Jahrgang 
4 (1868)
Seite
59
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Aehnlich jenem im Eingange erwähnten Cylinder, der die alten Noten empfängt, um daraus neues Papier zu machen, haben die eiſernen Kiſten(Safes), worin Stempel undGrundlagen verwahrt werden, und die andere eiſerne Kiſte von der Größe eines anſtändigen Empfangszimmers, welche die fertigen Noten und Staatsſchuldſcheine enthält, je drei Schlöſſer, wovon der Schlüſſel eines jeden in den Händen eines andern Bewahrers ruht, ſo daß ſie nur in Gegenwart dieſer drei Perſonen eröffnet werden können. Ein Stempel oder eineGrundlage in eines Arbeiters Hand entſchlüpft nicht für einen Augenblick dem wachſamen Auge des für ihn verantwortlichen Bewahrers, weil ſonſt ein Abdruck genommen und ſo eine Fälſchung begangen werden könnte.

Ebenſo wunderbar wie vollkommen iſt das Syſtem von Control⸗ und Sicherheitsmaßregeln, vermittels deren dieſe ungeheuern, durch Hunderte von Händen laufenden Beträge gegen Nachläſſigkeit und Unredlichkeit geſchützt werden, und ſie beruhen auf den nachſtehenden einfachen Grundſätzen:

1. Jedes Papier⸗Paket oder jeder Bogen, beſtimmt Geld varaus zu machen, wird von dem Augenblicke ab, wo er rein in das Bureau kommt, als Geld behandelt. Nie wird ein Bogen oder eine Note, die mangelhaft oder im Laufe der vielfachen Operationen beſchmutzt iſt, weggeworfen. Auch das kleinſte Stückchen Papier, wenn einmal empfangen, muß in irgend einer Weiſe dem höheren Beamten im Schatzamte überliefert werden.

2. Jedes Paket, das von einer Hand zur andern oder von einem Bureau zum anderen übergeht, wird gezählt, quittirt und das Reſultat in ein Buch mit Lederband eingetragen. Ueberdies ſetzt die Zählerin die Anfangsbuchſtaben ihres Namens auf das Band des Pakets. Sollte daher ein Paket oder Bogen verloren gehen, ſo kann er leicht bis zu der Hand verfolgt werden, die ihn zuletzt empfing und ihn verſäumte abzuliefern. Dreiunddreißig Mal wird jedes Paket auf ſeiner Wanderung durch die ver⸗ ſchiedenen Stadien ſeines Vervollkommnungsproeeſſes gezählt. Selbſt dem Schatzſecretär würde ohne ſchriftlichen Befehl und Quittung nicht ein Dollar verabfolgt.

3. Irgend ein Irrthum oder Widerſpruch wird im ſelben Augenblicke verfolgt und verbeſſert oder beſeitigt, in welchem er

entdeckt wird. Die Bücher werden jeden Abend verglichen und abgeſchloſſen, und kein Arbeiter oder Aufſeher darf weggehen, bis

alle Rechnungsabſchlüſſe als übereinſtimmend berichtet ſind.

Um die Zuverläſſigkeit des Syſtems zu prüfen, ordnete an einem Tage des verfloſſenen Januar der Schatzſecretär einen finanziellen Generalmarſch an, d. h. er ließ plötzlich, während Alles

in voller Arbeit und ohne daß ein Menſch davon etwas wußte,

alle Arbeit einſtellen. Die Abrechnungen wurden genommen, wie

ſie gerade lagen, und eine allgemeine Reviſion aller Bureaux ab⸗ gehalten. Sie beſaßen an dem Tage über ſiebenhundert Millione: Dollars, und doch wurde nicht nur die Geſammtſumme richtig befunden, ſondern der Betrag in jedem einzelnen der ſechszig Räume ſtimmte mit den Büchern bis zum letzten Cent.

Die nachſtehenden Fälleverſchwundener Werthpapiere dürften von Intereſſe ſein, nicht nur weil ſie die Genauigkeit der Buch⸗ führung dieſes großartigen Inſtituts beweiſen, ſondern auch weil ſie dem deutſchen Leſer eine Idee des in den Vereinigten Staaten in ſolchen Fällen beobachteten Verfahrens geben.

Einmal verſchwanden Dollars von Zinſes⸗Zinſen⸗Noten des Schatzamtes in der Verſiegelungsabtheilung. Da die emſigſten Nachforſchungen vergeblich waren, ſo zahlten die in der Abtheilung Beſchäftigten den Betrag, und man nahm an, daß die Noten von der Maſchinerie erfaßt und in Stücke zerſchnitten worden. Allein es wurde kein neuer Bogen mit dieſer Nummer mehr erlaſſen, ſo daß⸗ wenn ein Diebſtahl ſtattgefunden, er einſt herauskommen muß, wenn dieſe Noten zur Zahlung eingeſandt werden.

Zweihundert Bogen von Fünfundzwanzig⸗Cent⸗Noten im Geſammtwerthe von elfhundert Dollars konnten nicht gefunden werden. Durch die Nachläſſigkeit eines Aufſehers, welcher den Verluſt nicht augenblicklich berichtete, wurde es unmöglich nachzuſpüren. Allein nach einigen Wochen ſtellte ſich heraus, daß eines der Mädchen ver⸗

dächtig große Summen ausgab, nicht für ſich, ſondern mädchenhaft Baarzahlung zurückkehren ſehen.

zur Bequemlichkeit ihres Vaters, deſſen Aufenthalt in einem der

ö

theuerſten Gaſthöfe ſie bezahlte. Des Diebſtahls beſchuldigt, bekannte ſie ſofort. Sie hatte die Noten unter ihren Unterkleidern verſteckt herausgetragen. Hätte der Aufſeher ſeine Schuldigkeit gethan und den Verluſt gleich bekannt gemacht, ſo hätte ſie nicht mit denſelben wegkommen können. Die Mädchen der Abtheilung würden ein Comité erwählt haben, um die Kleider Aller genau zu durchſuchen. Dieſer Betrag wurde nie erſetzt und iſt in der That der einzige Verluſt, den das Schatzamt erlitten.

