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art nicht! ‚Die morgige Nacht’— das iſt ebenfalls nicht reines Deutſch— man ſagt die folgende, die nächſte Nacht!“
„In der That? Sie glauben alſo, daß eine Franzöſin es geſchrieben hat, ſo gut ſie es vermochte, ihre franzöſiſchen Sätze in’s Deutſche überſetzend?“
Menſing überblickte noch einmal das Billet.
„Ich glaube,“ ſagte er,„daß eine Deutſche und zwar eine Deutſche, welche im Schreiben nicht ſehr geübt iſt...“
„Das ſieht man freilich,“ fiel der Oberſt ein,„es iſt ſchief und gar nicht ſchön geſchrieben!“
„Alſo, ¹ fuhr Menſing fort,„eine Deutſche es geſchrieben hat, wie eine Franzöſin es dictirte!“
„Ah,“ machte der Oberſt,„ich denke, ſo iſt es— ein franzö⸗ ſiſcher Styl und die Hand einer Deutſchen, einer Zofe, einer Magd, einer Griſette!“.
„Legen Sie Gewicht auf dieſe anonyme Anzeige?“ fragte Menſing.
„Hm, nicht gar zu ſehr... es wäre thöricht, ſie ganz un⸗ beachtet zu laſſen... aber, wenn ſie von franzöſiſcher Seite ausgeht...“
„In der That,“ Berückſichtigung!“
„Sie meinen?“
„Ich meine, ein Franzoſe oder eine Franzöſin würde nicht anonym auftreten, ſie würden, wenn ſie etwas über dieſen, wie ich glaube, überhaupt chimäriſchen Schatz mitzutheilen hätten, offen
fiel Menſing ein,„ſo verdient ſie nicht viel
hervortreten und ihren Theil von dem ausgeſetzten Preiſe ver⸗
langen. Nur ein Deutſcher hätte Urſache ſich zu verſtecken, um nicht unter ſeinen Landslenten als Berrälther dazuſtehen, um nicht ſpaer wenn der Kurfürſt zurückkehren ſo denn dieſen Glauben läßt ſich ja der große Haufen nicht nofymon— ſeiner Rache anheimzufallen! Und wozu ſollte ein Deutſcher dann überhaupt Ihnen dieſe geheime T Denunchntion ſenden? Welchen Vortheil hätte er dabei?“
„Das iſt Alles ſehr richtig bemerkt,“ entgegnete der Oberſt, „und wenn ich ganz ſicher wäre, daß es ſo iſt, wie Sie ſagen, daß eine Franzöſin es dictirt hat, ſo würde ich nicht das mindeſte Gewicht auf den Wiſch legen. lebrigens kann es ebenſo gut ein Mann dietirt haben, wie eine Frau, und darauf kommt auch nichts an— es ſragt ſich nur, geht es von franzöſiſcher Seite aus?“
Menſing ſchwieg einen Augenblick; er ſah, daß er dem Oberſten dieſe Uleberzeugung beibringen müſſe, um den ganzen fatalen Querſtrich, der ihn Anfangs ſo furchtbar erſchreckt hatte, unſchäd⸗ lich zu machen— und Gottlob, er konnte dem Oberſten dieſe Ueberzeugung beibringen— er glaubte ja das Geheimniß diiſes Billets zu durchſchauen— er brauchte dem Oberſt nur geradezu die Quelle zu verrathen.
„Das Billet iſt nichts,“ ſagte er deshalb, dem Oberſten das Blatt zurückgebend,„als eine Myſtification für Sie. Es mag eine ziemlich boshafte Abſicht dabei ſein. Während Alle, die zum Hofe gehören, ſich den Vergnügungen des Feſtes hingeben, ſollen Sie in Nacht und Wetter hinausgeſprengt werden und dort auf einen unfindbaren Schatz lauern, um am andern Tage weidlich ausgelacht zu werden!“
„Sacré!“ fluchte der Oberſt, Spaß mit mir erlauben?“
„Eine Dame, die fürchtet, daß Sie ihre Handſchrift kennen, und die deshalb ihrer Zofe dictirt...“
„Und die eine deutſche Zofe hat, der ſie dictiren kann..
„Kennen Sie eine Dame vom Hofe, die eine ſolche Zofe hat?5—
„Nein, das Wienſtperſonal hier im Schloſſe iſt, wenigſtens ſo viel ich weiß, ganz franzöſiſch!
„Doch giebt es Auönahnen,“ ſagte Menſing ruhig lächelnd.
„Sind Sie ſo gut darüber unterrichtet?“
„Ich weiß nur, daß Comteſſe Julie de Boucheporn ein Mädchen aus Kaſſel in Dienſt genommen hat.“
„Ah ſieh doch daß Sie darüber unterrichtet tſind, lann ich mir denken, Säentenand Menſing,“ annwortete, der Oberſt
ſ 1.„Alſo Sie Frben, Comteſſe Bule⸗ will mir einen 4
„wer ſollte ſich einen ſolchen
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ſpielen...“ as habe ich nicht geſagt. Nun aber 2*
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.. aber...
