Jahrgang 
10 (1868)
Seite
159
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dieſer Theater im Durchſchnitt allabendlich drei Stücke aufführt und die Neugierde des Publicums ſchnell überſättigt wird, ſo iſt es gar nicht auf⸗ fallend, daß die Pariſer Schaubühnen jährlich weit mehr als hundert Stücke verbrauchen, beſonders wenn man erwägt, daß von dieſen gar viele mehr oder minder Fiasco machen. Eine große Anzahl dieſer Bühnen erzeugniſſe gehört zu den Gelegenheitsſtücken, pièces d'actualité oder pièces de circonstance, Stücke, die ſich auf gewiſſe Zuſtände der Gegen⸗ wart beziehen, oder ein bedeutendes Tagesereigniß, einen merkwürdigen Vorfall behandeln. Ihr Erfolg hängt natürlich von der Geſchwindigkeit ab, mit welcher ſie dem Ereigniß, dem Vorfalle folgen; denn in Paris veraltet Alles ſehr ſchnell und nirgendwo iſt die Gegenwart ſo kurzlebig wie hier. Auch iſt die Neugierde der Franzoſen weniger hungrig als genäſchig. Um ſie zu befriedigen, darf man nicht viel, muß man vielerlei bringen.

Sprechen wir nun von der Art und Weiſe, wie ein ſolches von mehren Vätern in die Welt geſetztes Stück zu entſtehen pflegt.

Da iſt z. B. ein junger Mann, der kaum das College verlaſſen und ſich zum dramatiſchen Dichter heranbilden will. Er hat eine friſche, lebendige Einbildungskraft; er beſitzt viel Erfindungsgabe und es fehlt ihm auch nicht an poetiſchem Gefühl. Dies Alles hat er benutzt, um ein Stück zu ſchreibeu, das ſehr reich an gelungenen Stellen iſt, das ſich aber entweder zur Aufführung gar nicht eignet, oder bei der erſten Aufführung jämmerlich durchfallen würde und zwar deshalb, weil der Dialog bald zu ſchleppend, bald zu abgebrochen, weil die Scenen nicht ſchnell auf einander folgen und auch nicht wirkungsreich genug ſind, kurz weil der junge Autor die Anſprüche des Publicums nicht genau kennt. an einen bühnengewandten Schriftſteller, und dieſer ſtutzt nun das drama

tiſche Kind, das ſo unbeholfen ausſieht, mit großer Geſchicklichkeit für die

Bretter zu. Er friſirt es, er parfümirt es, er zieht ihm effectmachende Kleider an und legt ihm mehre Dutzend Schlagwörter in den Mund. Das Kind hat auf dieſe Weiſe zwei Väter bekommen, die auf dem Theater zettel genannt werden und ſich in die Tantième theilen. Beide fahren nun fort, mit einander zu arbeiten. Der junge Poet erfindet die Handlung, während der Andere ſie in Scene ſetzt. Oft wird noch ein Dritter nöthig. In den Vaudevilles nämlich genügen die Handlung und der Dialog allein durchaus nicht; es müſſen noch die Couplets angebracht werden, jene kurzen, epigrammatiſch zugeſpitzten Lieder, welche die einzelnen Scenen einleiten und ſchließen und gleichſam die gereimten Knalleffecte des Stückes bilden. Der Dritte nun, der dieſe Knalleffecte liefert, wird natürlich ebenfalls als Vater auf dem Zettel genannt und bekommt für ſein Drittel Vaterſchaft den dritten Theil der Lorbeeren, oder, was noch wichtiger iſt, den dritten Theil der Tantième.

Es giebt in Paris viele dramatiſche Schriftſteller, die niemals ein ganzes Stück, ſondern immer nur einen Bruchtheil eines ſolchen geſchaffen; ja, mancher Meiſter ſeines Faches, der ſchon unzählige Stücke geſchrieben, bedient ſich der Mitarbeiter, blos um ſchneller fertig zu werden. Wie ein Schneidermeiſter hat er ſeine Geſellen. Er ſchneidet das Stück zu, während dieſe es zuſammenſtutzen, aufputzen und mit Schnörkeln verſehen.