Der bedeutendſte Diebſtahl, der bisher im Schatzamte vor⸗ gekommen, war der vonSicherheiten(securities), welche das Fabrikations⸗Bureau bereits an den Regiſtrator abgeliefert und dafür deſſen Quittung erhalten hatte. Ein Beamter in dem Anleihe⸗ Bureau beſeitigte hunderttauſend Dollars in ſechsprocentigen Coupons von Staatsſchuldſcheinen. Wochenlang blieb die Entwendung un⸗ bekannt; der Dieb legte mittlerweile unter dem Vorwande, daß ſein Großvater geſtorben ſei und ihm ein großes Vermögen hinter⸗ laſſen habe, ſeine Stelle nieder, zog nach New⸗York, miethete ein prachtvolles Gebäude und lebte in Saus und Braus. Er machte keinen Verſuch, die Schuldſcheine zu veräußern, ſondern präſentirte nur alle halbe Jahre die fälligen Coupons und ſtrich ſeine dreitauſend Gold⸗Dollars ein. Allein de jeder Coupon dieſelbe Nummer trägt wie ver ihm entſprechende Staatsſchuldſchein, und da eine Liſte der vermißten Schuldſcheine an alle Agenten des Schatzamtes mitgetheilt war, ſo ſügte er mit einem Stempel mit rother Tinte eine Ziffer zu der Nummer jedes Coupons, indem er zum Beiſpiel 46,918 in 469,181 u. ſ. w. verwandelte. Sein extravagantes Leben erweckte aber Verdacht. Großvater und Erbſchaft erwieſen ſich als ein Märchen; er wurde verhaftet, geſtand und erklärte, daß er die Schuldſcheine verbrannt habe, zeigte jedoch die Stelle ſeines Hauſes an, wo die Coupons verſteckt waren; er wurde zur Strafarbeit verurtheilt, aber begnadigt und ſtarb bald nachher. Durch dieſen Fall gewitzigt, wird jetzt beim Numeriren der Coupons die Vorſicht genommen, die Nummer auf dem Rücken durchſcheinen zu laſſen, ſo daß keine Zahl zugefügt werden kann.

Das Stück Staatsſchuldſcheine kommt der Regierung ſechs Cent zu ſtehen; das Stück kleiner Münzſcheine den zehnten Theil eines Cent. Die ganze Maſchinerie des Bureaus hat zweihundert⸗ fünfzigtauſend Dollars gekoſtet.

Die Arbeitszeit beginnt um neun Uhr Morgens und dauert bis vier Uhr Nachmittags mit halbſtündiger Unterbrechung um die Mittagszeit für das ſogenannte Lunch(Gabelfrühſtück). Doch iſt dem Ab- und Zugehen der Arbeiter und Arbeiterinnen keine Schranke aufgelegt und überall begegnet man Mädchen, allein, zu Zweien und mehr. Die ſo ſchöne Achtung der Amerikaner vor dem weiblichen Geſchlechte bewährt ſich auch hier und überraſcht den Europäer auf das Angenehmſte. Ob⸗ wohl Arbeiterinnen, ſind ſie dochLadies. Manche Gattung Arbeit iſt ſo ſchwer, daß dieſe ſechs⸗ bis ſiebenſtündige Arbeitszeit lange genug iſt. Der Tagelohn für Männer iſt von zwei und einem halben bis fünf Dollars; für Mädchen ein und ein halber bis zwei und ein halber Dollar. Einige Mädchen ſahen er⸗ ſchöpft und ungeſund aus, die meiſten aber geſund und fröhlich. Faſt ausnahmslos ſind ſie nett und geſchmackvoll gekleidet. Für Diejenigen, welche Familie haben, iſt die Arbeit paſſend und an⸗ genehm; für Andere dagegen iſt Waſhington die unangenehmſte und gefährlichſte aller amerikaniſchen Städte. Wenige mit Waſhington bekannte Männer würden ihre Töchter oder Schweſtern der Gnade ſeines Koſthauslebens anvertrauen wollen.

Wenn wir in Vorſtehendem ein getreues Bild einer Anſtalt zu geben verſuchten, die uns die Menſchenhändler des Stdens aufzwangen und die der unermüdlich erfinderiſche Geiſt desun⸗ vermeidlichen Yankee, geleitet von einem Meiſter wie Chaſe, allein in's Leben rufen konnte, ſo mögen unſere Leſer unſerer Ver⸗ ſicherung Glauben ſchenken, daß wir es nicht mit freudigem Herzen gethan. Es geht ein unheimlicher Geiſt durch unſer amerikaniſches Haus; er nagt am innerſten Marke unſeres materiellen Wohlergehens, unſeres ſocialen Lebens und, was das Gefährlichſte, unſerer Moralität: der Papierſchwindel. Aber ſchon ſind kräftige Arme bereit, ihn zu faſſen, und der 1. Januar 1869, wir wagen die Vorausſagung, wird die Vereinigte⸗Staaten⸗Regierung zur Riotte in Waſhington.