Jahrgang 
2 (1868)
Seite
30
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immer höheren Wogen.

der langen Tafeln,Ad loca! undSilen- tium! wurden reſpeetirt Aber ſoll ich hier einen Kneipabend beſchreiben? Das Aeußerliche eines ſolchen weiß doch Keiner ſu ſchäben, der nicht den Pietätswerth des eigenen Jugendgefühls dazu legen kann. Und heute war's ein Kneipabend, zu welchem die Burſchenſchafter eines halben Jahrhunderts aus allen Gane des Vaterlandes zuſammengekommen waren und wo Geiſter der verſchiedenſten polttiſchen und religiöſen Richtung zuſammentrafen, die Alle aber ein Herzenswunſch zu Brüdern macht, der Wunſch und das Ziel: Heil, Heil dem diutſhen Vaterland!

Wir Jubilare hatten für den Feſtzug den Schwert⸗ und Fahnenträger und deren Begleiter aus unſerer Mitte zu wählen. Das Geſchäft war raſch abgethan: wer war würdiger, das Ehren⸗ ſchwert der Burſchenſchaft zu kragen, als derjenige, welcher geſtern vor vierungfünfzig Jahren auf demSchlachtfeld von Möckern das Schwert ſür's Vaterland geführt und ſich das eiſerne Kreuz erkämpft hatte, der Paſtor Loholm, Keianu der alte Huſar? Die Burſchenfahne aber erhielt L Oekonomierath Sturm, und mit Recht, denn eine Sturmfahne iſt ſie alle zeit in Deutſchland zewoafin

Geſpräche, Geſänge und Reden füllten den Abend ſicherlich für Alle zu gleichem Genuß aus; nur was uns Alten ſehr am Herzen lag, wie vor fünfzig Jahren uns auch auf dieſem Wartburg⸗ feſt der Verſöhnung und Vereinigung der jetzt ſo vielgetheilten Burſchenſch haft zu erfreuen, mißlang. Die Jugend gehört eben einer anderen Zeit an und hat ſich in ihrer Weiſe auf die Kämpfe vorzubereiten, die wir nicht mehr erleben. Möge ſie nur ihre Schuldigkeit ſo treu thun, wie wir die unſere gethan haben!

Wie ein Freudenſchuß wirkte p lb lich auf die Verſammlung ein großherzogliches? Telegramm von Weimar, welches dem Feſte die Wartburg öffnete und dem Commandanten derſel lben(Obriſt⸗ lieutenant v. Arnswald), fröhliche Feier wünſchend, die Begrüßung der Ankommenden auftrug. Die Freudigkeit der Geiſter wurde dadurch bedeutend belebt und die akademiſche Luſt ſchwamm auf Unſere müden Köpfe bedurften aber der Ruhe, und ſo ſchlich ich mit meinem Freunde ſtill von dannen.

Wir thaten einen langen kräftigen Schlaf und ſtiegen am Hauptfeſtmorgen zum Markt hernieder, als es ſchon auf ihm von Volk und Feſtgenoſſen wogte. Und wieder friſchten hundert Gutmorgen und Handdrücke des Herzens Luſt an. Es ging lange bunt durcheinander, bis endlich um uns Alte die übrigen Feſtgenoſſen einen Kreis bildeten. Aus dem Rautenkranz zogen, von Robert Keil geführt, Loholm mit dem Schwert, Sturm mit der Fahne und die chargirten Studenten in Feſtwichs zu uns her. Nun harrten wir der Dinge, die da kommen ſollten. Und ſiehe, da öffnete ſich nach der Karlsſtraße neben dem Rathhauſe hin ein Spalier, die Muſik erhob einen Tuſch und heran ſchwebte, geführt von Friedrich Hofmann, eine Schaar Jungfrauen in weißen Gewändern, mit Epheu das Haar und mit ſchwarz⸗roth⸗goldnen Schärpen die Bruſt geſchmückt und mit Eichenkränzen in den Händen. Und gerade vor den alten Huſaren hin trat eine hohe ſchöne Jungfrau und ſprach laut und klar:

Geſtattet uns, ehrwürd'ge Greiſe, Daß wir dem Dank des Vaterlands

Geſtalt verleih'n in unſ'rer Weiſe: Euch ſchmücke heut' ein deutſcher Kranz!

ſetzten die Enden

Ein Kranz von Anſern Wartburgeichen, Für deutſche Treue, deutſche Kraft Das ſchönſte Männerehrenzeichen Euch Vätern unſ'rer Burſchenſchaft!

Dann wand ſie einen Kranz um ſeinen Hut und einen andern um den Schwertgriff; ebenſo wurdeu gleicher Zeit Sturm und die Fahne geſchmückt. Und nun entfaltete ſich der weiße Zug und flatterte zu uns heran, wie Frühlingsblüthen auf morſche Stämme, wie ein Iriedenstaudeniine zu grauköpfigen Adlern. O, wie da junge und alte Augen ſelig in einander ſtrahlten in Rührung und Dank! Wie mußte Der ſich freuen, in deſſen Kopf der ſchöne Gedanke entſprungen war!