Der Vater dieſes Collaborationsſyſtems war Eugéène Scribe. Er, der nicht weniger Stücke auf die Bühne gebracht als das Jahr Tage zählt, dem ſeine leicht geſchürzte dramatiſche Muſe ein Vermögen von mehreren Millionen erworben und der in manchen Jahren zweimal hunderttauſend Franken an Tantièmen eingenommen; er, der glücklichſte, reichſte und fruchtbarſte aller Vaudevillendichter, hat ſein erſtes Stück gemein⸗ ſchaftlich mit ſeinem Freunde Germain Delavigne geſchrieben. Dieſes erſte Stück hießLe Dervis und ging im September 1811 über die Breetter. Zu vielen ſeiner andern Stücke machte ihm Caſimir Delavigne die Couplets, und als er, Eugene Scribe nämlich, der Liebling des Publicums wurde, etablirte er eine Vaudevillefabrik und beſchäftigte ſtets mehrere Dutzend Mitarbeiter. Die Einen brachten ihm Pläne zu Stücken, die er aus⸗ arbeitete; Andere hatten ausgearbeitete Stücke, welche er umgeſtaltete, um ſie effectreicher zu machen; wiederum Andere brachten ihm mehrere Dutzend Couplets, mit denen er einige neue Machwerke ſpickte, und dann gab es auch Einige, die ihm pikante Anekdoten und Schlagwörter lieferten. Auf dieſe Weiſe waren die Maſchinen in genannter dramatiſchen Kunſtwaaren⸗ fabrik in Bewegung. 1 3

Scribe's Erfolg verlockte ſpäter ſogar wahrhaft poetiſche Talente dieſem Fabrikationsſyſtem zu huldigen. So hat Emile Augier in Gemeinſchaft mit Jules SandeauLe gendre de Monsieur Poirier und mit Fouſſier Les Lionnes pauvres geſchrieben. Alexander Dumas Sohn hat ſeine dramatiſche Laufbahn ebenfalls mit einem Aſſocié begonnen. Sein erſtes Stück,La Dame aux Camélias, das ſich eines ſo großen Erfolges er⸗ ſreute, hat der Mitarbeiterſchaft Antony Véraud's ſein Entſtehen zu ver⸗ danken. Dieſer wird zwar niemals auf dem Zettel genannt; er theilt jedoch mit Du aas Sohn die Tantiéme. Der jüngere Dumas hat ſich übrigens gleich nach der Aufführung des genannten Stückes vorgenommen, künftig auf eigene Fauſt zu arbeiten, und iſt bisher ſeinem Vorſatze treu geblieben. Das Syſtem der Mitarbeiterſchaft gereicht unſtreitig der dramatiſchen Literatur Frankreichs zum Verderben. Von wahren Kunſtwerken kann da niemals die Rede ſein. Wo die innere poetiſche Nöthigung fehlt, iſt keine Kunſtſchöpfung möglich. Den Pariſer Autoren, welche die Pariſer Theater mit Dramen und Vaudevilles überſchwemmen, iſt die Muſe keine Göttin, deren Gunſt man inbrünſtig erfleht, ſondern eine Magd, die man für allerlei Dienſte gebraucht. Sie ſind nicht der Anſicht unſers Klopſtock, daß Unſterblichkeit ein ſchöner Gedanke ſei; ſie wollen Geld verdienen und ſcheeren ſich wenig um die Unſterblichkeit. Daher kommt es denn, daß von den vielen tauſend Stücken, die ſeit einem Menſchenalter über die

Pariſer Bühnen gegangen, vielleicht kein einziges das letzte Decennium

dieſes Jahrhunderks erleben wird.

Die Operntextfabrikation wird noch mechaniſcher betrieben. er gi es vor Allem, Romane oder dramatiſche Werke aufzutreiben, die ein Gemeingut des Publicums geworden, deren Autoren nämlich längſt ge⸗ ſtorben, oder, wenn ſie noch leben, kein Autorenrecht beanſpruchen können.

