ziehen mußte, als bei dem warmen, aufopferungsvollen und zum Glück auch leicht entſagenden Herzen des tapfern Lieutenant Menſing, des Mannes, welcher der eigentliche Retter jenes Schatzes geworden war, der, zum Theil aus den Seelenverkäufen der Heſſen⸗Caſſel'ſchen
Landgrafen ſtammend, im vorigen Jahre noch ein Gegenſtand des Tages⸗Intereſſes wurde, als Beſtandtheil des heſſiſchen Staats⸗ ſchatzes, welchen das annectirte Land von dem Gerechtigkeitsgefühl
des Siegers von Sadowa zurückeſſtattet erhielt.
HBlätter und Zlüthen.
Die Maskenbälle in der großen Oper zu Paris. Wie oft iſt nicht ſchon von den Pariſer Opernbällen geſprochen worden! Wie viel ſtumpfe und ſpitze Federn haben ſich nicht an mehr oder minder weit⸗ läufigen Schilderungen dieſer Bälle verſucht! Und wie ſehr hat man nicht bei dieſer Gelegenheit über die Laſterhaftigkeit des modernen Babels ge ſchrieen! Das arme Paris! Die meiſten Fremden, die nach der Haupt⸗ ſtadt Frankreichs kommen, ſuchen hier Zerſtreuungen aller Art, und nach⸗ dem ſie ſich einige Zeit mit der Tugend überworfen, kehren ſie mit einem moraliſchen Katzenjammer nach der Heimath zurück und werden nicht müde, von der Sittenloſigkeit in Frankreich zu ſprechen. Paris iſt nicht unſitt⸗ licher als irgend eine große europäiſche Stadt; in keiner andern Stadt unſeres Welttheils wird aber ſo viel, ſo unabläſſig gearbeitet. Die Opern bälle ſelbſt zeugen von der unermüdlichen Thätigkeit der Pariſer. Jedes Mal, wenn ein ſolcher Ball ſtattfindet, ſind alle Kaffeehäuſer, alle Reſtaurants die ganze Nacht hindurch geöffnet. Im Opernhauſe ſelbſt iſt ein zahlreiches Perſonal beſchäftigt. Das Orcheſter zählt nicht weniger als hundertund vierzig Mitglieder. Hierzu kommen noch die Angeſtellten: die Lampiſten, die Machiniſten, die Logenwärterinnen, die Controleure, die Aufſeher ꝛc., im Ganzen fünfhundertundfünfzig Perſonen. Es iſt ſtatiſtiſch erwieſen, daß ein Opernball elfhundert Wagen die Nacht hindurch in Circulation erhält. Außerdem ſind die Handſchuhladen, die Coſtümhändler, die Maskenverleiher, die Friſeurs, die Kuchenbäcker bis zu Tagesanbruch in unausgeſetzter Thätig keit. Die Lebhaftigkeit des Beſuchs varürt nach dem Grade des öffentlichen Wohlſtandes. So betrug im Jahre 1849 die Geſammteinnahme dieſer Bälle etwa neunzigtauſend Franken, während gegenwärtig das Vierfache dieſer Summe erzielt wird..
Der jetzige Capellmeiſter des Opernball⸗Orcheſters heißt Strauß. Der⸗ ſelbe hat mannigfache Reformen in dieſer Anſtalt eingeführt. Die Bälle fangen jetzt ſpäter an und hören früher auf, und die Bedingungen des Eintritts ſind auch etwas erſchwert worden. Indeſſen werden doch noch immer ſehr viele Freibillets vertheilt. Die Pariſer Preſſe wird mit zwei hundert Freibillets bedacht. Die Demi-monde erhält deren an fünftauſend. Etwa zweihundert Männern wird ebenfalls freier Eintritt gewährt. Außer dem werden ihnen von der Adminiſtration noch die Coſtüme geliefert; ſie übernehmen aber damit die Verpflichtung, tüchtig die Beine zu rühren und das Publicum heiter zu ſtimmen. Vier Tänzer, von denen zwei in Frauen coſtum erſcheinen müſſen, werden ſogar von der Adminiſtration bezahlt. Die Namen der vier Männer, die in der heurigen Saiſon auf den Opern bällen die tolle Quadrille tanzen, ſind: Clodoche, Flageolet, La Comoète
und Normande. Es ſind lauter Spitznamen. Die beiden Letztgenannten ſind immer in Frauencoſtum.
Daß dieſes edle Doppelpaar nicht von den erſten Schichten der Geſellſchaft abſtammt, braucht wohl nicht erſt beſonders erwähnt zu werden. Clodoche war früher Leichenbitter, da er aber
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ſeinem Geſchäfte, bei dem man nicht leicht Millionär wird, keine heitere Seite ab gewinnen konnte, wurde er Cancantänzer. Er ſprang ohne vermittelnden Uebergang vom Kirchhof in die öffentlichen Tanzſäle, wo er ſich jetzt einer großen Popularität erfreut. Außer dem Honorar, das dieſe Quadrille von der Verwaltung erhält, wird ſie auch von den jungen Leuten reichlich be⸗ dacht, vor deren Logen ſie die verwogenen Sprünge macht.