„Oberſt La Croix,“ ſagte Menſing nach einer kurzen Pauſe, während der er dem Oberſten ruhig lächelnd in's Geſicht geſehen hatte,„ich kann es nicht zugeben, daß Sie ſo ſchmählich myſti⸗ ficirt werden— es wäre zu grauſam— ich kann es ſchon deshalb nicht zugeben, weil ich ſelbſt einige Schuld an der Sache trage...
„Sie... Sie tragen Schuld an der Sache, Lieutenant? Was ſoll das heiß en? Vertubleue, Sie ſind mit d·eſer Bouche⸗ porn in einem Complot, um...“
„Das bin ich nicht, ganz und gar nicht! wie ich denke, daß Alles zuſammenhängt⸗ C h ſah ſie haſtig ein Stück des Maskenanzugs verbergen, an welchem ſie eben ich neckte ſie mit dieſem Eiſer⸗ ihr Geheimniß zu bewahren— ich betheuerte ihr, daß ich längſt von Ihnen, Herr Oberſt, im Vertrauen erfahren habe, daß ſie als Griechin verkleidet erſcheinen werde...“
„Das wollten Sie von mir erfahren haben... 2
„Ich hatte es nur an dem ſchönen rothen Fez errathen, welchen ich von Comteſſe Julie verbergen ſah— aber um ſie zu necken, ſagt e ich ihr, daß der Chef unſerer Polizei, der gefürchtete Oberſt d La Croix, der Mann der Alles wiſſe, längſt das Coſtum kenne, das jede Dame vom Hofe für ſich vorbereiten laſſe; daß er mir anvertraut, ſie, Comteſſe Julie, würde als Griechin er⸗ ſcheinen! Comteſſe Julie aber ging mit der liebenswürdigſten Gläubigkeit und auch mit dem größten Zorn gegen die böſe argusäugige Polizei auf meinen Scherz ein, und ſie verſchwor ſich hoch und theuer, Ihnen einen Streich zu ſpielen, um ſich zu rächen, oder etwas zu erdenken, um dem Abſcheulichen, der jeder Maske werde den Spaß verderben können, ganz von dem Feſte fortzubringen! Da haben Sie die Geſchichte, Oberſt La Croix!“ „Und dieſe Geſchichte klärt freilich Alles auf,“ fiel der Oberſt indem er das Blatt nahm und es in kleine Stücke zerriß.
„Sie werden jetzt, nachdem ich ſo aufrichtig war, mir nicht
damit lohnen, daß Sie mich an Eonteſſe Julie als den verrathen, der ihre Myſtiſteation zu Schanden gemacht hat?“ „Nein,“ ſagte der Sberſt,„ich werde Sie nicht verrathen, Lieutenant... ſeien Sie ruhig⸗ ich danke Ihnen für Ihre Offen⸗ heit— Sie haben mich davor bewahrt, mich ſehr lächerlich zu machen— aber wenn ich auf dem Feſt Ihre kleine Griechin— ſie wird als Griechin ecbeitdnn, ſagen Sie?“
„So iſt es!“ 3 „Nun wohl, wenn ich Ihre kleine Griechin ein wenig auf's Korn nehme und ſchraube, ſo müſſen Sie ſich das gefallen laſſen. Tudieu, ich denke, ſie wird mir keine anonymen Briefchen wieder ſchreiben.“
Der Oberſt nickte d
Hören Sie nur, Ich war geſtern bei
ein,
dem Lieutenant einen Gruß zu und ging.
„Dem Himmel ſei Dank!“ ſagte Menſing tief aufathmend für ſich„das war ein abſcheulicher Zwiſchenfall, der Alles zu ſtören drohte! Aber er iſt parirt, er iſt unſchädlich gemacht, er iſt uns zum Glücke ausgeſchlagen... vor dem Oberſten ſind wir morgen ſicher; er wird keinen Augenblick vom Feſte weichen! Wie merkwürdig, daß dieſer Comteſſe Julie— denn von ihr war das Billet, von wem ſonſt hätte es kommen können?— nichts Anderes einfiel, dem Oberſten einen Poſſen zu ſpielen, als gerade dies! Man ſollte ja ſagen, ſie ſei eine Belljeherim
Damit ſchritt Menſing, Eoja von der eben ſtattgehabten Scene, der Wohnung des Inſpectors zu.
Er fand Steitz und Eliſe zuſammen in des Inſpectors Arbeits⸗ ſtube ſitzen und erzählte ihnen ſofort den Vorfall.
„Es iſt als ob der liebe Gott ſeine ſchützende Hand über uns ausſtreckte,“ ſagte er dabei,„denken Sie, es wäre kin anderer deutſcher Officier oder Beamter von der Bekanntſchaft des Oberſten dieſem zuerſt begegnet und wir hätten von dieſem unglücklichen Billet nichts erfahren...“
„In der That,“ ſiel Steitz ein,„wir haben alle Urſuche, dem Himmel zu danken, daß juſt Sie dem Oberſten begegneten— und dennoch beunruhigt mich die Sache noch immer...“
„Dem Oberſten muß doch am Ende, wenn er nachdenkt, etwas dabei auffallen,“ ſagte Eliſe dazwiſchen.
„Und was, Eliſe?“
„Er hält Sie für einen Verehrer der Connteſſe.
„Das thut er in der That, für einen ſehr eifrigen““ wortete der Officier.
„Nun, dann muß ihm
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ant⸗
doch auffallen, daß Sie ſo raſch bei


