Jahrgang 
4 (1868)
Seite
58
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der Oberfläche rein und trocken reibt; einem zweiten, welcher die Platte auf das Untergeſtell auflegt, ſie unter den Deckel der Preſſe ſchiebt, um deſſen mächtigen Druck zu empfangen, und die Plntte dann dem Erſten wieder aushändigt, und einem Mädchen, das den reinen Bogen hinlegt und den bedruckten wegnimmt und zwiſchen je zwei ein Blatt braunes Papier ausbreitet, um Beſchmutzung zu ver⸗ hüten. Jede Preſſe macht ungefähr einhundert und fünfzig Bogen in der Stunde, kann jedoch im Nothfalle bedeutend mehr liefern. Auf einer weht die amerikaniſche Flagge zur Erinnerung daran, daß ſie einmal in ſieben und einer halben Stunde dreitauſend Abdrücke lieferte. Die Platten ſind künſtlich geheizt, weshalb ſie der Drucker haſtig behandelt, indem ſie auf den Fingern des Unerfahrenen Blaſen brennen würden. Im Sommer iſt der Raum wie das Innere eines Ofens; der Schweiß ſtrömt an den Arbeitern herab, und die großen Palmfächer der Mädchen ſind in beſtändiger Bewegung. Dieſe Ar⸗ beit iſt außerordentlich ſchwer und anſtrengend. Früher wurde auf angefeuchtete Bogen gedruckt, Mr. Clark, der Chef des Druck⸗ bureaus, hat jedoch, gegen ſtarke Oppoſition, das trockene Drucken durchgeſetzt. Es gewährt mehr Sicherheit gegen Moder, weil trockene Bogen in abgezählten Paketen von je tauſend ſich leicht verwahren, während feuchte in großen, ungleichen Haufen gehalten und häufig von einem Haufen auf den andern umgelegt werden müſſen. Auch hat ſich erwieſen, daß Trockendruck fünfundzwanzig Procent billiger und weniger anſtrengend als die frühere Weiſe iſt, welche bei den Druckern häufig Brüche erzeugte.

Beim Druck von Schrift, Stereotypplatten oder Holzſchnitten erheben ſich die Buchſtaben und Linien ſo bedeutend über die Ober⸗ fläche, daß ein leichter Druͤck genügt, um ihre geſchwärzte Seite leſerlich auf dem Papier abzudrucken. Allein bei Stahlſtichen ſind die Linien in die Platte vertieft eingeſchnitten, dann mit Farbe ge⸗ füllt, und es iſt ein ungeheurer Druck erforderlich, um das Papier in dieſe feinen Linien hineinzuſtrecken und zu zwängen. Jede Preſſe hier iſt ein Ungeheuer an Kraft. Die zärtliche Umarmung eines Bären iſt im Vergleich nicht mehr als die Berührung einer Fliege. Man lege eine geſchwärzte Platte und einen Papierbogen in ihren Rachen, drehe eine kleine Feder, und das ſtählerne Gebiß kommt herab mit einem Gewichte von ach zehntauſend Centner. Dieſe Kraft wird von dem Potomacfluſſe heraufgepumpt und der Mechanismus beruht auf dem einfachen Satze, daß, wenn man den Druck von zwanzig Centnern(einer Tonne) auf eine kleine Waſſerſäule von einem Zoll Quadrat wirken läßt und dann dieſe Waſſerſäule durch

eine Röhre mit einem Teiche(hier der Potomac) von einer acht⸗ hundert Mal größeren Oberfläche verbindet, man die zwanzig Centner jedem der achthundert Quadratzolle mittheilt und dann das ganze Gewicht auf einen Punkt nicht größer als eine Finger⸗ ſpitze concentriren kann.