Die Opernbälle werden ſehr zahlreich von Fremden beſucht. Es iſt auch der Mühe werth, eine Stunde lang dieſes ſchwindelerregende Tohubohu anzuſehen. Daß die Frauenwelt auf den Opernbällen faſt nur durch jene Weſen rertreten iſt, die mit der Tugend auf mehr oder minder geſpann tem Fuße leben, verſteht ſich von ſelbſt.
Es gingen ferner ein: Von S. Nimbſchen 3 Thlr.; P.
A. K. in Henningen 1 Thlr.; Verſammlung Stohlze'ſcher Stenographen in Leipzig 3 Thlr. 10 Sgr.; Schfr. in Apolda 1 Thlr.; aus Cöslin 20 Sgr.; Sammilung des Bergſträßer Wagner in Crimmitzſchau 3 Thlr. 7 ½ Sgr.; aus Gotha 1 Thlr.; B. L. in Teplitz
Reichenbach 1 Thlr.; G. Kindtaufsgeſellſchaft bei Br.
der Tochter eines Veteranen vom freiwilligen oſtpreußiſchen Jägerbataillon 1 Thlr., K.
Bauer in Redwitz 1 Thlr.; einige Freimaurer aus Marbach und Gießen 20 Thlr.; A.
Parkfreuden im Winter.(Mit Abbildung.) Unſeren Leſern war in Nr. 49 des Jahrganges 1866 der Gartenlaube ein Blick aus der Vogelſchan auf die Sommerpracht des neuen Leipziger Theaters und ſeiner anmuthigen und geſchmackvollen Umgebung geboten. Dort ſtieg der perlende Strahl des Springbrunnens aus dem Schwanenteich über die Baumwipfel empor, Schwanenpaare belgbten die kühlende Fluth und über dem maſſigen Quader bau des Halbrunds zwiſchen den laubbedachten Veranden erhob ſich die zier⸗ liche Rückwand des Theaters mit ihren ſchlanken Karyatiden zwiſchen den hohen Fenſtern des Malerſaals. Heute ſtehen wir vor einem Winterbilde mitten im rauſchenden Gewoge einer rüſtigen Menge, die auf den Flügeln des Stahls über den Eisſpiegel des Schwanenteichs dahinſchwebt, und zwar iſt der rings vom bewegteſten großen Verkehrsleben der raſtloſen Stadt umfluthete Raum doch zugleich ſo geſchützt vor den Unbilden luſtſtörender Winde, als ob er für die erfriſchenden Freuden der Schlittſchuhbahn ganz beſonders der Frauenwelt beſtimmt ſei. Der Künſtler führt uns abſichtlich nur vor die dem Theater nächſte Eisfläche des Teichs, um dieſes Hintergrunds willen und weil es in der That jetzt den fahrluſtigen Damen möglich iſt, einen Theil ihres Wegs zum(am 28. Januar feſtlich eröffneten) Theater auf ihren Stahlſchuhen dahinfliegend zurück zu legen. Wie zur Einladung dazu hat die Natur ſich mit dem zierlichſten Eis⸗ und Schnee geſchmeide angethan, von der Baumtrone mit den duftigen Zweigen bis zu den in der Sonne glitzernden Zapfen an Rändern und Simſen. Und zwiſchen den Bäumen hindurch und hoch über den Köpfen der Luſtfahrenden ſchimmern, wie eines Feentempels Rieſenglieder, die hellen Mauern des Theaters durch die Winterluft zu uns herab, Alles im ſchönſten Einklang, die ſchmückende Kunſt und die geſchmückte Natur. Ja, wo Beide ſich ſo innig vereinen zur Erhebung und Erfreuung des Menſchen, da iſt's ſchön auf der Welt,— und um ſo mehr thut es weh, daß die Gaben dieſes Glücks ſo ungleich vertheilt ſind.
