Jahrgang 
4 (1868)
Seite
52
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ð zur andern, hatte bald dieſe, bald jene

bald hier bald dort eine pitante Neckerei V

ſchäftigt von einer Dame reizende Maske am Arm, zu erwidern er kümmerte ſich heute ſehr wenig um ſeine Gensd'armerie⸗Officiere. Die Königin Katharine ſaß, von einigen alteren Dainen umgeben, in einem blau ausgeſchlagenen Bondoir hinter dem Thronſaal, um vom Tanzen auszuruhen.

So hatte der Oberſt nichts Beſſeres zu thun, als die Zeit bis zum Souper, nach welchem ſein durch den nächtlichen Ritt geſteigerter Appetit ſich ſehnte, dadurch auszufüllen, daß er ſeiner⸗ ſeits begann eine der Masken zu intriguiren. Aber eben begann vie Muſik zu einem neuen Tanze, dem letzten vor der allgemei⸗ nen Demastirung; die Masken ſtrömten dazu in dem vordern Saal zuſammen Oberſt La Croix folgte dahin und ſah die Paare antreten.

Dabei ſiel ſein Blick auf eine reich coſtumirte, höchſt graciöſe Griechin, die den kleinen Kopf mit einem Uebermuth umherwarf, daß ſie höchſt lebhaft an Comteſſe Julie Boucheporn erinnerte. Auch die Geſtalt war dieſelbe.

Tudieu! murmelte der Oberſt,das iſt doch nicht... ah bah, wie wäre das möglich! Dabei eilte er in die Nähe der ſchönen Griechin zu kommen.

Als er ſich bis zu dem Platze hinter ihr durchgedrängt hatte, reichte ihe eben ihr Tanzpartner, ein hochgewachſener Bergſchotte, die Hand, um ſie in die Verſchlingungen des beginnenden Tanzes zu führen.

Je angeſtrengter aber die Blicke des Oberſten ihr folgten, deſto beunruhigender wurde ihm die ganze Erſcheinung der jungen Dame ihr ganzes Weſen legte eine merkwürdige Aehnlichkeit mit dem der Comteſſe Julie Boucheporn an den Tag.

Zum Teufel, ſagte er ſich,das muß ſie ſein und kann es doch nicht ſein oder...

Sie kehrte aus dem Tanze zu ihrem Platz zurück; dabei blitzte ſie aus den Augenlöchern ihrer Maske mit ihren braunen

es amtlich, ich fordere es im Dienſte des Königs! ſchrie der

Augenſternen den Oberſten an und ſagte lachend:

Wenn Sie auch nicht maskirt ſind, mein Herr Oberſt, treten Sie doch in einer Rolle auf in der als Ogre! Sie verzehren mieh ja mit Ihren Blicken!

Comteſſe Julie de Boucheporn! ſchrie wie elektriſirt vom Klange dieſer Stimme, welche die ſchöne Griechin ſich nicht die Mühe gegeben hatte zu verſtellen, der Oberſt auf,ſind Sie's oder iſt's ein Blendwerk der Hölle? Laſſen Sie mich Ihr Geſicht ſehen, nehmen Sie die Maske ab, die Maske fort...

Damit ſtreckte er die Hand aus, wie um die Maske zu erfaſſen.

Oberſt La Croix, ſagte zornig der Bergſchotte, ihm in den Arm fallend,Sie vergeſſen, wo Sie ſind...

Ich vergeſſe nichts, nehmen Sie die Maske ab, ich verlange Oberſt ganz außer ſich.

Herr, rief der Schotte zwiſchen ihn und die Griechin tretend,ich werde nicht dulden, daß.. 85

Um Gotteswillen, es wird ja Alles aufmerkſam auf uns, rief die Griechin dazwiſchen,ich will lieber die Maske abnehmen.

Sie löſte die Maske von ihrem Geſichte, und zornig den Oberſten anſchauend ſagte ſie:Nun ſehen Sie mich! Was wollen Sie von mir, Oberſt La Croix?

Es war Comteſſe Julie de Boucheporn.

Ich bin betrogen, knirſchte in höchſter Wuth der Oberſt mit den Zähnen,Höll' und Teufel betrogen!

Damit wandte er ſich und ſtürzte davon, durch die Säle, die Treppe hinauf, in ſeine Wohnung zurück.

Jean war nicht mehr da aber die Lichter brannten noch. Der Oberſt riß ſich den Domino ab, nahm ſeinen Säbel, ſeinen Mantel, ſeine Feldmütze und ſtürzte wieder hinaus.

Wenige Minuten nachher war er unten im Zimmer der Ordonnanzen; die Leute waren durch das Feſt wach erhalten; er

gab ihnen einige raſche Befehle und dann ſtürmte er in den Marſtall, um ſich mit Hülfe der Stallwache ſelber ein Pferd zu ſatteln. (Fortſetzung folgt.)

Skizzen aus dem Land- und Jägerleben.

Wort und Bild von Ludwig Beckmann. 2. Das Deputatſtück.

