tanz“ zu enden und die Sieger zu belohnen, d. h. dasjenige Pärchen, welchem es gelungen iſt, das meiſte Waſſer aus dem Kübel her⸗ ausbefördert zu haben und dennoch am wenigſten begoſſen worden zu ſein. Das Mädchen dieſes Paars wird vom Aelteſten der Preisrichter zur Leiter am Galgen geführt, um ſich den Hahn im Korb herunter zu holen. Der Tänzer aber erhält aus der Hand ſeiner Schönen beſagten Hahn und damit die Ehre, bis zum nächſten Hahnentanz der erſte Burſch im Orte zu ſein. Mit dem„Hahn im Korbe“ voran, zieht Volk und Muſik in's Wirths⸗ haus, wo die Sichelhänget in Tanz, Geſang und Trunk das Ende aller Volksfeſte findet.
Jedes Feſt, das dem Volke zur Erfriſchung ſeines Weſens dient, gehört zu den Nationalſchätzen, die man wahren muß. Es iſt viel gegen Volksfeſte und Volksſitten geſündigt worden, am meiſten von Zelaten der Kanzel und Aufklärern in Actenſtuben. Manchen Feſten hat das Volk mit Thränen Lebewohl geſagt und ſie ſind noch heute nicht vergeſſen; andere ſind ſelbſt verwelkt und abgefallen, weil ihre Zeit vorbei war. Gerechtigkeit wird auch den Volksfeſten erſt werden, wenn es in des Volkes Willen und Einſicht allein geſtellt iſt, über ſeine Herzensangelegenheiten zu
verfügen. lin Fr. Hofmann.
Der Schatz des Kurfürſten. Hiſtoriſche Erzählung von Levin Schücking. (Fortſetzung.)
Wir haben den Fourgon mit ſeiner koſtbaren Ladung glück⸗
lich auf dem Pachthofe der Mutter Menſing's bergen ſehen. Er⸗
war in eine verſteckt hinter den andern liegende Scheuer gebracht worden; Menſing hatte den Schlüſſel der Scheuer zu ſich geſteckt, und während nun Wilhelm ging, die Pferde, die in einen Stall gezogen worden, zu verſorgen, wandte der Lieutenant ſich dem er⸗ hellten Wohnzimmer im Pachthauſe zu, wo ſeine Mutter eben in Aufregung und Herzensangſt beſchäftigt war, für Eliſen zu ſorgen und ſie durch ein warmes Getränk zu ſtärken.
Menſing ſetzte ſich ihr gegenüber und nachdem er ſeiner Mutter auf ihre ſich überſtürzenden Fragen Beſcheid gegeben, ſagte er:„Was nun, Eliſe? Wir müſſen Kriegsrath halten und raſch zu einem Entſchluſſe kommen.“
„Haben Sie denn den Plan, in der nächſten Nacht weiter zu fahren, aufgegeben?“ fragte das junge Mädchen.
„Ja,“ verſetzte Menſing.„Der Transport mit dem Fourgon iſt zu gefährlich. Ein Mann kann Verfolgungen leicht entgehen, ein Wagen aber nur ſchwer. Und man wird uns verfolgen. Man wird uns verfolgen, ſobald der Oberſt La Croiyx entdeckt, daß er getäuſcht wurde, ſobald es im Stalle auffällig wird, daß Wilhelm mit ſeinem Wagen nicht zurückkehrt. Ich fühle etwas wie eine Gefahr über uns hängen. Deshalb habe ich meinen Plan geändert. Er lautet ſo: wir verbergen den Schatz in einem alten trocknen, zur Hälfte mit Feldſteinen angefüllten Brunnen, der ſich auf einem entlegenen Grundſtücke meiner Mutter befindet. Dann fährt Wilhelm den Fourgon in eine andere Gegend und läßt ihn dort durch einen Burſchen, den erſten, beſten, der ihm aufſtößt, zum Schloſſe zurückſahren, wo der Menſch angiebt, er habe ihn leer und verlaſſen auf dem Felde ſtehen ſehen und als königliches Eigenthum erkannt. Es hat dies nebenbei das Gute, daß König Jerôme alsdann nicht ſagen kann, wir hätten ihm Pferde und Wagen geſtohlen.“
„Und dann?“ fragte Eliſe.
