rnen Een
*⁴ B 7 n un
küber das Mißverſtändniß zu ſcherzen.
5 M osuue ‿
Illuſtrirtes Familienblatt.— Herausgeber Ernſt Keil.
Wöchentlich 1 ½ bis 2 Bogen. Vierteljährlich 15 Ngr.— In Heften à 5 Ngr. In ſengender Gluth.
Von F. L. Reimar.
(Fortſetzung.)
8
Die Alte konnte Anfangs kaum begreifen, was die vornehmen Herrſchaften wollten, war aber, als ſie endlich das Anerbieten verſtand, ühn Freude und Dankbarkeit faſt außer ſich und verſprach, daß das Kind den ihm zugedachten Namen führen ſolle. Alfred ging dann einige Schritte voraus, um dem Prediger, welcher ſich ſchon in der Sacriſtei befand, das Nöthige mitzutheilen, und ge⸗ leitete wenige Minuten ſpäter ſeine ſchöne Gefährtin mit dem Täufling und den beiden Frauen zum Altar. Das Kind ruhte auf Roſaliens Armen, als das heilige Waſſer ſein Haupt benetzte und der Prediger ihm zugleich mit ihrem Namen ſeinen Segen ertheilte. Sie drückte, nachdem die Handlung beendigt war, einen Kuß auf ſeine Stirn und gab es dann ſeiner Pflegerin zurück, während Alfred beim Hinausgehen aus der Kirche ſich bei der Alten noch näher nach ihren Verhältniſſen erkundigte und für die Zukunft ſeine Unterſtützung verhieß. Am Kirchhofsthor, wo ſich die Wege der Wanderer ſchieden, erſchöpfte die Alte ſich noch ein⸗ mal in Dankſagungen und ſchloß ſie endlich mit den Worten:
„Denken Sie an mich, wenn der Segen über Sie kommt, den Sie ſich heute verdient haben, und kommen muß er, denn
was das Volk ſpricht, iſt wahr: wenn zwei Liebesleute— und daß Sie das ſind, habe ich ſchon an Ihren Augen geſehen!—
bei einem Kinde, deſſen Eltern nicht getraut waren, Gevatter ſtehen, ſo wird ein glückliches Paar daraus!“
Weder Alfreo? noch Roſalie brachte ein Wort hervor, um der Alten ihren Irrthum zu benehmen, und auch als ſie ſich raſch
von dieſer verabſchiedet hatten, vermochten Beide nicht miteinander
Schweigend gingen ſie auf dem Wege fort, der ſie dem Wäldchen zuführte, wo ſie Hermann treffen wollten, und ſie waren ſo mit ihren Gedanken beſchäftigt, daß ſie nicht bemerkten, wie die dunklen Wolken, welche ſich ſchon länger am Horizont gezeigt hatten, immer höher und höher heraufkfamen und die Sonne bereits hinter ihnen verſchwünden war. Ein ziemlich heftiger Donnerſchlag weckte Beide aus ihrer Verſunkenheit, und beſorgt rief Alfred aus:„Wir müſſen eilen, Roſalie, das Gewitter nähert ſich!“
Raſchen Schrittes wanderten ſie weiter und hatten bald das Wäldchen erreicht, deſſen Bäume ihnen wenigſtens Schutz vor dem zu erwartenden Regen bieten konnten. Bis jetzt war indeſſen kein Tropfen gefallen, obgleich die Schläge in immer geringeren Zwiſchen⸗ räumen und mit wachſender Heftigkeit auf einander folgten. Roſalie war ängſtlich und überdies hatte das raſche Gehen ſie angegriffen
— das fühlte er an dem Zittern der kleinen Hand auf ſeinein Arm, den ſie nach einigem Zögern angenommen hatte; daher machte er ihr den Vorſchlag, eine kurze Weile auszunuhen. Sie waren bei einem mächtigen Eichbaum angelangt, an deſſen Fuß Hermann, der die Stelle beſonders liebte, eine Bank hatte an⸗ bringen laſſen, und Roſalie willigte ein, ſich hier niederzuſetzen. Kaum aber hatte ſie an Alfred's Seite Platz genommen, als ſie ſchon wieder aufſprang.„O Gott, mein Medaillon! Ich habe mein Medaillon mit Hermann's Bild verloren!“ und ohne ſich zu beſinnen, eilte ſie auf dem Wege zurück, welchen ſie gekommen war. Er folgte ihr eben ſo raſch und war kaum an ihrer Seite, als er mit den Worten:„Nun ſagen Sie mir, ob ich nicht eine glückliche Hand habe!“ das Medaillon aus dem Graſe aufhob. Er bot es ihr hin und ſie wollte einen freudigen Dank aus⸗ ſprechen, als Beider Augen plötzlich von einem grellen Schein ge⸗ blendet wurden, während ein entſetzliches Krachen den Boden, auf welchem ſie ſtanden, zu erſchüttern ſchien. Ein Blick genügte, um ihnen zu zeigen, daß der Blitz in den Eichbaum gefahren war,
von dem ſie nur wenige Schritte trennten, und ihn ſowie die Bank, auf der ſie noch vor einer Minute geſeſſen, zerſchmettert
hatte. Und doch konnten Beide dies Alles kaum faſſen;— es war eine momentane Betäubung über ſie gekommen! Alfred wußte nur, daß er Roſalien an ſeiner Bruſt hielt und daß es wie Feuer durch ſeine Adern ſtrömte, und Roſalie fühlte, daß ſeine Arme ſie feſter und feſter umſchlangen; es war ihr, als ſei in dieſem Augenblick die ganze Welt verſunken und nichts mehr da, als der Mann, an deſſen Bruſt ſie ruhte und zu dem ſie auf⸗ blickte in ſeliger Entzückung.
„Ich halte Dich— Du biſt gerettet!“ waren die erſten Worte, welche er hervorzubringen vermochte.
„Für immer und ewig!“ und es klang faſt wie Jubel aus ihrer Stimme.„Gott hat geſprochen! Er will nicht unſeren Tod, ſondern unſer Leben.“
„Und es iſt fortan nur ein Leben möglich, Roſalie!“
„Nur eins, Alfred— wie uns auch ein Tod vereint hätte!“
Eine Weile ſchwiegen Beide, in ſeligen Gefühlen verloren.
„Wie war es möglich,“ jubelte er, es uns zu bekennen?“
„Frage nicht,“ entgegnete ſie,„ſondern danke Gott, daß er ſelbſt uns der Erleuchtung werth hielt durch den Blitz, welcher aus ſeinem Himmel zu uns herniederfuhr!“
„daß wir uns liebten, ohne
6