Vor längeren Jahren erhielt ich einſt ganz unerwartet von einem befreundeten Forſtbeamten eine Einladung zum Pürſchen ſeinesdäesjährigen Deputatſt ückes. Unter dieſer etwas zopfigen Bezeichnung verſtand man in dortiger Gegend ein Stück Wild, deſſen Abſchuß für eigene Verwerthung den Grünröcken vom Oberjagdamte alljährlich ein oder mehrere Male geſtattet wurde, je nachdem der Beſtand der Wildbahn dies erlaubte. Selbſtver⸗ ſtändlich wurden für dieſen Zweck eben keine Capitalhirſche ange⸗ wieſen und es ging ſelten über einen Spießer oder ein Geltthier, beim Schwarzwilde über einen Ueberläufer hinaus. Da aber der Abſchuß dieſer Deputatſtücke in der Regel mit irgend einem klei⸗ nen Familienf te in Verbindung gebracht wurde, ſo amüſirte man ſich in befreundeten Kreiſen bei ſolchen Gelegenheiten weit beſſer, als auf den großen Hofjagden, welche nach der Anſicht mancher Jäger doch immerKrähenbeine haben. Und wie freute ich mich darauf, die altbekannten Reviere mit ihren ernſten, prächtigen Hochwäldern und den luſtig grünen Tannendickungen, das ſtille Förſterhaus am Eichenkamp mit ſeinen lieben Bewohnern nach jahrelanger Abweſenheit einmal wieder zu ſehen!

Am feſtgeſetzten Tage ſchritt ich daher wohlgemuth mit der Pürſchbüchſe im Lederfutteral über der Schulter dem Poſt⸗ hauſe zu und rumpelte bald als einziger Inſaſſe einer gelblackir⸗ ten ſogenanntenBeichaiſe Thurn und Taxis'ſchen Angedenkens, zum Städlchen hinaus. Nachmittags zwei Uhr war ich am Ziele, d. h. am Ziele meiner Poſtfahrt. Hier erwartete mich mein alter Freund, der Revierförſter, mit ſeinem flotten, offenen Jagdwägelchen, und nach einer dreiſtündigen luſtigen Fahrt, zum Theil durch herr⸗ lichen Buchenhochwald, erblickten wir am Ausgange einer Schonung junger Edeltannen die Baumkronen des Eichenkampes, unter denen das Forſthaus mit ſeinen Nebengebäuden und Stallungen, rings von einer koloſſalen Bruchſteinmauer umſchloſſen, lag.

In dem kleinen, von einer niedrigen Tarushecke eingerahmten Blumengärtchen vor dem Wohnhauſe blühten noch Georginen und

Aſtern in voller Pracht, und die Damen des Hauſes, Mutter und zwei Töchter, waren emſig beſchäftigt, die letzten Kinder der Flora in mächtige Sträuße zu binden, um ſie nicht dem tückiſchen Nacht⸗ froſt zur Beute werden zu laſſen, als ſie uns bemerkten und uns freudig entgegenkamen, die jungen Mädchen, zwei reizende Erſchei⸗ nungen. Gemüthlich ſaßen wir nach dem Abendeſſen noch ein paar Stunden beiſammen und plauderten bei einem Glaſe Punſch von vergangenen Zeiten, ſo daß ich erſt ſpät mein Bett auſſuchte. Mitten in der Nacht aber ward ich durch ein eigenthümlich hohles Sauſen erweckt. Es war der Nordweſtwind, welcher hoch oben durch die Wipfel der alten Eichen brauſte, unter denen das Forſt⸗ haus lag. Gegen Morgen legte ſich der Sturm, dafür klatſchten wahrer Landregen herein, der allem Anſchein nach ein paar Tage anhalten konnte. Nach dem Frühſtück bewaffnete ich mich zunächſt mit einem rothen Familienregenſchirm und ein paar rieſigen Holzſchuhen, welche ich auf der Hausflur vorfand, und ſchritt über den in einen See ver⸗ wandelten Hoſplatz, um die verſchiedenen Stallungen zu beſichtigen und dann meine alten Bekannten aufzuſuchen, mit ſeinen fürſtlichen Schweißhunden; auch dem Pferdeſtalle hatte zu den Kuh⸗ und Schweineſtällen begeben, als Max, der jüngſte Sohn des Förſters, gelaufen kam und mich ſragte, ob ich viel⸗ leicht Herrn Müller's Schuhe und Negenſchirm von der Hausflur genommen, Herr Müller wolle ſeinen Morgenſpaziergang machen und Herr Müller ſuche ſeine Sachen vergebens im ganzen Hauſe.

Ich erfuhr alsdann beiläufig, daß beſagter Herr Müller als Hauslehrer iin Forſthauſe fungire, und beeilte mich ihm ſein Eigenthum wieder einzuhändigen. zwiſchen ſeine Morgenpromenade bereits angetreten. zeigte mir ihn vom Fenſter aus, wie er, in einen Mackintoſh

einzelne ſchwere Tropfen an die Fenſterſcheiben und bald brach ein

An Jagd war alſo vorläufig nicht zu denken.

den Hundezwinger

ich bereits meinen Beſuch abgeſtattet und wollte mich eben auch

Leider hatte Herr Müller in⸗ Der Förſter

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