daß ſie mit einer ſo b ldfeſten Schlägerei ende, daß wenigſtens ein Paar Burſche in Backtrögen heimgetragen werden müſſen, wird jetzt nicht mehr ſo entſchieden erhoben.
Nachahmenswerth iſt die Kirchweihſitte zu Peter im Schwarzwald. Dort muß jeder Hofbauer mit ſeiee Frau ſein ſämmtliches Ge eſinde drei Tage lang eigenhändig bewirthen. Sitzen ſie nicht da, wie an fürſtlicher Tafel die Herren und Damen? Vom Großkuecht bis lin Kühjungen und von der Altmagd bis zum Gänſemädchen behaupten ſie in zwei Reihen am Tiſch ihren Platz und ihr Recht.„Buwr, i bring der's zue!“ ſchreit s bald da, bald dort, und der Bauer muß Beſcheid thun und die„Buwri“ aauch. Nur das Tanzen unterbricht von Zeit zu Zeit die herz⸗ hafte Arbeit am immer gedeckten i
Wo es die Wohlhäbigkeit der Ledawirtgſebaſt Hergiet dt, ge⸗ ſchehen die feſtlichen Umz zůe der Planburſchen zu P ferd e, wie im Niiederheſſiſchen; dort ſtolzirt der Zugführer ſogar in Huſaren⸗ uniform un dem Säbel in der Fauſt einher.
Unter den mancherlei Kirchweihſpielen(wie Hahnenſchlag, Wett⸗ laufen, Huttänze, Klettern nach Taſchentüchern an hohen, glatten Krinngen und dergl.) nimmt der Fuldaiſche Hammelkrieg keine ſchlechte Stelle ein. Unter die Dorflinde führt man in feſtlichem Aufß uge und mit Muſik einen Hammel, welcher mit Bändern und Tüchern reich aufge putzt iſt. Dann bilden die Eheleute und die Ledigen des D Dorſes zwei feindliche Heerhaufen, die beide nach dem malüeshen Hammel hindrängen, um ſich in deſſen Beſitz zu ſetzen. Die Sieger haben den Vortheil, daß die Beſiegten Hammel und Zeche bezahlen müſſen, denn zum gemeinſchaftlichen Hammel⸗ ſchmaus gehört auch ein entſprechender Trunk.
In vielen Gegenden iſt man ſo vorſichtig, alljährlich die Kirchweihe zu beg raben n, denn man freut ſich dabei ſchon im Voraus ihrer Wiederanferſeehung im nächſten Jahr. Wie ehedem überall in der Pfalz, verſenkt man noch heute in Lahr mit allen Zeichen ganz beweglicher Trauer eine wohlverſchloſſene Flaſche Weein in die Erde, und zwar auf einem Hofe mitten im Dorfe, der lieben Sicherheit wegen. Im Remsthale geſchieht dies außer⸗ halb des Dorfes und man fügt dort dem Wein, den man leicht⸗ ſinnigerweiſe in's Loch ſchüttet, noch ein Viertel Kuchen, einige bunte Bänder und ein Häufchen alte Lumpen hinzu. Die tiefe Bedeutung von letzterer Zugabe iſt noch zu ermitteln. Umgekehrt wie bei einer Soldatenleiche zieht man hier ſingend, ſchäkernd und lachend zur Stätte, wo„die Kirwe vergrabe“ wird, und kehrt da⸗ für unter lautem Jammern und Wehklagen zum Tanzboden, da⸗ ſelbſt aber vom Trauermarſch ſofort zum Walzer zurück Am Niederrhein vergrub man in älterer Zeit als Kirmeßbild einen I Pferdekopf, jetzt widerfährt dem Conterfei des heiligen Zachäus dieſe Ehre. Hoch zu Roß wird der aus Holz geſchnitzte Patron V am Ende der Kirmß zu ſeiner Ruheſtätte elaachi⸗ und ebenſo ſtattlich iſt der Zug, der ihn am Vorabend des Feſtes wieder aus⸗
gräbt and. auf eine hohe Stange geſteckt und mit Bändern, Blu⸗ men und der Mirmeßkrone geſchmückt, zur Tanzbühne befördert. Auch in Thüringen verſtehen ſie's, eine gute Kirmeß zu hal⸗ ten. Für Ordnung hat in den meiſten Dorfſchaften der* Platz⸗ meiſter“ mit ſeiner langen Pritſche zu ſorgen, und ein„Platz⸗ knecht“ iſt ſein Adjutant. Er ſchafft vor Allem Proviant. Sehen wir ihn nicht, ein hohes Paßglas voll Bier in der Rechten und einen Rosmarinſtengel in der Linken, an der Spitze der Muſik voon Haus zu Haus ziehen? Und in jedem DHanzr hält er ein — Ehrentänzchen mit Frau oder Tochter, und wird mit einem Kuchen * eſchenkt, zu deſſen Weiterbeſörderung ein Burſche mit einem Schieb⸗ carren hinter dem Zuge herfährt.
