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„Glauben Sie, ich thu's Oberſt auf.
„Nein— aber wenn die Sache ruchbar wird, ſo kann es nicht in Ihrem Intereſſe liegen, wenn man hinzuſetzt: Oberſt La Croix iſt dem flüchtigen Paare mit einer Patrouille begegnet! Es wäre möglich, daß der König Sie früge: ‚weshalb haben Sie die flüchtige Schöne ihren Eltern nicht zurückgebracht, mein Herr Oberſt?““
„Nun ja, mag ſein!“ antwortete der Oberſt,„Sie haben Recht. Aber das iſt meine Sache. Sorgen Sie nur, daß der König Ihnen nicht Dinge ſagt, die ärger lauten. Und nun machen Sie, daß Sie fortkommen— adieu, beau masque!“
Damit warf der Oberſt lachend ſein Pferd herum und ritt davon, der Schönfelder Allee zu. Seine Gensd'armen folg⸗ ten ihm.
„Bei meiner Seele,“ ſagte Wilhelm tiefaufathmend und wie⸗ der auf ſeinen Bock kletternd,„das iſt wunderbar gut gegangen... ich hätt's nun und nimmer geglaubt!“
Auch Menſing nahm ſeinen Platz wieder ein.
„Ich habe zehnfache Todesangſt ausgeſtanden,“ flüſterte Eliſe ihm zu.
„Aber, ich denke, wir haben jetzt alle Gefahr überſtanden,“ ſagte Menſing—„die ſchlimmſte wenigſtens liegt hinter uns. Jetzt vorwärts, Wilhelm, ſo raſch es nur geht!“
Wilhelm ließ ſeine Pferde eilen, ſo gut es bei dem Dunkel der trüben Nacht möglich war.
So wurde bald die Fulda erreicht. Man kam glücklich durch die Fuhrt und ohne weitere Fährlichkeiten bis zum Pachthofe der Mutter Menſing's. Es mochte gegen zwei Uhr ſein, als ſich hinter dem Fourgon die Flügel des Hofthores ſchloſſen.—
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Als der Oberſt. La Croix die Schönfelder Allee erreicht hatte, ließ er ſein Pferd in einen geſtreckten Trab fallen und ritt zur Napoleonshöhe hinauf, auf's Lebhafteſte mit der Begegnung be⸗ ſchäftigt, welche er eben gehabt hatte. Und zwar in der heiterſten Stimmung darüber. Dieſer kecke Lieutenant, der mit der Tochter Boucheporn's bei Nacht und Nebel davon ging, rächte ihn auf's Gründlichſte an ſeinem alten Widerſacher und Feinde. Wie ergötzlich mußte es für ihn ſein, da oben im Schloſſe den Grafen und die
des Dankes wegen?“ lachte der
mit exotiſchen Pflanzen geſchmückte Veſtibul, die Treppen, an deren Fuß zwei Gardes du Corps in ihrem theatraliſchen, mit Gold bedeckten Coſtüme Wache ſtanden, hinauf, durch die Gruppen ge⸗ ſchäftiger Dienerſchaft, an den Feſtſälen vorüber und in den obern Stock empor, in die Zimmer, welche Graf Boncheporn dort zu ſeinem Aexger ihm hatte einräumen müſſen.
Sein Kammerdiener erwartete ihn. Er hatte Alles, was zum Ballanzuge des Oberſten gehörte, zurecht gelegt.
„Wie ſpät iſt es, Jean? ich glaube, wir müſſen uns ſputen,“ rief der Oberſt eintretend aus.
„Es iſt ein Viertel nach Zwölf, Herr Oberſt,“ antwortete der Kammerdiener.„Sie kommen alſo noch immer ſrüh genug zum Souper, das um ein Uhr für die Damen und um halb zwei für die Herren beginnen wird.“
„Und wie iſt das Feſt?“
„Im höchſten Grade animirt,“ antwortete Jean, eben damit beſchäftigt, die Reiterſtiefel des Oberſten auszuziehen,„der König hat noch kein ſchöneres, glänzenderes gegeben, höre ich,— die Masken ſollen ganz ausgezeichnet ſchön und reich ſein. Hier ſind die Ballſchuhe und hier die ſeidenen Strümpfe. Majeſtät trägt nur einen roſaſeidenen Domino. Der Herr Oberſt haben ſich für Ihren Dienſt wahrhaft aufgeopfert, daß Sie unterdeß draußen in dem abſcheulichen Wetter umhergeritten ſind!“
„Was willſt Du, Jean Dienſt iſt Dienſt und außerdem — gieb mir den Schuhlöffel außerdem hatte ich beſondere Ver anlaſſung, einmal ſelbſt ein wenig zu vigiliren und zu ſehen, ob die Poſten auf dem Qui vive! ſind. Es war mir da eine kleine anonyme Warnung zugekommen.... wegen des Schatzes, weißt Du, Jean, der noch immer irgendwo hier auf der Napoleonshöhe verborgen ſein muß, weil alle unſere Informationen dahin gehen, daß ihn der Kurfürſt nicht mitgenommen hat...“
„Ich weiß, ich weiß,“ ſagte Jean aufhorchend.„Der Herr Oberſt haben ja geſchworen, ſich die hunderttauſend Franken, die auf die Entdeckung geſetzt ſind, nicht entgehen zu laſſen zum Troſte gewiſſer ungeduldiger Leute in Paxis...“
„Ach, das Geſindel kann warten!“ ſagte der Oberſt,„aber die Hunderttauſend will ich ma foi verdienen 4