Berichtigung. Erſt jetzt wird uns von competenter Seite die Mit⸗ theilung, daß in dem in Nr. 34 unſers Blattes von dieſem Jahre ver⸗ öffentlichten Artikel„Die Humoriſten der Fliegenden Blätter“ einem Manne Unrecht geſchehen iſt, welcher gerade auf die Entwickelung der Holzſchneide kunſt in München und ſpeciell auf das Unternehmen des Herrn Braun von weſentlichem, wenn nicht entſcheidendem Einfluſſe geworden iſt. Der damalige königl. bairiſche Hofrath und Conſulent der Hof⸗ und Staats Bibliothek, Advocat von Deſſauer in München, jetzt hier in Zurück⸗ gezogenheit lebend, iſt es nämlich geweſen, welcher, im freundſchaftlichſten Einverſtändniß mit Herrn Braun, gemeinſchaftlich die erſte Idee zur Ent⸗ faltung dieſes Kunſtzweiges in Süddeutſchland durchzuführen verſuchte und durch ſeine bedeutenden und nachhaltigen, als Vertraueunsſache gewährten Unterſtützungen ermöglichte, daß Herr Braun bei dem damals berühmteſten Xylographen Frankreichs, Brevière in Paris, dem Studium der Holz⸗ ſchneidekunſt ſich gründlich zu widmen und den Grund zu ſeinen ſpäteren Erfolgen zu legen vermochte. Deſſauer war es auch, welcher, durch viel⸗ ſeitige ſonſtige Berufsthätigkeit veranlaßt, für die mit ſeiner Theilnahme gegründete Anſtalt in dem nachmaligen Geſellſchafter derſelben, Herrn Friedrich Schneider, in uneigennütziger Weiſe einen Nachfolger fand, der durch ſeine raſtloſe Thätigkeit und Umſicht die fernere mercantiliſche Ent⸗ wickelung mit dem vorzüglichen künſtleriſchen Streben des Herrn Braun zu verbinden gewußt hat. Es gereicht uns zum Vergnügen, unſeren Leſern von dieſen Thatſachen berichtigende Kenntniß zu geben.
Die Redaction.
2 Thlr.; Hedwig Helmbodt in Kloſter v. Seckendorff in Heinrichshalle 6 Thlr.; G. K. in Köln 1 Thlr.; Amanda und Karl in Anzeigeblattes 24 Thlr. 25 Sgr.; von der 5 Thlr. 15 Sgr. und 1 fl. öſterr.; von
W. in Frankfurt 1 Thlr.; Alſred Keil in Paris 10 Thlr.;
N. N. in Annaberg 2 Thlr.; W. M. in Jena 10 Thlr.; aus Weimar 1 Thlr.; aus Greiz 6 Thlr.; aus L—a's Sparbüchſe in Crimmitzſchau 4 Thlr. 10 Sgr.;
O. E. in Strauchnitz 4 Thlr.; eine Schweizerin in Gera 1 Thlr.; vom Turnerball in Geeſtendorf 7 Thlr. 3 Thlr.; G. W. in Brandenburg 1 Thlr.; Carl Reinhold in Witten
in Leipzig 1 Thlr.; Margarethe Keil
eine kleine Pfälzerin 1 fl.; E.
Die letzte Kartoffel, das letzte Stück Brod!
Und dann nur der Hunger! O gräßlicher Tod! Und Rettung iſt nicht zu erſchauen.
Zwei Tage ſchon rauchte der Schornſtein nicht mehr,
Nicht Kohlen, nicht Holz zu erbetteln umher: Da ſchwindet auf Gott das Vertrauen.
Es wimmern die Kindlein, die Mutter ſie weint,
Durch's Fenſter die Sonne ſchon längſt nicht mehr ſcheint. Begreift ihr den Jammer der Armen? Erbarmen, Erbarmen, Erbarmen!
St. in Reichenberg 1 fl. öſterr.; Kindtaufsſchmauß am Geber ſendet uns zugleich ein längeres Gedicht, das die Noth in Oſtpreußen ergreifend
3 Sgr.; F. B. 1 Thlr.; Buchb. Hentzner 5 Thlr.; Leipziger Liedertafel 25 Thlr.; 27. Jan. in Waldkirchen 5 Thlr. Einer der oben aufgeführten ſchildert und deſſen beide Schlußſtrophen wir hier anfügen: Es ſchleicht ſich der Froſt in das innerſte Mark; Die Hände, ſie ſind wohl noch kräſtig und ſtark Und möchten noch ſchaffen und ringen. Verſchneit ſind die Wege, verweht iſt die Bahn, Nicht Arbeit, nicht Brod iſt zu ſchaffen herau, Schon reget die Seuche die Schwingen. O, öffnet die Herzen, ihr Reichen umher! Gar bald iſt zum Geben die Zeit nicht mehr, Wenn hungernd verdorben die Armen. 1
Erbarmen, Erbarmen, Erbarmen! Die Redaction.
Inhalt: In ſengender Gluth. Von F. L. Reimar.(Fortſetzung.)— Bilder aus den deutſchen Alpen. Nr. 1. Das Fingerhackeln. Von Karl Stieler. Mit Abbildung.— Garibaldi's Flucht aus Caprera. Von ihm ſelbſt beſchrieben.— Plaudereien aus meinem Leben. Von Karl v. Holtei.— Der Dichter und der Maler des deutſchen Philiſters. (Schluß.)— Blätter und Blüthen: Die Maskenbälle in der großen Oper Opferſtock für Oſtpreußen. 3
Der Schatz des Kurfürſten. zu Paris.— Parkfreuden im Winter.
Hiſtoriſche Erzählung von Levin Schücking. Mit Abbildung.— Berichtigung.—
Verantwortlicher Redacteur Ernſt Keil in Leipzig.— Verlag von Ernſt Keil in Leipzig.— Druck von Alexander Wied/ Kaipzig.
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