Jahrgang 
8 (1868)
Seite
119
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nahmen wir Partei für das verfolgte Thierchen. Noch einen Augen⸗ blick Stille! Sieh', nun erreichte das Eichhorn den ausgelichteten Theil eines Tannenſchlags. Dort ſtanden die Bäume in weiten Abſtänden von einander. Jetzt erfolgte von einer Randtanne ein Sprung wahrer Todesangſt. Zweigſpitze der nächſten Tanne im Lichten gelungen der nach⸗ eilende Marder ſpringt zu kurz und muß nun, zur Erde gefallen, von unten den Baum hinauf. Das Eichhorn aber war bereits auf demn Wipfel der Tanne angelangt und warf ſich mit einem zweiten, ihm von oben leichter fallenden Sprunge auf den zweiten Baum. Aber nun ſchnitt unſer lautesHallo! den Räuber plötzlich von ſeiner Verfolgung ab; überraſcht drückte er ſich auf einen Tannenaſt regungslos hin, uns mit ſeinen Spitzbubenaugen anblinzend.

Nun könnten wir durch einGeſpenſt, das heißt durch ein Kleidungsſtück über einem unweit des Baumes aufgepflanzten Stocke, den Marder auf ſeinen Baum bannen, um ein Jagd⸗ gewehr zu holen und ihn herunter zu ſchießen, wenn wir den in gar manchen Naturgeſchichten eingeſchlichenen Fabeln abergläubiſch Gehör geben wollten. Allein ganz abgeſehen von unſerer Er⸗ fahrung, welche dies Mittel als erfolglos erkannt, ſchonten wir den Marder, weil wir wußten, daß er in irgend einer hohlen Eiche oder in einem alten Neſte eines Eichhorns, einer Elſter oder eines Raubvogels ſeine Jungen zu verſorgen hat. Freilich iſt's wahr, daß er keine Gnade verdient, denn er iſt ein durchaus ſchädlicher Lauerer, Schleicher und Mörder.. 4

In der Abenddämmerung und im Dunkel der Nacht verfolgt er hauptſächlich die Schleichwege mit der ſeiner Art eigenen Liſt. Sobald das wache Auge und die ſichernde Naſe am Rande des Aſtlochs oder des Neſtes die Gegend ſicher befunden, beginnt das Spähen, Lauſchen undWinden nach ſchlummernden Vögeln und deren Neſtern. Leiſe und vorſichtig bewegt er ſich auf den Aeſten hin und naht ſich der ſchlummernden Taube auf Sprung⸗ weite, dann fährt er mit wohlgezieltem Satz zu, packt den Vogel und hält ſich oft nur mit einer Pfote noch am Gezweig, um den Sturz in die Tiefe zu vermeiden, der ihm übrigens nicht ſchadet, weil er entweder unterwegs ein Aeſtchen fängt oder unten mit den Füßen aufſpringt.

Ein andermal hat er den Wechſel der altenGeis mit dem Kitzchen ausgeſpürt, oder er ſieht ſie unter ſich vertraut ſich äßen. Unbemerkt ſchleicht er von Aſt zu Aſt und fährt wie ein Blitz aus heiterer Höhe dem ahnungsloſen Kitzchen in den

Bravo, er iſt ihm glücklich auf die

Nacken, um es zu würgen. Ein Schrei, ein plötzliches Zuſammen⸗ brechen des erſchreckten Thierchens, das Herbeieilen der Mutter,

die vergebens ihre Vorderläufe zum Prügeln und zur Abwehr

des Mörders gebrauchen würde, weil ihr Junges ſie hindert, das Davonrennen des ſich aufraffenden Kitzchens, wenn es ſtark genug dazu iſt, ſein Hinſtürzen und Verenden alles Dies geſchieht in unabläſſiger Folge. Aeltere Rehe dagegen, die im Winter Zuweilen von dem hungrigen Edelmarder überliſtet werden, tragen den Feſtgebiſſenen weite Strecken mit ſich fort, ſchütteln ihn ab, indem ſie ihm ein Stück Haut ihres Nackens oder Halſes laſſen, oder der Reiter ſpringt aus erregter Furcht bei längerer Dauer des Rittes von ſelbſt ab und verzichtet auf die Beute.

Neben dem Blutdurſt ſpielen Jähzorn und Eiferſucht im Leben des Edelmarders eine bedeutende Rolle. Ende Januars und im Februar, wo gewöhnlich mehrere Männchen um die Gunſt des Weibchens werben und ſeiner Spur nachſchnüffeln, finden heiße Kämpfe ſtatt. Die Männchen ſtürmen wüthend auf einander ein, ſchlagen mit den Vordertatzen, beißen ſchreiend gleich den Stein⸗ mardern um die Wette, daß die Wollfetzen und Haare davon⸗ fliegen. Der Beſiegte eilt plötzlich in haſtiger Flucht davon, noch eine Strecke von dem Sieger verfolgt; hierauf kehrt dieſer zu dem Weibchen zurück und wird huldvoll empfangen, während jener ſich begnügen muß, in reſpectvoller Entfernung den Schmerz ſeiner Niederlage und den noch größeren der Entſagung zu verwinden, und endlich ſich entſchließt, anderwärts als ritterlicher Freier und Kämpe aufzutreten. Bei gleicher Stärke der Männchef dauern indeß die Kämpfe lange und wiederholen ſich allnächtlich. Das Weibchen ſitzt oft lange zwiſchen den ſich gegenſeitig fürchtenden und den ernſtlichen Zuſammenſtoß meidenden Männchen. Nähert ſich der eine Bewerber, ſo hält ihn der andere durch eine Drohung oder einen herausfordernden Sprung im Schach, bis die Eifer⸗ ſucht ſie zu entſcheidendem Kampfe zwingt. Es iſt Thatſache, daß die Eiferſucht ſie Hunger leiden und die Raubgier beherrſchen lehrt. In mondhellen Nächten überzeugt man ſich von ihrer Aus⸗ dauer in Liebeshändeln.