Er wendet ſich

Hier gilt

Die Textmachermeiſter begeben ſich an die Arbeit. Der Eine ſchneidert die Handlung zu, der Andere ſchmiedet die Verſe nach den Bedürfniſſen des Componiſten, und wenn die Oper zur Aufführung kommt, theilt das Kleeblatt den Gewinn. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß beſonders die Meiſter aller Literatur ſtark herhalten müſſen. Seit einem Jahre ſind in Paris vier Opern zur Aufführung gelangt, zu denen die Textbücher engliſchen und deutſchen Werken entnommen ſind. Schiller's Don Carlos, von Méry und De Locle bearbeitet und von Verdi in Muſik geſetzt; Mignon, nach Wilhelm Meiſter von Barbier und Carré ziemlich geſchickt verarbeitet und von Ambroiſe Thomas componirt; Romeo und Julie, ebenfalls von Barbier und Carré in ein Textbuch zuſammengeſtutzt und von Gounod componirt, und endlichLa jolie Fille de Perth, nach dem bekannten Walter Scott'ſchen Roman von Adenis allein bearbeitet und von dem jungen Bizet mit Talent in Muſik geſetzt. Shakeſpeare, Goethe und Schiller werden jetzt als ſehr ergiebige Fundgruben von den Pariſer Textſehreibern ausgebeutet, und man braucht nicht erſt zu bemerken, daß dieſelben in den meiſten Fällen mit dieſen Texten mehr gewinnen, als die Originaldichter mit ihren Werken gewonnen haben.

Eine Sängerfahrt über den Ocean. Mögen die deutſchen Sänger einſtweilen ihre Bündel ſchnüren und den Muth zu einem kühnen Unter⸗ nehmen in ſich reifen laſſen; es iſt für ſie Ausſicht zu einer Fahrt vor⸗ b handen, zu einer ſo fröhlichen, wahrhaft poetiſchen und vielfach bedeutſamen Sängerfahrt, wie ſie unſer bisheriger deutſcher Feſtkalender noch nicht aufzu⸗ weeiſen hat. In der großen amerikaniſchen Stadt Chicago, wo bekanntlich ſehr viele Deutſche wohnen, wird im Juli d. J. das ſechszehnte Sängerfeſt des nordamerikaniſchen(deutſchen) Sängerbundes begangen werden, und mit V regſtem Eifer trifft das dortige Central⸗Comité des genannten Bundes oereits alle Veranſtaltungen zu einer der Bedeutung des Feſtes entſprechen⸗ den möglichſt großartigen und fröhlichen Feier. Wer Amerika irgend kennt, der weiß auch, wie impoſant und begeiſterungsvoll dort ſolche Kundgebungen in's Werk geſetzt werden. Alle amerikaniſchen Geſangvereine haben ihre zahlreiche Betheiligung zugeſagt, und ſelbſt die deutſchen Sänger des fernen Californien werden die Wanderung durch endloſe Prairien und über ſchnee⸗ bedeckte Felſengebirge nicht ſcheuen, um bei dem großen Bruderfeſte zu er⸗ ſcheinen. Jemehr aber dieſes Feſt von unſeren Landsleuten in Amerika alsein hohes Weiheopfer betrachtet wird,das dem deutſchen Geiſte in fremdem Lande gebracht werden ſoll, um ſo weniger können ſie ſich mit dem Ge⸗ danken befreunden, dabei ein wichtiges Element nicht vertreten zu ſehen: die deutſchen Sangesbrüder aus der geliebten alten Heimath. Im Auf⸗ trage des Centralcomités in Chicago hat daher der correſpondirende Secretär deſſelben, Emil Dietzſch, am 5. Januar eine ernſtgemeinte, durch ihre Herzlichkeit faſt ergreifende Bitte um Betheiligung, reſp. um Abſen⸗

Hamburg, Bremen und Köln gerichtet. mit dieſer Einladung iſt, zeigen die bereits von ihm mit den Dampſſchiff⸗ geſellſchaften eingeleiteten Unterhandlungen, um für diejenigen Sänger, welche aus Deutſchland hinübergehen wollen, die Koſten der Reiſe auf ein Geringes herabzuſetzen.

