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m Menſing, der in meinem Gefolge iſt,
Dieſer Tag ließ nicht dif ſich warten; der Kurfürſt auf ſein ſchönes Landſchloß kommen werde, traf bei dem Inſpector ein... Steitz ſtand im Begriff, noch einmal durch die Schloßgemächer zu wandern, um zu ſehen, ob Alles wieder am rechten Ort und möglichſt ſo, wie es früher geweſen— da tritt der Ofſicier, der eben mit einer Abtheilung die Schloßwache bezogen hat, vor ihn, einen ſchriftlichen Befehl in der Hand.
„Lieber Inſpector,“ ſagt er,„es thut mir leid. ich habe da eben einen unangenehmen Auftrag bekommen ſehr unan⸗ genehm aber
„Einen Auftrag, d
die Meldung⸗ daß
der mich betrifft?“ fragte Steitz verwundert.
„Ja 1 muß Sie verhaften!“ 2
„Verhaſten? Mich?“
„Soy iſt es. ſehen Sie da der Befehl iſt von Seiner Durchlaucht eigener Hand.“
„Unmöglich!“
„Sehen Sie ſelbſt!“
„Unglaublich unbegreiflich,“ ſtammelte Steitz.
„Es iſ mir dehſ nicht erklärlich...“
„Das hab' ich, bei Gott, nicht verdient!“ ruft der Inſpector empört aus. „Freilich aber 3
„Da der Kurfürſt „Ich folge Ihnen.“
es befohlen, ſo müſſen Sie gehorchen.
„Ich bitte darum auf die Wache. Sie können für's Erſte auf meinem Zimmer bleiben, Herr Steitz.“ Der Inſpector folgte dem Officier, vollſtändig niederge⸗
ſchmettert, nicht fähig, auch nur Vermuthungen aufzuſtellen, was ihm dies Schickſal zugezogen habe. Es war ihm, als ob ein
böſer Traum ihn bedrücke.
Willenlos und wie gelähmt und matt in ſich zuſammenge⸗ ſunken ſetzte er ſich in einer Ecke der Stube des Officiers nieder und harrte deſſen, was weiter mit ihm geſchehen werde
Nach einer Stunde etwa kam der Kurfürſt auf der Wilhelms⸗
höhe an. Kurz darauf trat ein Fourier in die Wachſtube und brachte den Befehl, der Inſpector ſolle ihm in die Bibliothek zum
gnädigſten Herrn folgen.
Wankenden Schritts ſtieg Steitz die Bibliothekthüren öffneten ſich vor ihm, er Kurfürſten ſofort raſch auf ſich zu ſchreiten.
„Steitz, die fünfzigtauſend Thaler hätten auch nicht zu fehlen brauchen,“ rief der Kurfürſt ihm zornig entgegen.„Er muß wiſſen, daß ich Ihn habe arretiren laſſen und daß ich durch eine Commiſſion Alles ſcharf unterſuchen laſſen werde.“
Treppen hinauf; die trat ein, und ſah den
„Eine ſolche Commiſſion kann mir nur erwünſcht ſein, Durch⸗ laucht,“ ſtammelte Steitz athemlos heraus,„und. und ich fordere ſie jetzt ich verlange ſie.obwohl,“ fuhr der
Inſpector, in welchem jetzt über dieſe ganze Behandlung der Zorn ſich zu regen begann und, wie er weiter ſprach, höher und höher ſchwoll, fort. zobmwohl ich nicht geahnt habe, daß dies Eurer Durchlaucht Lohn für den treueſten Ihrer Diener ſei, der für Sie gethan hat, was tauſend Andere nicht gethan hätten, deſſen Haar gebleicht in Ihren Dienſten und in der Noth und Augſt um Ihren S Schatz, der Ihretwegen in den Kerker geworfen iſt..
„Nun, vee ſagte der Kurfürſt beſchwichtigend,„ſieht Er, Steitz, es war ſo übel nicht gemeint...“
„Uebel gemeint oder nicht übel gemeint, Durhlaucht, dies iſt keine W Behandlung, wie ſie ein gerechter Fürſt für den Mann hat, der bereit war, für ihn ſein Leben auf's Spiel zu ſetzen. daß Sie durch eine ſchimpfliche Verhaftung einem Manne wie mir ſeine Ehre antaſten...“
„Na, ſo höre Er doch auf, mich auszuzanken, Steitz, ich glaube ja, Er iſt eine ehrliche Haut! Ich will Ihm auch Alles erklären, ich wollte ja nur wiſſen, wie es mit den fünfzigtauſend Thalern eigentlich zuſammenhänge. Sieht Er, der Menſing hat mir darüber nicht reinen Wein einſchenken wollen, und Er muß geſtehen, daß das verdächtig war.
„Bei einem Ehrenmann wie Menſing?“ fiel zornig ein.„Nein, Durchlaucht. Er hat ſein Wort gegeben, der die Sunnn bekommen hat, nicht zu nennen.“
„Ja, ja, ſo ſagte er. Aber ich wollte das aus Seinem Munde h hören, Steitz. Er ſollie mir berichten, wie es eigentlich zugegangen. Er, Steitz! Und damit Er nicht vorher den Kopf zuſammen⸗
der Inſpector den,
ſtecke, ließ ich Ihn oif die Wache ſich jetzt beruhigen? So gebe Er daß ich Ihn gern habe!“
Steitz fühlie durch nahm die gebotene⸗ Hand und herzlich.
