Jahrgang 
3 (1868)
Seite
36
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der Hand waren, ihm die Sache aufzuklären, ihm die Quelle, aus des Schloſſes zurückgezogen. Dort war Licht und Wärme und welcher das Billet kam, zu enthüllen, ihm den Maskenanzug, den Glanz, die Herrlichkeit eines Zauberfeſtes in einem Feenſchloß die Comteſſe tragen wird, zu verrathen glauben Sie nicht, daß draußen war nichts als Kälte und Näſſe, Laternen, die trübe im ihn das ſtutzig machen wird? Winde flackerten, und dann und wann ein Hall der rauſchenden Er wird es für veutſche Gutmüthigleit, für kindiſche Ehrlich⸗ Muſik, die mit ihren Tonwellen die Säle erfüllte und zuweilen keit halten.. wie ein Strom, der ſein Bett überfluthet, in gedämpften Klängen Eliſe ſchüttelte den Kopf und Steitz blickte ebenfalls, als ob hinausſchwoll in die ſtille brütende Nacht. ſein erſter Schrecken noch nicht beruhigt ſei. Menſing ſagte des⸗ Die Glocke der Schloßuhr gab elf Schläge, die weithin durch halb nach einer Pauſe: den ſchweigend daliegenden Park nachhallten. Sollen wir eine andere Nacht wählen? In dieſem Augenblicke wurden in einem hinter dem Mar⸗ Brethauer und Mann haben mir ihre Hülfe gerade für ſtall liegenden Remiſengebäude zwei Flügel eines Thores auf⸗

dieſe zugeſagt, antwortete Steitz. geſchoben; gleich darauf kam ein mit zwei Pferden beſpannter

Und für dieſelbe Nacht hält ſich meine Mutter in Bereit⸗ Fourgon langſam daraus hervorgefahren. Er nahm die Richtung

ſchaft, uns zu empfangen, ſiel Menſing ein,ich bin gegen ein nach der Wohnung des Inſpectors Steitz.

Aufſchieben, das uns unheilvoll werden könnte. Vor derſelben hielt er. Der Mann, der ihn führte, ſprang Wenn Sie, ſagte Eliſe,vielleicht ſo viel über Comteſſe vom Bock ab, ging die an der Hinterſeite des Fourgons an⸗

Zulie vermöchten, daß ſie dem Oberſten auf irgend eine Weiſe gebrachte Thüre aufzuſchließen, und zu gleicher Zeit traten zwei beſtätigte, was Sie ihm milgetheilt... Geſtalten aus der Wohnung des Inſpectors hervor, die mit Menſing machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand. Gegenſtänden beladen waren... der Führer des Fourgons nahm Nein, nein, rief er aus,ich kann Comteſſe Julie nichts ſie ihnen ab und warf ſie leicht in ſeinen Wagen es waren darüber ſagen, ohne ſie in das Geheimniß zu ziehen, und das iſt Bettkiſſen und Decken. viel zu gefährlich! Ich habe einen beſſeren Plan, uns zu retten, Während er die Thür wieder ſchloß, kletterte die eine der falls dieſer abſcheuliche Spaß der Comteſſe uns dennoch den Geſtalten, eine weibliche, raſch und behende auf den vorn am Oberſten auf den Hals zöge! Sie, Eliſe, Sie ſind es, die vabei Fourgon angebrachten verdeckten Sitz... die andere, ein Mann, helfen muß. holte aus dem Hausgange eine Blendlaterne hervor, reichte ſie

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Ich? Was ſoll ich thun? dem Führer und flüſterte: Ihre kunſtfertigen Hände rühren... Sie ſollen ſich dasJetzt um das Bowlinggreen herum, Wilhelm, Du weißt.. 4 1. 3.: 4 5 3** 9 2. 1 Coſtum einer Griechin machen können Sie das bis morgen Damit verſchwand er in der Dunkelheit. Wilhelm aber barg Abend? die Laterne neben Eliſens Sitz, ſchwang ſich auf den Bock und fuhr Gewiß! Ick brauche nur dieſe Nacht ein wenig zu ülfe langſam, faſt unhörbar über den weichen Kies der Pfade davon . 1 7 5 7 1 2 4 1Sen 1. 7. u nehmen... in einem weiten Umkreiſe, der ihn Anfangs vom Schloſſe entfernie, 2 3.. A 5 5ln.. Wohl denn, ſo eile ich in die Stadt, Ihnen zu holen, was dann auf der anderen Seite wieder näher brachte. So kam er an Sie dazu bedürfen. Sagen Sie mir es. vie Außenſeite des linken Flügels des Schloſſes. Aber erklären Sie, wozu? Hier war Alles ſtill und dunkel. Nur einige der Feuſter )

71.5

Sie ſollen uns in dieſem Coſtume begleiten, in dieſem oben waren erleuchtet und warfen ihren Schimmer auf den näch⸗

Coſtume eine Rolle ſpielen, wenn es nöthig iſt... Der Oberſt ſten Raſengrund.

