Jahrgang 
13 (1868)
Seite
206
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Pferde Afrikas,

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ſtellen und die wir theilweiſe als Hemmungsbildungen, theil⸗ weiſe als Ahnenbildungen(Atavismen, von Akavus, der Ahn oder Aeltervater) bezeichnen. Beide Erſcheinungen ſind im Princip gleich, nur weiſen uns die letzteren mehr auf nähere Charaktere zurück, die wir bei den Vorfahren im ausgebildeten Zuſtande auf⸗ treten ſehen, während die Hemmungsbildungen durch Stehenbleiben eines Organs auf einer gewiſſen Eunwiänedinggsxhaſc uns nur dieſe repräſentiren. Erlauben Sie mir eine Erklärn Wenn Menſchen mit Haſenſcharten, Wol fsrachen und äb lichen Mißbildungen ge⸗ boren werden, ſo werden wir dies eher eine Hemmungsbildung nennen, weil d das Organ auf einer ſehr früh von dem werdenden Individuum durchlaufenen Bildungsſtufe ſtehen geblieben iſt, welche, ſo weit wir bis jetzt wiſſen, von keinem ausgewachſenen normalen Typus dargeſtellt wurde. Wenn dagegen ein Pferdefüllen mit Streifen an den Füßen, wie ein Zebra, oder mit dreizehigen Füßen ſtatt einer einzigen Mittel lzehe geworfen wird, ſo nennen wir dies eher eine Ahnenbildung, einen Atavismus, weil wir mit größerer oder geringerer Wahrſcheinlichkeit annehmen können, daß der Stamm⸗ typus der Pferde ähnlich geſtreift war, wie die jetzigen wilden und wel ein Vorgänger des Pferdes der jetzigen der in der jüngeren Tertiärzeit lebte und von den

Schöpfung,

Valſeiner masforſchern Hipparion genannt wurde, ſolche dreizehige

Füße beſaß. Das jetzige Vferdefüllen beſitt im Mutterleibe während einer

früheren Periode in den ſtummelartigen Anlagen ſeiner Glieder

ebenfalls Andeutungen von, nicht nur drei, ſondern ſogar fünf Zehen dieſelben ſchwinden aber wieder und zwar in der

Weiſe, daß zuerſt die äußeren, dann die beiden nächſten Zehen ſich nicht entwickeln und nur die Mittelzehe ſich ausbildet. Wenn

ſtatt deſſen, wie es zuweilen vorkommt, auch zwei Seitenzehen ſich ausbilden, die dann meiſtens, wie die ſogenannten Afterklauen

des Schweines, in einiger Höhe über dem Boden ſchweben, ſo daß das ausgewachſene Thier doch nur mit der Mittelzehe nuftritt, ſo iſt dieſe Bildung zugleich Hemmungsbildung denn der Schwindungsproceß der beiden ſeitlichen Zehen wurde gehemum zund zugleich Ahnenbildung, denn die urſprünglich nur in der An

lage durhenndenen und erſt ſpäter weiter entwickelten Zehen, die

Knochen, Bänder, Sehnen ꝛc. haben, ſtellen die Füße des geolo⸗ giſchen Ahnen vor, der in der Erdgeſchichte dem Pferde voraus ging.

Fiat applicatio Nutzanwendung folge, ſagte der Doctor,

indem er eine Priſe nahm.

Sie haben Recht, Doctor, beſtätigte ich; folgt gleich. Alle Anatomen ſind jetzt, nach den genaueſten Unter⸗ ſuchungen, darin einig, daß das Gehirn der Affen und der Menſchen nach demſelben Grund dplane gebaut iſt, Bonennſam ſelbſt die feinſten Einzelheiten der Organtheile beſitzt daß beide nur durch d die Ausarbeitung und die Proportion der dinirlnen Theile, ſowie durch die Maſſenentwickelung ſich unterſcheiden. Das Gehirn des menſchen⸗ ähnlichen Aſſen, ſelbſt des Gorilla, deſſen Körper doch wohl den⸗ jenigen ven Menſchen an Größe und Gewicht überfriſſt, iſt dennoch zum zwei Dritttheile kleiner, als das Gehirn des Menſchen, und dieſe Reduction betrifft weſeutlich das ſogenannte Großhirn, das heißt diejenigen Theile, welche in der engſten Beziehung zu den geiſtigen Fähigkeiten ſtel jen. Dieſe Meterlegenheit des Menſchen⸗

