, eine äußerſt originelle, lebhafte Dame, trug nicht wenig dazu bei, daß der unbehülfliche junge Studioſus ſich ein wenig Lebensart aneignete.

Weder Menſchen noch Punde Stühle und Tiſche, nichts was nicht feſtgenagelt war, war vor ihm ſicher, erzählte mir die alte Dame ſeloft.Er ſtieß überall an, er rannte Alles nieder! Aber

a er ein prächtiger Menſch war und ein vortrefflicher Umgang

ir meinen Ludwig, rein und ſittig wie ein junges Mädchen, ſo jab' ich mich auch d'ran gemacht und hab' nicht nachgelaſſen, bis er ſich ſeine Tölpeleien alle abgewöhnte. Und als ich es nach Jahr und Tag erreicht hatte, ſagte ich eines Tages zu ihm: ‚So, lieber Stifter, nun ſind wir unſeres Lebens ſicher, wenn Sie ſich unter uns bewegen, und hoffentlich ſind nun auch meine Gläſer, Teller, Spiegel ꝛc. vor Ihren Ellbogen ſicher; jetzt müſſen Sie auch hübſch fleißig die Abende bei uns zubringen, wenn wir zu Hauſe ſind Das ſoll beiden Theilen zu Statten kommen: Sie lernen von uns Manieren, wir lernen von Ihnen den hund dertſten Theil von dem, was Sie wiſſen, das iſt für uns Frauenzimmer (ſie meinte ſich und ihre Tochter) genug.

Stifter küßte ihr die Hand, war nicht im Entfernteſten be⸗ leidigt über ihre Aeußerung und nahm ſich vor, ſo vielManier wie möglich zu lernen. Wie weit er es damit gebracht, darüber giebt ſein Ausſpruch weiter oben einige Erläuterung.

Um jene Zeit war die einzige Erholung, die der junge Mann ſich nach angeſtrengter Thät ligkeit gönnte, an einem oder dem andern ſchönen Sonneagenrden eine Fußwanderung in die reizenden Umgebungen Wiens, am liebſten in die dichten Waldungen hinein zu machen, und nie kam er von ſolchen Ausflügen ohne ein neues Landſch heftsbll in ſeiner Zeichenmappe zurück, die er ſtets mit ſich führte. Der arme junge Studioſus war Landſchaftsmaler, und nicht felten rieth man ihm, alle Wiſſenſchaft an den Nagel zu hängen und Künſtler zu werden. Niemand ahnte,

daß er auf

ſeinen Wanderungen auch ein Schreibebuch mit ſich führte und ſtundenlang an irgend einem Hügelabhang ſaß, um im Angrſichie ſeiner gottbeſeelten Freundin Natur auchStudien mit der Feder zu machen. Nie wagte er ſich mit einer dieſer Arbeiten an's Tageslicht, ja, wenn ſein warmes Herz ihn drängte, der Wohl⸗ thäterin, die er ſo hoch verehrte, oder deren Tochter zu feſtlichen Gelegenheiten ein Gedicht zu widmen, verlor er gewöhnlich im herheigeſehuten Augenblick d den Muth das Vollendete zu überreichen.

Ich weiß nicht, in welchem Jahre und durch weſſen directe Empfe hlung indirrtt kam ihm ſo wiemlich alles Gute durch Collins zu Siifter aufgefordert ward, dem jungen Fürſten Schwarzenberg, dem unter dem Namen Landsknecht, wegen ſeiner Schriftaus dem Wanderbuche eines verabſchiedeten Landsknechts, bekannten, Unterricht in der Mathematik zu geben. Die Fürſtin, Wittwe d des alten Feldmarſchalls, der gegen Napoleon den Erſten gefochten, leitete die Erziehung ihrer Söhne und die Geſchäfte ihres Hauſes, ihrer Familie ſelbſt. In Sifter's Reminiscenzen umleuchtete eine Art Heiligenſchein das Haupt dieſer hohen Dame. Er konnte nie ohne Rührung in Blick und Ton von ihr ſprechen.

