Jahrgang 
4 (1868)
Seite
50
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Wilhelm konnte ſeine Pferde auf dem ebenen Boden in den raſcheſten

Trab fallen laſſen; kein Raſſeln und kein Geklirr und kein Huf⸗

ſchlag verrieth die eilige Fahrt. So war das Luſtſchloß in einer Zeit erreicht, welche in Folge der Spannung, in der ſich die drei den Wagen begleitenden Perſonen befanden, ihnen nur noch kürzer erſchien.

In der Nähe des kleinen Schloſſes führte ein Weg aus der Allee, der ſich in die Felder hineinſchlug, rechts ab. Das Dunkel der Nacht hatte ſich ein wenig gelichtet. Der Wind trieb die Regen⸗ wolken an der eben ſichtbar werdenden Mondſichel vorüber. Mit Hülfe dieſes Lichtes fand Wilhelm die Abzweigung dieſes Weges ohne Schwierigkeit, er zog die Zügel an und lenkte hinein, ohne die Hülfe der Laterne zu gebrauchen, die Menſing hervorholen wollte.

Sie blendet mich nur durch den Widerſchein, ſagte er, bis zur neuen Mühle finde ich den Weg, auch wenn es noch dunkler wäre. Jenſeits der Fulda aber bin ich nicht mehr ſo ſicher Sie werden dann ſchon abſteigen und mit der Laterne voraufſchreiten müſſen...

Das will ich gern, ſag' mir's nur, ſobald Du's wünſcheſt

wenn wir nur erſt die Strecke hinter der Mühle glücklich hinter uns hätten; in der Gegend, wo der Pachthof meiner Mutter liegt, kenn ich die Wege ganz genau.

Still, flüſterte Eliſe,hören Sie nicht etwas?

Ich höve nichts!

Und ich ein Geräuſch wie Hufſchlag!

Das wäre verdächtig Wilhelm, halt einmal! rief Menſing aus.

Wilhelm, der bereits eine Strecke weit dem Feldweg nach⸗ gefahren war, hielt an.

Alle Drei lauſchten.

Es iſt erſtorben aber ich hörte es deutlich, flüſterte Eliſe.

Wo! 4

Ich weiß das nicht genau, ich denke, vor uns.

Soll ich weiter fahren? fragte Wilhelm.

Nur immer zu!

Wilhelm trieb ſein Geſpann an, der Wagen nollte mit mäßi⸗ gem Geraſſel auf den weichen Wegen weiter; nur zuweilen wurde ein Klirren und Stoßen laut, wenn der Wagen aus einem Geleiſe iws andere fiel oder einen Feldſtein berührte.

Halt, um Gotteswillen! rief Eliſe plötzlich aus, ihre Hand auf die Schulter des vor ihr ſitzenden Wilhelm Momberg legend.

Dieſer hatte bereits die Zügel angezogen und Menſing war im ſelben Augenblick aufgefahren.

Das Geräuſch, welches Eliſen erſchreckt hatte, war zu gleicher

Zeit von allen Dreien vernommen worden. Es war der Hufſchlag

ſchreitender Pferde, die eben in Trab zu fallen begannen.

Das Geräuſch war vor ihnen, es war keinen Augenblick zu zweifeln, mehrere Reiter kamen ihnen entgegen es war eine der gefürchteten Gensd'armerie⸗Patrouillen, was konnte es anders ſein?

Soll ich querfeldein? fragte Wilhelm raſch.

Nein, rief Menſing,wenn wir auch noch Zeit hätten, aus ihrem Geſichtskreiſe zu kommen, ſo würden ſie uns immer noch hören können. Alſo nur vorwärts, nur ruhig vorwärts, fahr' Schritt.

Wilhelm fuhr weiter; Eliſe faltete in ihrer Angſt krampf⸗ haft die Hände und ſprach ein Stoßgebet.

Mein Gott, die Maske, die Maske, Eliſe! rief Menſing aus,verlieren Sie den Kopf nicht jetzt, nur jetzt nicht!

Während man die Reiter näher und näher kommen hörte, fuhr Eliſe mit der zitternden Hand unter ihren Mantel und zog eine Maske darunter hervor; Menſing half dem geängſtigten Mädchen, ſie vor ihrem Geſichte zu befeſtigen.

Noch einige Minuten und aus dem Dunkel vor ihnen tauchte die Geſtalt eines Reiters auf, dann zwei, dann noch einer...

Im nächſten Augenblick war der Wagen erreicht, der vorderſte Reiter hielt ſein Pferd an und rief ein gebieteriſches:

Halte la Halt!... Wer ſeid Ihr?

Königlicher Fourgon! verſetzte Wilhelm laut, während Menſing Eliſen zuraunte:.

Es iſt der Oberſt ſelbſt Gott Lob Alles wird gut gehen!

Die andern Reiter hielten neben dem erſten.