La Croix mag uns daun begegnen, uns erwiſchen, ich ſtehe Ihnen Im Duntel lag die große Freitreppe da. dafür, daß er uns ungehindert durchläßt ich ſage Ihnen ſpäter V Zur Seite der Freitreppe, dicht an der Mauer des Schloß⸗ Alles, geben Sie mir nur raſch an, was Sie bedürfen erſtens flügels aber nahm Wilhelm, noch ehe er anhielt, vier ſich raſch eine Geſichtsmaske, dann Goldtreſſen wie viel Ellen? bewegende Geſtalten wahr; ſie ſtanden inmitten kleiner Hauſen von

Eliſe gab die Gegenſtände und das Maß derſelben an, deren Mauerſchutt, ſie bückten ſich und in dem Augenblick, wo Wilhelm

ſie bedurfte, um ſich einen Anzug ungefähr ſo, wie ihn Comteſſe hielt und eilte, ſeinen Fourgon wieder aufzuſchließen, trugen zwei Julie beſtellt hatte, wenn auch einfacher und weniger koſtbar, zu von ihnen eine dem Anſcheine nach ſehr ſchwere rleine Kiſte her⸗

verfertigen.

bei; zwei Andere es waren Menſing und Steitz, der von ſeiner Menſing hatte Alles raſch in ſein Taſchenbuch eingezeichnet Wohnung quer über das Bowlinggreen dem Fourgon vorausgeeilt

und eilte dann fort, der Stadt zu, während Eliſe ging, ihrem war brachten eine zweite. Wilhelm half die koſtbare Laſt im

eigenen Kleidervorrath diejenigen Sachen zu entnehmen, die ſie fjr Innern des Wagens bergen; bald waren vier größere ſchwere und

ihre Arbeit verwenden konnte. drei kleinere Kiſten in den Fourgon geſchoben, die Kiſſen und

DSDSccken darüber gepackt und die Thüre wieder zugeſchlagen. Wilhelm

3. zog dann den Schlüſſel ab, den er ſorgfältig zu ſich ſteckte, und

Die Nacht vom 21. auf den 22. November des Jahres 1808, eilte zum Bock.

die für unſere Freunde ſo verhängnißvolle Nacht, war gekommen. VNun vorwärts und geleite Euch Gott! flüſterte Steitz tief Das SchloßNapoleonshöhe ſtrahlte in vollem Lichtglanze; bewegt..

den Weg zur Stadt hinab erhellten zahlloſe Flammen und zwiſchenEr wird uns geleiten Adien, Steitz zum Abſchied⸗

den Lichterzeilen herauf waren die Eqnipagen gerollt, welche König nehmen iſt nicht Zeit flüſterte Menſing zurück und ſchwang ſich

Jerôme's Gäſte zu König Jerôme's Carnevalfeſte gebracht hatten. V in den vorn augebrachten Sitz neben Eliſe.Fort, Wilhelm! Alles Leben, alle Bewegung aber hatte ſich kängſt aus dem Die Pferde zogen an, der Wagen rollte fort.

Dunkel der regneriſchen und ſtürmiſchen Nacht draußen in's Innere(Fortſetzung folgt.)

ZIum lezten Mal.

Es giebt unverwüſtliche Geſchichtsbilder, welche ewig friſch und unſeren Leſern hier deſſen weniger bekannte Kindheit und Jugend

ergreifend zu unſerem Herzen ſprechen, wie oft ſie uns auch vor⸗ bis zu ſeinem Scheiden von Mutter und Heimath vor und be⸗ geführt werden. Ein ſolches Geſchichtsbild iſt das des letzten Hohen⸗ nutzen dazu als Quelle Wilhelm Zim mermannsHohen⸗

ſtaufen, des blonden Jünglings Konradin von Schwaben. Die ſtaufen(Stuttgart, bei Rieger), ein treffliches Werk, das wir

hingeſchlachtete Jugend⸗ und der blutige Untergang des glorreichſten allen Freunden vaterländiſcher Geſchichte auf das Wärmſte empfehlen hing hich

veutſchen Kaiſerhauſes vereinigen ſich zu ſeiner Verherrlichung. können. Da die Gartenlaube Konradin's Kampf und Ende in geſchicht⸗ Konradin ſteht wie ein einſamer, zum erſten Mal blühender licher Ausführlichkeit(1859, Nr. 51) bei der bildlichen Mittheilung junger Baumt nee⸗. den nee Heuren Ruiven ſeines Hauſes. Am

des Deukmals dargeſtellt hat, welches im Jahr 1847 vom damali 25. März 1252, ferne von ſeinem Vater, dem letzten deutſcher gen Kronprinzen Max von Baiern dem unglücklichen Konradin vor Hohenſtaufen⸗König, Konrad dem Vierten, geboren, nach zwei Jahre der Carmelitertirche in Neapel geſetzt worden iſt, ſo führen wir verwaiſt, hatte er ſeine Kindheit bei ſeiner Mutter zu Donauwörtl

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