Nach einem feſtlichen Zug zum Tanzplatz unter den Dorf⸗ linden holt jeder Kirmeßburſch ſein Mädchen zum Kirmſentanz ab. Da gehört es denn, trotz der längſt abgemachten Sache, zum Dorfceeremoniell, daß der Burſche in aller Form und mit wohlgeſetztem Gruß bei den Eltern die Tochter ſich zur Plan⸗
jungfer erbittetaund daß letzlere nicht etwa ſchon in vollem Putz auf ihn war ondern ſich, wie ſehr ibenaſäht. erſt gar fertig machen muß. iſt, als ob in den vielen Thüringer Fürſten⸗
höfen doch das Volk ſich ein wenig habe ſpiegeln müſſen; weiter geht aber eines Hofmarſchalls heimliche Freude nicht, denn nach⸗ dem das Mädchen dem Burſchen das Kirmstuch, ein buntes, ſeide⸗ naees Halstuch, auf die linke Schulter befeſtigt hat, geht ſie hemd⸗ ärmelig hinter ihm her bis zum Schenktiſch am Kirmsplatz, wo ſie auf das Wohl aller Feſtcameraden aus einem großen Bier⸗
glas trinkt. und ſobald die Kirmeßpaare vollſtändig ſind, beginnt ein Schleifer, dieſer deutſche Urtanz, das eigentliche Kirchweihvergnügen für zwei Tage und Nächte lang. Den dritten Kirmeßtag verherrlicht der„Hammelritt“. Auf bunt ausgeputzten Pferden und ſelbſt den Hut und Rock mit Bändern und Blumen geſchmückt und mit Degen und Piſtolen bewaffnet reiten die Burſche, voran die Spiel⸗ leute und der Platzknecht, der allerlei ſeidene Bänder und Tücher als Fahne an einer Stange trägt, auf das Feld zur Heerde. Hier wird ein Hammel ausgewählt, ebenfalls mit Bändern be⸗ hängt und einem Fleiſcher auf das Pferd gehoben, und nun kehrt der Zug zur Plan⸗ oder Mahlſtätte zurück, wo auf einem großen Stein unter den Linden der Hammel geſchlachtet und dann zum Abendſchmauß zugerichtet wird. Ein harmloſes Spiel um Aepfel und Nüſſe beſchließt friedlich die Schmaußerei und das Feſt.
Aber wie untergegangene Dörfer giebt es auch verlorene Kirmſen. Nach O. von Reinsberg⸗Düringsfeld(„Das feſtliche Jahr“), dem wir mehrere der obigen Kirmeßnotizen verdanken, haben einige ſchwäbiſche Ortſchaften keine Kirchweihe, weil ſie entweder einen Bettelmann hätten verhungern laſſen, wie die Betzinger, oder weil ſie ſchuld daran geweſen, daß zwei Bettler ſich gegenſeitig todtgeſchlagen, wie die Weilheimer bei Tübingen. Von Bietigheim erzählt er, es habe das Recht der Kirchweihe verloren, weil einſt zwei Weiber während des Kirchweihkuchenbackens ſich mit den Kuchenſchüſſeln erſchlagen, und die Leute von Hepſisau werden Guckigaug geſcholten, weil ſie ihre Kirchweih in alten Zeiten für einen Kukuk verkauft haben ſollen.