Wir kommen in unſerem Umgange nun zum Bronzir⸗ raume, den wir in der Reihenfolge der Proceſſe, denen das Papiergeld von der Papiermühle bis zum Verpacken unterworfen wird, eigentlich hätten früher beſchreiben ſollen, weil das fertige Papier hier zuerſt behandelt wird. Das reine Papier geht näm⸗ lich in dieſem Raume durch eine Hoe'ſche Cylinderpreſſe, worin es mit Druckſchwärze die Figuren, Buchſtaben und Ziffern erhält, welche auf der Vorder⸗ wie auf der Rückſeite der fertigen Note ſpäter glänzen ſollen. Es paſſirt dann durch eine zweite Dampf⸗ preſſe, in der gelbes glänzendes Pulver mittels Bürſten auf die Stellen geſtrichen wird, wo die Bronze erſcheinen ſoll. Dies Pulver klebt auf der naſſen Druckerſchwärze feſt, worauf in derſelben Maſchine andere Bürſten auch die geringſten Partikelchen von Metallſtaub von den übrigen Theilen des Papieres ſorgfältig weg⸗ fegen. Ein eiſerner Rahmen ſtößt dann die Bogen aus und häuft ſie auf. Die Bronze wird aus Kupfer und Zink dargeſtellt. Sie trocknet von ſelbſt und kann nicht verwiſcht werden, ohne die Sub⸗ ſtanz des Papieres zu zerſtören. Die dieſe Preſſen bedienenden Mädchen tragen Hauben von weißem Papier, um ihr Haar gegen die Bronzetheilchen zu ſchützen, die herumfliegen wie Mehl in einer Mahlmühle.

Weiter kommt das Numerirzimmer. Ein Dutzend Mäd⸗ chen ſitzen bei winzigen, durch Tretſchemel in Bewegung geſetzten Maſchinen. Eine ergreift einen Staatsſchuldſchein, man ſieht ihn ſich in ihrer gelenkigen Hand unter dem Stempel hierhin, dahin bewegen, klick klick klick, und ſchneller als das Picken einer Uhr iſt die Nummer 264,720, eine Zahl nach der andern, in Scharlachfarbe auf den Schein ſelbſt und ſeine vierzig Cou⸗

Sie berührt eine Feder und die letzte Ziffer 0 wird durch 1 erſetzt, und wieder verrichten die fleißigen Finger ihr Werk wie zuvor. Das Mädchen an dem nächſten Maſchinchen hat einen Bogen von Zehn⸗Dollars⸗Noten der erſten Nationalbank in Chicago. In der unteren linken Ecke der Note ſteht die Bank⸗ nummer 40, ſie druckt an die obere rechte Ecke die Schatzamts⸗ nummer 270,832. So klicken die thätigen Arbeiterinnen fort und numeriren Millionen von Dollars jeden Tag.

Der intereſſanteſte von allen Räumen aber iſt ohne Frage der Abſchneideraum; hier befinden ſich die Maſchinen zum Durch⸗ und zum Zurechtſchneiden. Ein Bogen mit kleiner Scheidemünze enthält von zwanzig bis fünfzig Scheinen. Die Schneidemaſchinen ſchneiden die Bogen durch, beſchneiden die einzelnen Scheine, zählen dieſelben und legen ſie auf regelmäßige Haufen von Fünfdollars, Zehndollars oder Zwanzigdollars, wie man will. Wenn jeder der erſten ſechs Haufen Zehndollars(oder Zwanzigdollars oder Fünfzig⸗ dollars, wie gewünſcht wird) enthält, dann ſetzt die Maſchine, wenn auf dieſe Nummer geſtellt, eine kleine Schelle in Bewegung, um dieſe Thatſache anzukündigen, bewegt einen Zeiger an einer uhrartig eingerichteten Platte, um die Zahl feſtzuſtellen, und ſetzt dann unmittelbar ihre alte Arbeit des Aufhäufens ꝛc. wieder fort. Es iſt eine wunderbar geheimnißvolle, faſt möchte ich ſagen be⸗ ängſtigende Maſchine. Sie ſchneidet in einer Stunde tauſend Bogen durch, beſchneidet die Maſſe kleiner Scheinchen und häuft ſie auf. Von zwei Mädchen gefüttert, verrichtet ſie die Arbeit von vierzig. Sie vereinigt mit maſchinenmäßiger Genauigkeit faſt menſchliche Intelligenz, und ſie macht nie einen Fehler. Die Hauſen kleiner Noten, wie ſie die Maſchine aufgehäuft, und ohne einer Wieder⸗ zählung unterworfen zu werden, gehen, mit einem Band gebun⸗ den und in Pappſchachteln von je eintauſend bis dreitauſend Dollars verpackt, an das Schatzamt, wo ſie zum Verkehr ausge⸗ geben werden.