„Und eine anonyme Warnung war Ihnen wegen des Schatzes zugegangen?“
„Eine Andeutung, daß er juſt in dieſer Nacht entführt wer⸗
Gräfin in vollſter Heiterkeit zu erblicken, ganz dem Vergnügen und den ſolle.. 6— dem Genuß des Augenblicks hingegeben, ohne eine Ahnung davon,„Ah!“ machte der Kammerdiener, ſeinem Herrn den Frack mit
daß unter den vielen Hundert Masken, welche in den Sälen durch⸗ einander wirbelten, Comteſſe Julie nicht mehr ſei, daß unter den vielen Griechencoſtumen, die ſicherlich nicht fehlen würden, nicht einer dieſer rothen goldgeſtickten Fez das braune lockige Haupt ihres koketten Töchterchens bedecke! Und welche Scene mußte es ſpäter, wenn Alles ſich demaskirte, geben... wenn Comteſſe Julie fehlte, wenn Graf und Gräfin durch die Menge irren würden, verge⸗ bens das theure Haupt, welches ihnen fehlte, ſuchend! Welches Aufſehen, welche Bewegung, welcher Scandal! Es war doch ein wenig leichtſinnig und unüberlegt gehandelt von dieſem deutſchen Lieutenant, ſeine Geliebte juſt von einem Maskenball bei Hofe zu entführen! Freilich, eine vortreffliche Gelegenheit, um unerkannt mit ihr zu entkommen, mochte es geweſen ſein— dafür mußte aber auch der Lärm, welcher darüber entſtand, hundert Mal größer
werden. Man war an König Jerôme's Hof an ſtarke Dinge ge⸗ wöhnt. Es waren tollere Liebesabenteuer da vorgekommen, und
gegen die Verführungen der Leidenſghaft wußte man Nachſicht zu
üben. Doch wer wußte, ob der König nicht dieſen Streich, der auf ſeinem Balle ausgeführt, zu dem ſein Feſt wenigſtens benutzt worden, deſto ernſthafter, wohl am Ende gar als eine perſönliche Beleidigung nahm und den Lieutenant ſehr ſchwer die Folgen ſeiner Verwegenheit fühlen ließ?
Aber was ging das Alles den Oberſten an— er hatte nur Urſache, ſich recht herzlich darüber zu freuen, und das that er aus dem Grunde ſeiner Seele, und wäre es nicht Nacht geweſen, man hätte die Schadenfreude aus ſeinen Augen leuchten ſehen können, wie er jetzt trotz der Dunkelheit raſchen Trabes durch die Schön⸗ felder Allee dahinritt. 4
hAls er vor dem Schloſſe oben angekommen war, ſprang er aus dem Sattel, gab ſein Pferd einem ſeiner Leute, damit dieſer es in den Marſtall führe, und entließ die Gensd'armen.
7 Er eilte alsdann in's Schloß, durch das hell erleuchtete,
dem Stern der Weſtfäliſchen Eichenkrone und dem Kreuz der Ehren legion reichend.
„Anfangs,“ fuhr der Oberſt fort,„hielt ich die Sache für einen ſchlechten Spaß, eine Myſtification, um mich vom Ball fern zu halten,— dann dacht' ich ſpäter, es ſei doch leichtſinnig, gar kein Gewicht darauf zu legen, und ſo ließ ich mich denn hinaus locken
. und ma foi, Jean, auch nicht ganz umſonſt...“
„Wie, Sie haben doch nicht den Schatz aufgefangen, Herr Oberſt?“ rief Jean, ſeinem Herrn in den Frack helfend, aus.
Der Oberſt antwortete nicht. Er reckte die Arme, um den Frack auf die Achſeln zu ziehen, dabei aber blickte er, als ob ihn etwas plötzlich ſtutzig gemacht, ſtarr vor ſich hin.
„Wunderlich!“ murmelte er für ſich.„Der Lientenant ver⸗ ſicherte mich, die junge Boucheporn habe das Billet geſchrieben oder ſchreiben laſſen,— aber wenn ſie mit ihm in dieſer Nacht durch gehen wollte, ſo war es doch gegen ihr Intereſſe, mich in dieſer ſelben Nacht in den Sattel zu bringen! C'est drôle! Vielleicht war die Flucht damals, als ſie ſchrieb, noch nicht beſchloſſen! So
muß es ſein!“
Der Oberſt legte die letzte Hand an ſeine Toilette, ließ ſich von Jean ein parfümirtes Taſchentuch reichen, einen ſchwarzſeidenen Domino an die Schultern befeſtigen und eilte davon, auf den Maskenball zu gelangen.
Er war an ſolche Feſte zu ſehr gewöhnt, um ſich lange mit der Bewunderung des glänzenden Schauſpiels, das ihn umfing, als er den erſten Saal betreten, aufzuhalten. Er ſchritt durch das wogende Gedränge dem Saale zu, worin ſich die königlichen: Herrſchaften aufhielten, um ſich in der Nähe der Majeſtät zu be⸗ finden, falls dieſe ſeine Abweſenheit bemerkt haben ſollte und die Gnade haben würde, ihn deshalb zu interpelliren. Aber es ſchien nicht, daß er durch ſeine Abweſenheit„geglänzt“ hatte. König Jerôme flatterte in ſeinem roſafarbenen„Flügelkleide“ viel zu be⸗
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