Die Pflanze ſteht zum Sauerſtoffe und zur Kohlenſäure in einem ſolchen Verhältniſſe, daß daraus dem Menſchen der aller⸗ größte Vortheil erwächſt. Denn ohne die Pflanzen könnten wir Menſchen gar nicht leben; ſie liefern uns nämlich die unentbehr⸗ liche Lebensluft und ſchaffen zugleich die für uns verderbliche Kohlenſäure weg. Dies thun ſie aber dadurch, daß ſie die Kohlen⸗ ſäure aufnehmen und zerlegen. Wie oben ſchon geſagt wurde, beſteht nun aber die Kohlenſäure aus Kohlenſtoff und Sauerſtoff, beim Zerlegen derſelben durch die Pflanze werden alſo dieſe bei⸗ den Stoffe von einander getrennt. Der freigewordene Sauerſtoff dringt in die atmoſphäriſche Luft und macht dieſe ſo für den Menſchen athembar; den Kohlenſtoff dagegen behält die Pflanze für ſich und verbraucht denſelben zu ihrem Aufbaue. 3 —Aber nicht alle Pflanzentheile haben die Fähigkeit, die Kohlen⸗ ſäure zu zerlegen und uns Menſchen Sauerſtoff zu liefern. Auch ſindet dieſe Zerlegung nicht zu allen Tageszeiten ſtatt.— Nur die grünen Pflanzentheile, alſo hauptſächlich die Blätter, ſind
im Stande den Sauerſtoff aus der Kohlenſäure zu entwickeln, und
dies können ſie auch nur am Tage, mit Hülfe des Sonnenlichts. Es iſt dieſe Entwickelung von Sauerſtoff ſehr leicht zu beobachten: man braucht nur grüne Blätter von Pflanzen mit friſchem Waſſer zu übergießen und dem Sonnenlichte auszuſetzen. Sie bedecken ſich dann mit zahlloſen Gasbläschen, und dieſe beſtehen aus Sauer⸗ ſtoff.— Im Dunkeln geben dagegen die grünen Pflanzentheile Kohlenſäure anſtatt des Sauerſtoffs von ſich. Blüthen, Früchte und Wurzeln liefern ſtets, auch im Lichte, Kohlenſäure. Pflanzen in Schlafzimmern ſind alſo ſtets nachtheilig, mögen ſie blühen oder nicht. Dagegen müſſen Blattpflanzen im Wohnzimmer wegen ihrer Sauerſtofferzeugung von Vortheil für den täglichen Bewohner des Zimmers ſein.— Sonach wirkt jeder nachtheiligen Anhäufung von Kohlenſäure in der Atmoſphäre(durch das Athmen der Men⸗ ſchen und Thiere) die Pflanze vermöge ihrer zerſetzenden Wirkung, welche das Blattgrün(Chlorophyll) bei Tage auf die Kohlenſäure ausübt, entgegen.
Dieſe Fähigkeit der Pflanze könnte nun recht gut, wie ich meine, zum Vortheil derjenigen Menſchen angewendet werden, die ſich in größerer Anzahl täglich längere Zeit in einem geſchloſſenen Locale aufhalten und eine mit Kohlenſäure reichlich geſchwängerte Luft athmen müſſen. Ganz beſonders dürfte ſich für Schulen, welche zur Zeit meiſt mit Schülern überfüllt ſind, außer gehöriger Ventilation, die Aufſtellung von Blattpflanzen in den
Schulſtuben empfehlen. Man bedenke, wie viele Zeit ſeines Lebens der Menſch in der Schule verlebt, und zwar gerade zu einer Zeit, wo er zur Entwickelung ſeines Körpers neben kräftiger Nahrung die beſte Luft bedarf.— Auch die aufgeſtellten Pflanzen würden ſich, ebenſo wie die Schüler, in der Schule recht wohl be⸗ ſinden. Sie könnten ſich aus der großen Menge ausgeathmeter und ausgeſchwitzter Kohlenſäure eine hübſche Portion Kohlenſtoff zu ihrem Gedeihen zu Gemüthe ziehen und dafür die Schüler reichlich mit Lebensluft bedenken.
Pflanzen in den Schulſtuben, und überhaupt in bewohnten Räumen, könnten aber außer zu dem genannten Hauptzwecke(nämlich die ſchädliche Kohlenſäure zu entfernen und Sauerſtoff zu liefern) auch noch zu einigen Nebenzwecken dienen. Zuvörderſt wirkt wohl auf die meiſten Menſchen, und ſicherlich auch auf die Lehrer und Schüler, die Nähe von hübſchen, gut gedeihenden Pflanzen angenehm-gemüthlich ein.— Sodann ließen ſich die Pflanzen vom Lehrer auch zeitweilig zum Anſchauungsunterrichte, ebenſo in den niederen wie in den höheren Claſſen, benutzen. Die verſchie⸗ denartige Entwickelung der Blätter, die Geſtaltung und Färbung derſelben, das allmähliche Wachsthum der ganzen Pflanze ec. wird ſicherlich das Intereſſe der Kinder erregen, wenn ſie vom Lehrer darauf aufmerkſam gemacht werden. Sie werden dadurch die Pflanzen auch lieben lernen und in ihrem ſpätern Leben ſicherlich nicht ſo leicht Baumfrevel treiben.— Auch die Pflege der Pflanzen, ihre Ernährung und überhaupt ihre Behandlung könnte zum Gegenſtande nicht nur des Unterrichts, ſondern auch der Beſchäftigung für die Schüler gemacht werden. Das richtige Bewäſſern, die vorſichtige Reinigung der Blätter, das Umſetzen in neue Erde und größere Töpfe und dergl. könnte einzelnen Schülern übertragen werden, und dieſe Beſchäftigung könnte Nei⸗ gung zum Gartenbau ꝛc. hervorrufen. Man würde mit Freuden wahrnehmen, daß die gepflegten Pflanzen bald die Lieblinge der Schüler werden.— Sogar zur Einnahmequelle zum Beſten der. Schule könnte dieſe Pflanzenzucht in Schulzimmern werden. Denn die hier in der Regel ausgezeichnet gedeihenden Blattpflanzen würden ſehr gut verkauft und das dafür gelöſte Geld würde zu guten Zwecken verwendet werden können.