Ueberall auf unſerem Umgange ſahen wir Mädchen, welche mit der Hand undurchſchnittene Bogen von Noten, Staatsſchuldſcheinen und Poſtmarken gewöhnlich in Pakete von tauſend zählten. Durch lange Erfahrung erlangen ſie eine wunderbare Gewandtheit. Man bemerkt blos ein verwirrtes Herumfliegen von Blättern, während ſie tauſend Bogen in vier Minuten zählen.

Bei den abgeſchnittenen Noten verrichten dieſe Mädchen mit großer Schnelle eine ſeltſame doppelte geiſtige Operation. Jeder Bogen mit Greenbacks enthält nämlich urſprünglich vier Noten. Jene Maſchine läßt dieſe, nachdem ſie den Bogen zerſchnitten, in vier Kaſten fallen. Da die Greenbacks mit aufeinanderfolgenden Zahlen numerirt ſind, ſo muß nothwendig ihre Ordnung in jedem dieſer Kaſten vier überſpringen. Wäre z. B. die oberſte Note mit 102,640 numerirt, ſo muß die zweite die Zahl 102,644 tragen, und ſo weiter bis zum Ende. Das Mädchen nimmt eine Handvoll dieſer Noten heraus. In einer Gedankenrichtung muß ſie dieſelben in Pakete von je hundert abzählen und ſich zugleich überzeugen, daß die Schatzamtsnummern in gehöriger Reihenfolge kommen. Wollte ſie bei jeder Note die lange Zahl 102,640 ꝛc. wiederholen, ſo würde dies entſetzlich aufhalten. So ſpricht ſie, während ihre Finger über jede Note hinlaufen, zugleich mit dem Abzählen blos die Endziffern der Schatzamtsnummern aus, z. B. 1 0, 2 4, 3 3, 4 2, 5 6, 60 zc. bis zum vollen Hundert. Das Auge kann kaum ihrer Blitzesſchnelle folgen, die nur ſelten für eine Se⸗ cunde unterbrochen wird, um eine an unrechter Stelle liegende Note zurecht zu legen. Sie wird an dieſe eigenthümliche doppelte Zählung ſo gewöhnt, daß ſie nicht mehr im Stande iſt, ein ein⸗ faches Hundert zu zählen, ohne in ihrem Geiſte die beilaufende Nummer zugleich mitzuſchleppen.

Die fertigen Staatsſchuldſcheine gehen an den Regiſtrator; die Nationalbanknoten an den Controleur; Greenbacks und Scheide⸗ münzſcheine an das Schatzamt. Achtundzwanzig Millionen Dollars ſolcher Scheidemünzſcheine ſind im Umlauf und ſie nutzen ſich ſo

pons aufßedruckt.

ſchnell ab, daß jede Woche viermalhunderttauſend neue Dollars aus⸗ gegeben werden. Die abgenutzten werden vernichtet.

Dem Druck⸗ und Gravirbureau gehen täglich von zwei bis Dollars von öffentlichen Werthpapieren durch Es hat im Ganzen für über ſiebentauſend Millionen

mit Ausnahme eines Falles von elfhundert Dollars zu einer Zeit, als die Organiſa⸗