Als die Jungfrau, die mir einen prächtigen Eichenkranz um meinen Hut befeſtigt hatte, in die Reihe der Nebrigen trat und ich mich nun umſchaute, lachten ſchon all' die alten Geſichter meiner Genoſſen unter dem grünen Schmuck und einzelne der Feſt⸗ jungfrauen ſuchten für die übrig gebliebenen Kränze noch würdige Häupter. Beſcheiden am Rand des Kreiſes ſtand ein hoher Mann

mit grauem Bart; kaum hatte eine der Jungfrauen erfahren, daß dies ein blinder Dichter, Ludwig Wucke von Salzungen, ſei, ſo eilte ſie zu ihm und ſetzte ihm den Kranz auf's Haupt. Ach, wenn ich Das ſehen könnte! rief der arme Beglückte aus. Rech andere anweſende Poeten, wie Müller von der Werra, von dem am Abend beim C Commeisein neues Wartburglied geſungen wurde, und der Rothenburger Einſiedler(Fr. Beyer von Kelbra), wurden geſchmückt und ſchließlich erhielten auch die Comité⸗ Mitglieder de wohlverdiente Auszeichnung.

Der Zug vom Markt durch die Stadt und zur Wartburg hinauf war ein Glanzſtück des Feſtes; wir von den Feſtjungfrauen

geführten und begleiteten Grauköpfe fühlten uns ſo munter, daß uns der Uebermuth trieb, ſteil bergauf manches alte Leiblied an⸗ zuſtimmen. Und mit dem Herzen ſchwelgte das Auge, jemehr rings um uns Thüringen ſeine Berg⸗ und Wälderpracht entfaltete.

Es war elf Uhr vorüber, als die Spitze des Zuges das Thor erreichte und dort, auf den geſtern Abend telegraphiſch usgeſprochenen Wnnſch des Großherzogs von Weimar, vom Com⸗ mandanten mit ſeierlicher Begrüßung, von der Wachtmannſchaft mit präſentirtem Gewehr empfangen wurde. Im Burghof ent⸗ faltete ſich ein ſchönes Bild. Während ſämmtliche jüngere Feſt⸗ genoſſen der Freitreppe des Landgrafenſchloſſes gegenüber eine Lalbrreieſürmnige Gruppe bildeten, hatten wir Jubilare uns unter die Halle der Freitreppe, die Jungfrauen unter die Hallen zur Rechten davon zurückgezogen, zur freien Höhe der Treppe aber ſiieden die beiden Feſtredner hinauf, denen zur Rechten Loholm mit dem Schwert, zur Linken Sturm mit der Fahne, Beide hinter ſich ihre jugendlichen Begleiter in akademiſchem Feſtſchmuck, ſich Aufſtel llten.

Der Feſtact war einfach, aber gediegen. Luther'sfeſte Burg eröffnete ihn, Cotta's herzige Begrüßung des Thüringer Landes, der Lutherburg, der Burſchenfahne,des edlen Kleinods einer hehren, großen Zeit, und Hörſchelmann's kernige Rede, die den treuen Kampf der alten Burſchenſchaft fürFreiheit, Ehre und Vaterland vor den Augen de Jugend als mahnendes Vorbild erhob, unerſchrocken der Wahrheit und der auf Wahrheit gegründeten Volksveredelung und Volksbefreiung zu dienen, bildeten den erhebenden Mittelpunkt, und Fr. Hofmanu'sWartburgfeſtlied ſchloß ihn und gab ihm durch den Wechſelgeſang zwiſchen den Alten und Jungen eine an die Stätte des Sängerkriegs ſinnig erinnernde dichteriſche Weihe.

Als ob die Natur ſich unſerer Gemüthsſtimmung freundlich anſchließen wolle, zogen wir unter nun heiterem Himmel zur Stadt zurück. Auf dem Markte löſte der Feſtzug ſich auf, wir be⸗ durften, nach der ungewohnten Anſtrengung und Aufregung, der leiblichen Stärkung und geiſtigen Ruhe, um mit Leib und Seele wieder für den Zug zum Feſtfeuer gerüſtet zu ſein. Mein alter Freund wich nicht von meiner Seite.

Um fünf Uhr beſtiegen wir einen der für uns zur Fahrt auf den Wadenberg beſtimmten Wagen und langten mit einbrechender Finſteruiß auf der Höhe an. Wiederum eine geſchichtliche Stätte. Hier hatten wir vor fünfzig Jahren Lnther s Bullenverbrennung nacßgerh hmt und dadurch die Rache aller Lichtſcheuen und Deutſch⸗ feindlichen auf uns gezogen. Sie Alle ſind von der Zeit beſeitigt und von der Nation vergeſſen; wir aber ſtanden hier vor dem Jubelfeuer mit den alten patriotiſchen Grundſätzen und neuen Hoffnungen ihres völligen Sieges in der deutſchen Zukunft. Und das ſprach in herrlichen Worten Robert Keil, der Feuerredner, aus, nachdem mit de praſſelnden Flammen das LiedStoßt an, Eiſenach lebe! ſich in die Luft erhoben hatte. In drei Hochs mündete der gewaltige Strom ſeiner Rede: das erſte galt uns Jubilaren von 1817, das andere der deutſchen Burſchenſchaft, das dritte dem einigen, freien deutſchen Vaterlande. Daß wir daran auch diesmal das Fragelied knüpften:Was iſt des,⸗ Deutſchen Vaterland? iſt nicht gefährlich mehr heute, wo ſelbſt im Norddeutſchen Bunde kein rechter Mann als Antwort ſingen wird:Das halbe Deutſchland ſoll es ſein!

Jetzt erſt, wo ich mich dem Thal von Eiſenach zuwandte,

während die Feſtgenoſſen be Fackeln am Feuer anzündeten, ward

ich durch den Anblick der feſtlich beleuchteten Wartburg überraſcht, die über dem tiefen Dunkel des Thals und des Bergs wie ein Feenſchloß auf den Wolken ſchwebend erſchien. Man konnte des bezaubernden Bildes nicht ſatt werden, und wir ſchieden nur von ihm, als der Fackelzug nicht weniger lockend ſeine Feuerlinie den

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