Ein königlicher Fourgon... ſchrie jetzt der Oberſt La Croix,Vertubleue... hier auf den Feldern?... in der Nacht? Du lügſt, verdammter Schlingel...

Es iſt ein Marſtall⸗Fourgon! ſagte einer der Gensd'armen, der um den Wagen herumgeritten war.

Aber verdammt verdächtig, brummte der Oberſt;Du ſteigſt ab, Burſche, und die Perſonen da vorn ebenfalls,ich will wiſſen, was in dem Wagen iſt, er muß geöffnet werden.. 85

In dieſem Augenblick ſprang Menſing von dem Vorderſitz, unter deſſen Verdeck es zu dunkel war, als daß er hätte vom Oberſten erkannt werden können, auf den Boden. Er näherte ſich dem Oberſten und, die Hand auf den Hals ſeines Pferdes legend, flüſterte er ihm zu:

Oberſt La Croix, ich bin es, der Lieutenant Menſing

Wer?! Was Teufel?... Sie, Lieutenant Menſing?

Ich! Darf ich Sie um eine kleine Unterredung abſeits vom Wege bitten?

Tudieu was hat das zu bedeuten? Eine Unterredung abſeits vom Wege?

Ein paar Schritte hierher... um...

Der Oberſt lenkte ſein Pferd ein paar Schritte weit auf das nächſte Stoppelfeld.

Nun, alſo? ſagte er hier anhaltend,heraus damit... wie kommen Sie hierher, wie kommt der Marſtall⸗Fourgon hier⸗ her, und was iſt darin?

Drin iſt Bettzeug für das Schloß Schönfeld es ſoll Ihnen gezeigt werden, wenn Sie darauf beſtehen; das iſt aber nur hineingeworfen, um den oſtenſibeln Vorwand für die Fahrt zu bieten. Der eigentliche Zweck derſelben iſt ein anderer er iſt der, eine Dame, eine Dame, die Sie ſich in die Ecke des Vorder⸗ ſitzes drücken ſehen und deren Name nicht zur Sache gehört, zu entführen...

Eine Dame was Teufel die Sie entführen, Menſing?

Ich verlaſſe mich auf Ihre Loyalität, Obriſt La Croix... und bitte Sie flehentlich, der Dame die Angſt und die peinigende Situation, worin ſie ſich in dieſem Augenblicke beſindet, abzukürzen; die Beſchämung, von Ihren Reitern angeſtarrt und gemuſtert zu werden... ſeien Sie ritterlich, Oberſt!

Aber, Menſing, Sie ſind ja ein Teufelskerl! Ritterlich? Gewiß, ſo viel es der Dienſt zuläßt. Wer iſt die Dame? Verſtatten Sie mir, den Namen zu verſchweigen. Genug,

ich bitte dringend dar⸗

wenn ich Ihnen ſage, daß ich nur ſo hoffen durfte, ihre Hand zu⸗

gewinnen, und daß ich ſie in dieſer Nacht zu meiner Mutter bringe, die ihr ein Afyl geben wird, zeihung der Eltern anflehen werden... wir haben den Masken⸗ ball auf dem Schloſſe benutzt, um ungehindert zu entfliehen; die Dame iſt noch in der Maske, die ſie auf dem Balle trug.

Ein vollſtändiger Roman alſo! rief der Oberſt lachend aus, und dabei warf er ſein Pferd herum und war im nächſten Augenblick dicht neben dem Vorderſitz des Fourgons.

Brigadier, rief er dabei,kommen Sie heran, ſteigen Sie ab.

Einer der Gensd'armen warf ſich aus dem Sattel.

Nehmen Sie die Blendlaterne, die da in der Ecke ſteht, öffnen Sie ſie und leuchten Sie damit; ich möchte dieſe Dame hier ſehen! Madame, wandte er ſich dann an Eliſe,ich hoffe, Sie halten meinem Dienſteifer dieſe kleine Indiscretion zu Gute.

Der Brigadier hatte mit dem Arm Fourgons gelangt und die Laterne, die

in den Vordertheil des

ſie ſo, daß der volle Schein auf die Geſtalt Eliſens fiel.

Maskirt... in der That... ſagte der Oberſt,als Griechin maskirt... ah... ſchöne Maske, ich kenne Dich!!! ſetzte er plötzlich hellauflachend hinzu...Lieutenant Menſing,

ich wünſche Ihnen Glück... dacht' ich mir's doch gleich! Vor⸗

trefflich, vortrefflich... fahren Sie zu, in's Teufels Namen der Wagen kann fahren, Leute... Lieutenant, ich eile von hier auf den Ball... dort werde ich Ihren Schwiegervater von Ihnen

von wo aus wir die Ver⸗

ſich durch einen ſchwachen Schimmer verrathen hatte, ergriffen. Er öffnete ſie jetzt und erhob

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grüßen.. 2

Oberſt rief Menſing aus,das werden Sie nicht thun

es würde Ihnen einen ſchlachten Dank bringen... 4

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