„Alſo, es bleibt beim Alten zwiſchen mir und, Ihm,“ der Kurfürſt fort.„Wenn Er einen Wunſch hat, ſo ſag' Er's mir. Er bleibt natürlich in Seiner alten Stelle. Ich werde Ihm auch eine beſondere Gin denzriahn zu Seinem Gehalte bewilligen. Er ſoll jährlich fünfzig Thaler Zulage erhalten!“
Steitz verbeugte ſich.
„Ich danke, Durchlaucht,
bringen. Darum! mir die Hand. Er
dieſe Worte ſeinen Zorn entwaffnet. Er Der Kurfürſt ſchüttelte die ſeine warm
fuhr
ſagte er kühl.„Das Wichtigſte
iſt mir, daß ich erhalte, was ich früher hatte, Euer Durchlaucht unbedingtes Vertrauen!“ ieniß gewiß... und kann ich Ihm ſonſt noch einen Wunſch erfüllen, ſo rede Er.“ „Ich habe allerdings einen Wunſch, Durchlaucht. Er betrifft
Wilhelm Momberg.“
„So ſo... den hab' ich ja untergebracht Prag im Marſtall gute Dienſte geleiſtet, Bereiter gemacht.“
„Durchlaucht hatten die Gnade aber Stellung keine Frau ernähren und er wünſcht heirgthon, die ich ihm verlobt habe. jetzt in der That lange genug gewartet!“ „Hm, ja... da hat Er Recht, Steitz!“ fürſt,„was machen wir denn da?... aber was iſt das?“ unterbrach ſich der Kurfürſt, Schulter faſſend und um ihn herumgehend.
er hat in
— er kann in der meine Tochter zu Die jungen Leute haben antwortete der Kur⸗ zum Teufel, Steitz,
den Inſpector an der „Er hat ja keinen Zopf!“
„In der That, Durchlaucht müſſen zu Gnaden halten...“ antwortete Steitz ein wenig verblüfft,„es iſt ſo aus der Mode gekommen...“
„Das hätte ich von Ihm nicht erwartet, Steitz,“ ſiel der Kurfürſt zornig ein,„komm' Er nicht wieder ſo... und dann hör' Er, noch Eins. in dem blauen Salon drüben war der ſchi öne kleine? Bologneſerhund aufgeſtellt, an dem mein höchſtſeliger Vater hing... der Profeſſor Schaumburg hatte ihn ausgeſtopft und in dem blauen Salon unter einen Glasſturz geſtellt. Ich ſehe meinen Herrn Vater noch davor ſtehen und ihn betrachten...“
„Ja, ja,“ fiel Steitz ein,„der hochſelige Herr hing ſehr daran, er hatte ihn aus It talien mitgebracht...“
„Nun ja, wo iſt er?“
hiſtoriſchen Cabinet zu haben, und ich habe ihn ihm überlaſſen, weil man ihn hier fortſchaffen wollte.“ „Schaſſ' Er mir das Hündlein ſofort wieder zur Stelle,
Steitz, hört Er?“ rief der Kurfürſt aus,„oder, weiß Er was... wenn der Narr, der Schaumburg, auf das aus Jeſtofte Thier Werth legt, ſo kann er es halten... aber der Hund hatte ein
kleines ſilbernes Halsband— das ſoll er zurückſchicken!“ Steitz verbeugte ſich abermals.
„Nun kann Er gehen, erwogen.“
Steitz; wir bleiben Ihm in Gnaden
„Mit welcher Botſchaft für meine Tochter und für Wilhelm Momberg?“
„Hm, ja— Er iſt hartnäckig, Steitz.“
„Nicht für mich, Durchlaucht aber...
„Nun wohl, weil der Momberg Sein Schwiegerſohn iſt, mag's drum ſein. Er kann dem Momberg ſagen, daß ich ihn zum Stallmeiſter ernenne! Iſt Er nun zufrieden?“
„Ich danke Eurer Durchlaucht von ganzer wortete Steitz.
Die Audienz war zu Ende wie wir es ſind mit unſerer Erzählung, nachdem wir ſie bis zu der glücklichen Wendung geführt, welche das Schickſal Wilhelm's und Eliſens nach ſiebenjährigem ziem lich boffna loſem und dennoch ſo treuem und ausdauerndem
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Seele, ant⸗
Harren genommen. Die weitern Schickſale des eigentlichen Helden unſerer Darſtellung liegen außerhalb des Rahmens derſelben. Wir können darüber nur angeben, daß, wenn über ſo viele
der treuen Heſſenherzen ſo bald das Gefühl tiefer und nieder⸗ ſchlagender Enttäuſchung kommen ſollte, es bei keinem raſcher ein⸗
Will Er weiß es,
und ich habe ihn zum
„Der Profeſſor Schaumburg wünſchte ihn in ſeinem natur⸗
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