Von den Pflanzen, die ſich zur Aufſtellung in Schulſtuben beſenders eignen, ſind zu empfehlen: Epheu, Gummibäume, Philodendren, Fächer⸗ und Phönix⸗Palmen, Dracänen, Begonien, Clerodendren, Galadien ꝛc. Bock.
Im Jahre 1856 führte noch keine Eiſenbahn von Wien nach dem ſchönen Salzkammergute. Wir fuhren mit dem Dampfer Germania ſtromaufwärts.
„Durch Linz reiſen, ohne Adalbert Stifter“ kennen zu lernen, den gefeierten Autor der ‚Studien“, jener wald⸗ und naturfriſchen Novellen, die in den vormärzlichen vierziger Jahren das gebildete deutſche Leſepublieum ſo ſehr entzückten— das thue ich nicht!“ ſagte A. C., und es hielt nicht ſchwer, mich für dieſelbe Meinung zu gewinnen. Wir kannten in Wien eine ihm innig befreundete Familie, mit deren Gruß und Botſchaft wir an ſeine Thür klopfen konnten. Ich glaube, daß es deſſen kaum bedurfte. Schon lebte der Dichter zwiſchen ſeinen Büchern, Bildern und Cacteen, im Angeſichte des herrlichen Donauſtromes, wo in den Sommermonaten täglich hundert Reiſeluſtige an ſeinen Fen⸗ ſtern vorüberzogen, ein einſames, halb und halb verſchollenes Daſein. Dauerte es doch lange, ehe wir nur ſeine Wohnung er⸗ fragen konnten.
Es war am 6. Auguſt um ſechs Uhr Abends, als wir bei ihm vorſprachen. Er empfing uns in der Wohnſtube ſeiner Gattin ſcheu und freundlich zugleich. A. C. verſtand es vortrefflich, die Scheu zu bannen, und damit ſteigerte ſich auch die Freundlichkeit zu immer offenerer, wärmerer Mittheilung.
„Er ſieht aus wie ein Bauer und ſpricht wie ein Cavalier,“ hatte ein Herr geſagt, der ihm einmal in Geſellſchaft beim Erz⸗ herzog⸗Statthalter begegnet war und den ich über ihn ausfragen wollte. Es war etwas Wahres an den Worten, die mir als Quinteſſenz einer geiſtreichen Kritik gegeben wurden. Stifter ſelbſt
Der vor wenigen Tagen nach längerem Leiden geſtorben iſt. D. Red.
Beim Dichter der„Studien“.
geſtand, daß er eine gewiſſe Befangenheit in Gegenwart der Menſchen, die man die Vornehmen zu nennen pflegt, niemals habe überwinden können.
„Wenn ich auch,“ ſagte er,„auf dem ganzen Wege von meiner Wohnung bis zu dem Hauſe des großen Herrn über die allgemeine Menſchenwürde nachdenke und ſelbſt den möglichen Fall in Betracht ziehe, daß ich ein weiſerer, vielleicht ein beſſerer Menſch bin, oder doch wenigſtens ebenſo weiſe, ebenſo gut wie er— hilft mir doch das Alles nichts! So wie ich in den Kreis der vornehmen Leute trete, wiederholt ſich in mir regelmäßig die Empſindung des Schul— jungen, wenn der Director, der Pfarrer oder etwa gar der Biſchof vor ihm ſteht. Es dauert immer eine Weile, ehe ich mein Gleich⸗ gewicht und mit dieſem meine Sprache wiederfinde.“
So weit paßte das Gleichniß des Herrn alſo halbwegs; die andere Hälfte hingegen möchte ich dahin abändern, daß es wenig⸗ ſtens in Oeſterreich wenige Cavaliere giebt, die ſo ſprechen wie Stifter ſprach, wenn er die„bäuerliche Scheu“ überwunden hatte. Schon bei dieſem erſten Zuſammentreffen führte er in wahrhaft hinreißender Weiſe Einzelbilder aus ſeinem Leben, aus Lileratur, Kunſt und Poeſie mit einer Lebendigkeit an uns vorüber, daß die Stunden nur ſo dahinflogen und es halb elf Uhr war, ehe wir uns erhoben, um Abſchied zu nehmen und nach unſerem Hotel zu gehen. Er nahm uns das Verſprechen ab, welches wir nur zu gern gaben, auf der Rückreiſe wieder bei ihm einzuſprechen.
Mein in dieſer Weiſe begonnener Verkehr mit Adalbert
Stifter blieb bis zum Jahre 1863 ein ununterbrochener. Ich brachte jeden Sommer auf irgend einem ſchönen Punkte des Salzkammergutes zu und verweilte jedesmal auf der Hin⸗ oder
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