„Dann wird es meine und Wilhelm's Aufgabe, den Schatz getheilt, jedes Mal ſo viel wie ein Mann davon bei ſich tragen kann, fortzuſchaffen. Wir werden dazu verkleidet, bald in dieſem, bald in jenem Coſtüme und hauptſächlich des Nachts wandern müſſen. Die nöthigen Kleidungsſtücke können wir uns in dem Grenzorte, bei dem Agenten, der uns erwartet, verſchaffen.“
„Das ſcheint mir allerdings beſſer,“ ſagte Eliſe,„als wie Sie es urſprünglich vorhatten. Und wo bleibe ich?“
„Sie bleiben hier, bei meiner Mutter... verborgen, unter einem andern Namen... als eine Hausarbeiterin, welche ſie angenommen hat. Sind Sie damit einverſtanden?“
„Ich bin es zufrieden“
„Nicht wahr, es iſt auch beſſer, als wenn Sie die Gefahren heimlichen Reiſe mit dem Wagen theilten?“
„Es iſt beſſer, gewiß!“
„So wollen wir nicht ſäumen!“
Menſing ſprang auf und ging hinaus. Nach etwa einer Viertelſtunde kam er zurück. Er trug vier lederne Beutel, die er auf den Tiſch ſtellte.
„Wir haben eine der Kiſten geöffnet,“ ſagte er zu Eliſen, die er auf ihrem alten Platze fand, während die Mutter hinaus⸗ gegangen war.„Hier iſt, was unſern erſten Transport bilden ſoll. Wilhelm ſpannt eben die Pferde wieder ein, um zu dem
einer
es iſt noch ſo dunkel und nächtig draußen,
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Brunnen zu fahren. daß uns Niemand entdecken wird—— Er hatte kaum ausgeſprochen, als draußen ein Hufſchlag er⸗ ſcholl— gleich darauf hörte man das Hofthor rütteln und den Ruf:
„Holla he!“
„Teufel,“ rief Menſing erſchrocken auffahrend,„was iſt das? wenn das La Croix mit ſeinen Gensd'armen iſt...“ „So ſind wir verloren!“ fiel tief erblaſſend Eliſe ein. „Nur die Ruhe bewahrt,“ flüſterte Menſing,„ich will ſehen, es iſt..“
„Holla he!“ ſcholl noch einmal ein donnernder Ruf durch die Stille der Nacht,
„Es iſt der Oberſt— kein Zweifel— ich erkenne ſeine Stimme. Eliſe, zu meiner Mutter; ſie ſoll Wilhelm mit dem Fourgon über den hintern Hof auf's Feld hinaus zu dem Brun⸗ nen führen— raſch fort— nur raſch... ich öffne dem Oberſten unterdeß und denke ihn ſchon zu beſchäftigen, bis Ihr fort ſeid.“
Dabei warf er die vier Beutel unter den Tiſch und eilte hinaus. 7
„Ich komme, ich komme,“ rief er, über die Schwelle der Hausthür tretend, um auf einen dritten Anruf zu antworten.
Ueber den Hofzaun herüber ſah er die Geſtalt eines Reiters, der eben abſtieg; ein Fußgänger im Kittel ſtand neben ihm.
Es war der Oberſt La Croix, der Menſch neben ihm ein Müllerburſche, den der Oberſt in der Neuen Mühle bei ſeiner nächtlichen Arbeit geſunden und als Wegweiſer zu dem Pachthof mitgenommen.
„Oeffnen Sie. öffnen Sie!“ rief der Oberſt.
„Ich werde den Schlüſſel holen,“ verſetzte Menſing,„im Augenblick.“
Er ging zurück und ließ er kehrte.
„Zum Teufel, wo bleiben Sie? Auf mit dem Thor!“
Menſing öffnete langſam und zögernd das Hofthor.
„Wie, Sie, Oberſt?“ ſagte er mit dem Tone großer Ruhe, als La Croix, ſein Pferd hinter ſich ziehend, in den Hof kam.
„Ich bin's, mein Herr Lieutenant, um Sie für den Masken⸗ anſchlag, den Sie ſich mit mir erlaubt haben, zur Rede zu ſtellen und mir ein wenig genauer Ihren Fourgon anzuſehen. Im Na⸗ men des Königs, Sie ſind verhaftet, Lieutenant Menſing.“
„Ich beuge mich vor dem Namen des Königs,“ antwortete Menſing mit demſelben äußern Gleichmuth.
„Führen Sie mich augenblicklich zu dem Wagen.“
„Der Wagen... was wollen Sie bei ihm?“
„Das iſt meine Sache.“—
„Er iſt nicht mehr hier.
„Herr,“ donnerte der Oberſt,„gehorchen Sie oder...
Der Oberſt griff zu ſeinem Säbel.
„Herr Oberſt,“ verſetzte Menſing achſelzuckend, iſt keine Zauberruthe, womit Sie den verſchwundenen Wagen wieder herbeizaubern. Er iſt nun einmal fort und aus Ihrem Bereich!“
„Halte mein Pferd,“ ſchrie der Oberſt den Müllerburſchen an.
Der Burſche ſprang herbei, das Pferd zu nehmen.
was
ein paar Minuten verfließen, ehe
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Oekonomiegebäudes das Rollen eines Wagens vernehmbar.
„Ihr Säbel
Su⸗ dieſem Augenblick wurde aus der Gegend des zurückliegenden
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