Geld und Zeit werden freilich, trotz Allem, dazu nöthig ſein; aber es giebt ſicher in unſeren Geſangvereinen eine nicht geringe Zahl von unab⸗ hängigen Männern, welche ohne Hinderniß dieſem freundlichen Rufe folgen können. Die Einladung erinnert daran, daß ſich ja deutſche Amerikaner in Menge zu dem nationalen Schützenfeſte in Bremen eingefunden haben, daß ja deutſche Sänger nach London, ja nach Lille gegangen ſind.Darum auf, ihr Sänger, ſo lautet die Aufſorderung,zaget nicht, entrollt euere Fahnen und ziehet gen Weſten! Mit offenen Armen und alter deutſcher Gaſtfreundſchaft wollen wir euch empfangen und euch froh in's hieſige deutſche Geiſtesleben einführen, auf daß ihr nachher zu Hauſe erzählen könnt: Auch über dem Ocean wohnen Männer, deren Herz noch ſchlägt für gute deutſche Sitte und das alte theure Vaterland!

Sechshundert Berufsarten für Frauen. Daß es dringend noth⸗ wendig ſei, den weiblichen Erwerb in neue Bahnen zu lenken, ihm eine über ſeine bisherigen Grenzen hinausgreifende Erweiterung zu geben, iſt wohl jetzt von allen einſichtsvollen Menſchen anerkannt. Leider aber be⸗ findet ſich die für das Geſammtwohl ſo überaus wichtige Angelegenheit noch immer auf dem Punkte der Erörterung und Vorberathung. Unterdeß ſind nach wie vor Millionen von Frauen und Mädchen der gebildeten und minder gebildeten Stände auf ihre, ja oft auf ihrer Familie gänzliche Er⸗ haltung durch eigene Arbeit oder doch wenigſtens auf eine lohnende Neben⸗ beſchäftigung angewieſen, meiſtens ohne zu wiſſen, was ſie, die herkömm⸗ lichen traurigen Berufsarten abgerechnet, ihren Fähigkeiten und Verhält⸗ niſſen Angemeſſenes ergreifen könnten. Im Eifer der Debatten über die große Frage, in dem lobenswerthen Beſtreben, eine umfaſſende Reform der weiblichen Thätigkeit für die Zukunft auzubahnen, hat man es bis jetzt dem gegenwärtig lebenden Geſchlecht an praktiſchen Winken und Nachwei⸗ ſungen zur Verbeſſerung ſeiner Lage fehlen laſſen. Hier aber iſt guter Rath nothwendiger und ſegensreicher als auf irgend einem anderen Gebiete unſeres Lebens, und ſolcher guter Rath ſcheint uns reichlich in einem Werke enthalten zu ſein, das neuerdings unter dem Titeldie Frauen⸗Arbeit von dem Schriftſteller A. Daul in Altona(bei J. F. Hammerich daſelbſt) herausgegeben wird. Das von den Frauen⸗Vereinen und ſonſtigen Auto⸗ ritäten bereits warm empfohlene Buch erſcheint in monatlichen Lieferungen von ſechs bis acht Bogen zu je ſieben und einem halben Groſchen und wird nach ſeiner Vollendung ein wahres Lexikon der Frauen ⸗Arbeit ſein, indem darin nicht weniger als ſechshundert verſchiedene Berufs⸗ und Er⸗ werbsarten für Frauen aufgezählt und ausführlich beſchrieben werden. Es iſt zu wünſchen, daß ein ſo durchaus zeitgemäßes Unternehmen die ver⸗ diente Verbreitung in denjenigen Kreiſen findet, denen es in der That die mannigfachſte Anregung und Belehrung in Bezug auf eine oft ſehr ver⸗ hängnißvolle Lebens⸗ und Familienfrage zu bieten vermag.

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dung von Vertretern an die deutſchen Geſangvereine, zunächſt an die in Wie ſehr es dem Comité Ernſt