So viel iſt gewiß, daß dieſe edle Frau dem menſchlichen Geiſte ein höheres Recht einräumte, als irgend eine ihrer Standes⸗

genoſſen es that, es viell eicht jetzt noch thut. Sie war die zweite Frau, welche an Adalbert Stifter's Erziehung Hand anlegte. Sie

ging, ſeit ſie Wittwe geworden war, nie in Geſellſchaft und legte die Trauerkleider nie ab. Zweimal die Woche war aber ihr Haus der Sammelpunkt der ſchönen Welt.

An einem dieſer Abende empfing ſie den hohen Adel, die Geſellſchaft, die eigentlich die ihrige war; an dem andern, ver⸗ ſammelte ſie Gelehrte und Künſtler um ſich. Man ſagt, ſie habe ſich ſelbſt über dieſen Punkt wie folgt geäußert:Mardi je vois les autres; samedi je vois les miens.(SDienſtags ſehe ich die Ain deri⸗ am Sonnabend die⸗Meinigen.) Wie dem auch ſei Stifter, der Lehrer und Freund ihres Sohnes, durfte an dem einen dieſer Tage nicht fehlen und ward noch außerdem an man⸗ chem Abend in ihren Salon gerufen, wenn die Fürſtin mit ihrer Geſel lſchafterin, der damals jugendlichen und höchſt intereſſanten Barbara Glück, als Schriftſtellerin unter dem Namen Betty Paoli bekannt, allein war. Die Sommermonate brachte die Fürſtin ge⸗ wöl zulich in ihrem Landhauſe in der Brühl nächſt Wien zu, wo⸗ hin Stifter zwei⸗, dreimal die Woche regelmäßig als Lehrer, Ge⸗ ſellſchafter und gern geſehener Gaſt wanderte.

An einem ſolchen Tage ſaß er in ſchöner Abendſtunde auf einer Bank in dem entlegenſten Theile des Gartens und ſchrieb.

Die Fürſtin hatte Beſuch; eine Nichte, die ſie ſehr liebte, war bei ihr. Stifter hatte eine lange Weile geſchrieben, als er, durch nahende Schritte aufgeſcheucht, raſch aufſtand und das Weite ſuchte, d. h. durch einen entgegengeſetzten Weg auf und davon lief. Aber in der Haſt des Entkommens entfiel das nicht tief genug verſenkte Mannſteißt ſeiner Rocktaſche, ohne daß er es gewahr ward. Der bäuerliche Dichter war ab und zu auch etwas dichteriſch; zerſtreut. Er wechſelte den Rock, ohne den Verluſt zu bemerken, um ſich in vorgeſchriebener Toilette an dem Theetiſche ſeiner hohen Gönnerin einzufinden.

Wiſſen Sie was, lieber Stifter, redete die Fürſtin ihn an,

heute müſſen Sie vorleſen, Betty iſt heiſer und meine liebe Nichte fürchtet ſih. Wir haben da etwas zurecht gelegt. Nun

ſehen Sie aber, aufmerkſam ſein. ſeineFeldblumen ihn hin.

Wie mir dabei geſchah, kann ich Ihnen nicht ſchildern, erzählte Stifter.Anfangs brachte ich keinen Laut hervor und hätte weinen mögen wie ein Kind! Als ich aber die Fürſtin an⸗ ſah und ſie mir mit ſchöner Freundlichkeit über den Tiſch herüber die Hand reichte, wich auch alle Schen von mir. Ich packte meine Feldblumene an und warf ſie den hohen Herrſchaften in ſo leiden⸗ ſchaftlicher Art zu Füßen, daß die Fürſtin, als ich geendet, vor Ueberraſch hung kein Wort hervorbringen konnte. Betty Paoli aber ſprang auf, nahm meinen Kopf in ihre Hände, küßte mich auf die Stirn und rief:

Durchlaucht! ein Dichter! Nun war

daß Sie Ihre Sache gut machen; Dabei legte die Nichte eine der Novellen

wir wollen ſehr mit ſchalthaft em Lächeln in ſeinen Studien) vor

Ich hab' doch Recht gehabt! Der Stifter iſt

es aber auch mit dem Geheimthun vorbei!

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XVI. Nr. 8.