Freilich angenehmer iſt der Beobachtungsſtand bei ſtillem Sommerwetter in der Nähe des Edelmarderneſtes, wenn man das aumuthige Familienleben beſchauen will, das ſich vor unſeren Blicken entfaltet und ein Gegenſtück zu dem Familienleben der weißkehligen Vettern und Baſen der Edelmarder, nämlich der Stein⸗ marder, bildet, welches letztere die Gartenlaube vielleicht in einem ſpätern Artikel zu ſchildern gedenkt. Adolf Müller.

Zum Wohle d

es Schulkindes.

Lebensluft ſpendende Zimmerpflanzen.

Kohlenſäure heißt eine farbloſe Luftart, welche das Leben und die Geſundheit des Menſchen ſehr bedeutend ſchädigen kann. Dies iſt zumal dann der Fall, wenn ſie in größerer Menge in die Lungen eindringt oder ſich im Blute anhäuft. Ja ſie kann, indem ſie beim Einathmen ein krampfhaftes Zuſammenziehen des Kehlkopfes bewirkt, ſchnellen Tod durch Erſticken veranlaſſen.

Die Kohlenſäure iſt aus zwei Stoffen, aus Kohlenſtoff

und Sauerſtoff, zuſammengeſetzt und bildet ſich vorzugsweiſe beim Verbrennen kohlenſtoffhaltiger Subſtanzen, und zwar ebenſo beim ſchnellen Verbrennen mit Lichtentwickelung(wie im Ofen), als auch bei langſamen, faſt unmerklichen Verbrennungsproceſſen (wie bei der Fäulniß und Gährung). Auch innerhalb unſeres Körpers, und zwar im Blute, wird immerfort, in Folge von Verbrennung guter brauchbarer und ſchlechter unbrauchbarer Stoffe, Kohlenſäure erzeugt. Damit dieſe nun in unſerem Blute ſich nicht in ſolcher Menge anhäuft, daß ſie der Ge⸗ ſundheit ſchadet, wird ſie fortwährend an mehreren Stellen des Körpers durch beſtimmte Organe aus dem Blute entfernt. Dies geſchieht vorzugsweiſe in den Lungen und durch die Haut. Beim Ausathmen und mittels der Hautausdünſtung wird dem⸗ nach unſer Blut von der ſchädlichen Kohlenſäure befreit. Wenn alſo viele Menſchen längere Zeit in einem geſchloſſenen Raume mmen ſind, ſo muß natürlich die Luft in demſelben immer ran Kohlenſäure, dadurch die Luft verſchlechtert und zum Athmen untauglicher werden. Wird nun gar noch in dieſem von

(Menſchen erfüllten Raume Etwas verbrannt(z. B. Kohlen oder Holz im Ofen, Lichte), ſo ſteigert ſich die Kohlenſäurebildung immer mehr. Daß in Schulen, zumal im Winter und bei Ueberfüllung

des Locals mit Schülern, viel Kohlenſäure entwickelt wird und daß deshalb die Schule, wenn ſich hier dieſes giftige Gas in widernatürlicher Menge anhäuft, die Schuld am Krankwerden der Schüler tragen kann, iſt wohl nicht zu bezweifeln. Daß ſodann

die baldige Entfernung der Kohlenſäure aus den Schulſtuben eine unerläßliche Pflicht iſt, dürfte ebenfalls klar ſein.

Sowie nun das Einathmen von Kohlenſäure dem Menſchen verderblich iſt, ſo kann er ohne Einathmen einer andern Luftart gar nicht leben, und dieſe iſt der Sauerſtoff oder die Lebens⸗ luft. Es befindet ſich dieſes zum Leben ganz unentbehrliche farb⸗ loſe Gas in der atmoſphäriſchen Luft und wird mit Hülfe des Athmens in unſere Lungen geſchafft. Hier tritt daſſelbe in's Blut ein und ſtrömt mit dieſem nach allen Theilen des Körpers hin, um brauchbare und unbrauchbare Blutbeſtandtheile zu verbrennen wobei ſich Wärme und Kohlenſäure entwickelt). Innerhalb der Lungen geſchieht alſo Zweierlei: ein Theil der Lebensluft, welche ſich in der eingeathmeten atmoſphäriſchen Luft befindet, tritt in den Blutſtrom ein; dafür tritt aber ein Theil der Kohlenſäure aus dem Blutſtrome heraus in die Lungenbläschen und wird aus⸗ geathmet. Sonach muß alſo die ausgeathmete Luft weniger Sauerſtoff und weit mehr Kohlenſäure enthalten, als die einge⸗ athmete. 3