die Nutzanwendung

gel hirns iſt zwar ſchon zum Theile vor der Geburt gegeben, denn das Kind Kaunurt mit einem Gehirngewicht auf die Welt, welches

dasjenige des neugeborenen Affen gewiß übertrifft, aber d demjenigen des erwachſenen menſchenähnlichen Affen nachſteht, freilich nicht in ſehr hohem Grade; die Ueberlegenheit bilder ſich aber weſentlich erſt nach der Geburt und vorzugsweiſe im erſten Lebensjahre aus. Volumen des Gehirnes des neugeborenen Menſchenkindes verhält ſich zu demjenigen des erwachſenen menſchenähnlichen Affen

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wie 4 zu 5; das des erwachſenen Menſchen zu demjenigen des erwachſenen Affen wie 15 zu 5. Der Menſch erhält alſo ſein Gehirnübergewicht hauptſächlich erſt durch Wachsthum nach der

Gehugt, und deſer Umſtand allein beweiſt ſchon, daß dieſes Ueber⸗ gewicht guch in der Geſchichte der Gattung erſt verhältnismäßig ſpät erworben worden ſei. Vlio⸗

MNun ſtellen Sie ſich ein Weſen vor,

welches wede 2

noch Affe in des Wortes ganzer Bedeut⸗c iſt, deſſe Wheun Vlbſt wulſtig, ſo wr unterdrückend.Wir könnten ja den Vogt, der nach dem allgemeinen Grundplaue beide, angelegt iſt, as Gehinn, ubrauen und dem Stidten hier am Rhein ſeine Vorleſungen noch nach beiden Nucnmmghn Pn ſa Awickeln kaun.. der Wiz. Während in der That bin überzeugt, er würde mit Ver⸗ welche Ebe nidlungich beiden Nichtunj u Olche mag ns t. ceifen. Würden Sie ihm den Emil

4 e, Siduzhä

ꝗn) 174 wrt.

ſtattet, beſitzt das Gehirn der menſchlichen Leibesfrucht in einer frühen

Zeit. Die Gehirne aller Menſchen ohne Ausnahme ſind durch einen

folchen Bildungspunkt hindurch gegangen. Stellen Sie ſich vor, daß in dieſem Zeitpunkte durch irgend einen Einfluß, den wir noch nicht weiter zu enträthſeln vermögen, eine Bildungshemmung ein⸗ tritt und ein Proceß ſich entwickelt, ähnlich wie bei dem Füllen, welches dreizehige Füße zur Welt bringen wird. Das in ſeiner menſchlichen Ausbildung geh hemmte Gehirn wächſt; aber dieſes Wachsthum ſchreitet nicht fort in der normalen Richtung, ſondern es bleibt auf miederer Bildungsſtufe theilweiſe ſtehen, theilweiſe folgt es der Richtung, wel lche der niederen Stufe angehört es entwickelt ſich in der Nichtung des Affentypus. Das große Gehirn, beſonders die Stirnlappen, die mit dem höheren Denken in engſter Beziel un zu ſtehen ſcheinen, ſowie diejenigen Theile der Shiunlappen,

welche den neueſten ciirurgiſchen Beobachtungen zufolge der Sitz der artieulirten Sprache ſind, bilden ſich nach dem Geſetze der

Afſenentwickelung, nicht nach dem menſchlichen Geſetze aus, wachſen auch nach der Geburt dem Affentypus nach, und die umgebend en Theile, die knöchernen Gehirnkapſeln, modeln ſich ebenfalls nach dieſem Geſetze. Deshalb ſehen wir auch bei Mikrocephalen, die ein mannbares Alter erreichen, dieſelben Leiſten und Kämme des Schädels ſich ausbitven, welche bei dem alternden Affen ſich ent⸗ wickeln kurz alle jene Zuſtände hervortreten, welche ich Ihnen vorher als charakteriſtiſch für dieſe Mißbildungen darſtellte.