Und welch ehrwürdiges Alter haben die meiſten unſerer Kirmſen! Sie gehen bis in unſere Heidenzeit zurück, denn das Hammelſchlachten auf dem Stein unter der Linde, Hammelritt, Hahnenſchlag und Begraben der Kirmeß deuten darauf hin, daß auf dem Grund alter heidniſcher Opferfeſte die chriſtliche Kirch⸗ weihe erſtanden iſt. Iſt doch auch manche fromme Kirche weiland ein Götzentempel geweſen, wie die Belſener Capelle auf einem Vorhügel des Farrenberges, von dem aus man nicht nur hinab in das Steinlachthal blickt, das bei Tübingen in das Neckarthal mündet, ſondern auch auf den benachbarten Roßberg, den höchſten Berg der ſchwäbiſchen Alb, auf welchem einſt die Sonnenpfede, wie auf dem Farrenberg die Opferfarren, geweidet worden ſein ſollen.
Uebrigens ſind der Würtembergiſche Weiler Belſen und das liebliche Steinlachthal eigentlich daran ſchuld, daß wir dieſen Wandelgang durch die deutſche Kirmeß⸗ und Erntefeſtluſt ange⸗ treten haben, denn dort findet ſich ein ſo urwüchſiger Beitrag dazu, daß ſich ein Künſtler veranlaßt ſühlte, den Hauptvorgang derſelben für unſere Leſer bildlich darzuſtellen.
Wenn nämlich im Steinlachthale die Ernte glücklich geborgen iſt, ſo rüſtet man ſich z zur Begehung des Erntefeſtes der Sichel— hänget, die in Südweſtdeutſch land, namentlich in Schwaben und Oberbaiern, das von Alt nn Jung erſehnteſte Volksfäft iſt. Es wird ſtets an einem Sonn⸗ oder Feiertag gehalten und be⸗ ginnt mit einem Vormittagsgottesdienſt, der dem Dank gegen Gott für das Glück der Ernte ganz allein geweihet iſt. Mit deſto leichteremn Herzen giebt man ſich am Nachmittag der weltlichen Freude hin. Alles Volk zieht hinaus auf die Wieſe, wo eine Art Galgen errichte tiſt, deſſen ſonſt ſo verhängnißvoller Querbalken hier einen Vatelen Beruf hat. Auf der Galgenſäule ſteht ein Korb,
in welchem ein mit allerlei Seidenbändern gar bunt herausſtaffir⸗-
ter Hahn ſteckt. Vorne am Querbalken iſt ein Bret ſo angebracht, daß es mit dem auf ihm ſtehenden Kübel voll Waſſer leicht umkippt. Auch die Muſik iſt bereit und aus einer Clarinette, einer Baßgeige
und einem Waldhorn zuſammengeſetzt. Erſtere hat allein die
Ehre, den Feſtmarſch zu führen, welchem die Paare mit hellem Jauchzen drei Mal um den Galgen folgen. Sobald aber der Marſch in einen Walzer übergeht, fallen auch die beiden anderen Inſtrumente ein und Paar um Paar ſchwebt nun im Kreiſe da⸗ hin um die wunderlich aufragende Vorrichtung. Bald jedoch wird „das Warum uns offenbar“. Sobald ein Paar in die Nähe d des Querbalkens kommt, packt das Mädchen den Burſchen beim Knie⸗ an der Hoſe und fuch ihn ſo hoch emporzuſchnellen, daß er mit dem Kopf an den Kübel ſtoßen muß, dann walzen Beide eiligſt davon, ohne den Erfolg des kühnen Aufſchwungs abzuwarten. Dieſes Spiel iſt außerordentlich ergötzlich und giebt zu vielfachem Aufjubeln Gelegenheit; es iſt deshalb ich immer den Leuten noch zu bald, wenn endlich die Preisrichter uftreren, um den„Hahnen⸗
Indeß wimmelt längſt der Platz von Alt und Jung,