Sie nehmen demnach an, daß dieſe Mißrildungen zugleich Hemmungsbildungen und Ahnenbildungen ſind? ſagte der Doctor.

Gewiß, antwortete ich.Sie führen uns hinſichtlich des Gehirns bis zu dem Punkte zurück, von welchem aus die beiden Zweige eines gemeinſchaftlichen Stammes, Affe und Menſch, ſich nach verſchiedenen Richtungen hin entwickelt und mehr und mehr von einander entfernt haben. Führen Sie ſich einmal in Ihrer Vorſtellung junge Affen und Kinder, alte Affen und erwachſene Menſchen vor. Die Jungen ſehen ſich ähnlicher als die Alten der Schädel eines jungen Affen iſt d demjenigen eines Kindes weit äͤhnlicher, als der Schädel eines erwachſenen Affen demjenigen eines Mannes. Im Wachſen entfernen ſich die beiden Typen. Setzen Sie die auseinanderweichenden Linien, welche das beiderſeitige Wachsthum darſtellt, nach rückwärts fort, ſo werden ſich dieſelben in einem Punkte ſchneiden, und dieſer iſt, für das Gehirn, der Zeitpunkt, wo eine Bildungshemmung das Organ in die falſche Richtung hinüberleitet. Die letzte Schlußfolgerung aus dieſen Prä⸗ miſſen ergiebt ſich von ſelbſt. Der Urſprung des Menſchen kann nicht in einem jetzt lebenden Affen geſucht werden die Affen⸗ marſehen führen uns zu einem Stamme, zu einem Ahnentypus zurück, der in früheren geologiſchen Perioden geſucht werden muß und von welchem aus die Typen dich ſpalteten. Aber ſo wie die menſchenähnlichen großen Affen, Orang, Chimpanſe und Gorilla von verſch vehen Seiten her dem Menſchen ſich nähern der erſtere durch ſein Gehirn, der zweite durch Schädel und Zähne, der dritte durch ſeine Gliedmaßen und keiner von ihnen dem Menſchen unbedingt näher ſteht als der andere, ſo zeigen ſich auch bei den verſchiedenen Menſchenracen verſchiedene Charaktere, wodurch die⸗ ſelben ihren Urſprung und dadurch auch die Verwandtſchaft mit dem Affen bekunden. Das haben die vortrefflichen, mit ebenſoviel Umſicht wie Mühe ausgeführten Meſſungen der Herren Scherzer und Schwarz an Bord der Novara, die neulich von Dr. Weißbach in Wien bearbeitet worden ſind, deutlich nachgewieſen. Selbſt die am höchſten ſtehenden Racen, die durch Maß und Ausbildung des Gehirnes über allen anderen ſtehen, ſind noch, wie ſich die Ver⸗ faſſer ausdrücken, mit ſolchen Erbſtücken verſehen, welche auf den gemeinſchaftl ichen Stammvater hinweiſen.

Ich beſcheide mich als Laie, ſagte der Pater Rector,und maße mir kein Urtheil über die von der Wiſſenſchaft gewonnenen Reſultate an, die ſchließlich doch, meiner feſten Ueberzeugung nach, mit dem zuſammenſtimmen werden, was uns Religion und Kirche lehren. Aber ein ſeltſames Geſchöpf iſt der Emil doch, und ich bin feſt überzeugt, der Vogt würde viel darum geben, wenn er ihn haben k könnte, um ihn den Aachenern in Perſon vorzuſtellen. Die würden Augen machen!

Kopfhau ze2 ließe ſich vielleicht noch einrichten! antwortete ich, mit

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