„Freut mich, daß Sie mir beiſtimmen, Herbot.„Die Marianne paßt ohnehin beſſer für einen Stadt⸗ herrn als für einen Bauern. Die Frau von Thorbach, die ſie durchaus zu ihrem Kammermädchen haben wollte, ſo daß ich ſie auf ein Jahr zu ihr laſſen mußte, hat ſie für den Bauernhof ganz verdorben.“
„Hm!“ ſagte der wieder ab und warf die hinein.
„Sagt mal, Herbotbauer,“ begann er dann von Neuem, „das iſt wohl ſchon eine alte Liebſchaft zwiſchen der Marianne und dem Friedrich, wohl ſchon von damals her, als ſie Beide noch die Kinderſchuhe trugen?“
„Das nicht,“ entgegnete Herbot, ter her.“
„So, ſo! Nun, das verſchlägt wenig. deſto friſcher und feuriger. Und der Friedrich iſt ein ſehr ehr⸗ licher Burſche. Ich kenn' ihn; ich kenn' ihn beſſer, als irgend Jemand; er iſt kein Mann, der leicht ſein Wort bricht.“
„Sein Wort bricht? Wie kommt Ihr darauf?“
Roſtmeyer antwortete nicht gleich. Er ſtreichelte ſchweigend ſein Kinn.
„Eine Tochter vom Herbothofe, nicht ſitzen!“ fuhr der Bauer fort.
„Ja, ja,“ entgegnete Roſtmeyer,„unter Umſtänden! Paſüer noc hiſt, daß die Tochter vom Herbothofe ein ſo verwettert hübſche
Ding iſt.“
Dabei ſtreichelte Roſtmeyer abermals ſein glattes Kinn und blickte ſeinen Clienten mit den großen Augen ſo ſeltſam und ſo fragend an, als ob er vergeſſen, wen er eigentlich da vor ſich ſtehen habe, und ſich gar nicht wieder darauf beſinnen könne.
„Doctor,“ ſagte der Bauer endlich,„was geht Euch eigent⸗ lich im Kopfe herum? Ihr habt etwas, mit dem Ihr nicht herausrücken wollt; wenn Ihr nicht Frau und Kinder hättet, würde ich ſagen, die Marianne hätt’s Euch ſelber angethan, und Ihr wär't juſt auf dem Weg geweſen, um ſie zu freien 4
Docter Roſtmeyer ging auf dieſen angenehmen Scherz gar nicht ein. Er antwortete ernſt:
„Ich hab' Euch noch keinen Stuhl angeboten, mir den Gefallen und ſetzt Euch dort wenig länger mit Euch von der Sache reden. Da Ihr mir ein⸗ mal ſagt, der Friedrich ſolle Euer Schwiegerſohn werden. hört, Ihr habt vor wenigen Jahren Eure ſauern mooſigen Wieſen⸗ ſümpfe umgebaut... was hat Euch das gekoſtet?“
„Meine Wieſen? Wie kommt Ihr darauf?“
„Ich frage nur. Was hat es Euch gekoſtet?“
„Viel Geld, Doctor, viel Geld!“
„Wie viel?“
„Mehr als tauſend Thaler!“
Doctor!“ verſetzte
Doctor nachdenklich, Handſchuhe,
legte ſeine Mütze die er anzuziehen begonnen,
„ſie datirt von dieſem Win⸗
Dann iſt die Liebe
denk' ich, läßt Einer ohnehin
Herbot; thut ich möchte noch ein
„Mehr als tauſend Thaler. Gut. Und nun reut's Euch nicht, es war ein gutes Geſchäft. Ihr könnt aber, wenn Ihr tauſend Thaler daran wenden wollt, noch ein beſſeres machen.
Ihr könnt Euch den ganzen Schwiegerſohn umbauen. ein Unterofficier iſt nur ein ſchlechtes Parcel, bei dem zu holen; am Ende auch nur ein Stück Sumpf; legt Ihr tauſend Thaler daran, ſo baue ich ihn Euch um— in etwas Beſſeres! Ich mach' Euch etwas draus, woran Ihr Eure Frende haben ſollt!“ „Sie ſpaßen, Doctor!“ „Nein, Herbot, wenn ich von tauſend einer Sache, an der ich verdienen will, „Aber was wollt Ihr Der Advocat ging und zog eine Klingelſchnur. Dann zündete er die beiden auf ſeinem Schreibpult ſtehenden Kerzen an, da nach und nach dunkel geworden. Als eine Magd erſchien, er ihr, eine Flaſche Wein zu bringen, und während ſie ging, den Auftrag auszuführen, reichte er ſeinem Clienten eine Cigarre und hielt ihm zum Anzünden das Licht hin. 4 “ ſagte er dann, während Herbot die erſten Dampf⸗ wölkchen von ſich blies und ſich in ſeinem Stuhl ausſtreckte. „jetzt will ich Euch eine Geſchichte erzählen und dann wird Euch bald Alles klar werden. Laßt nur erſt das Mädchen mit dem Wein gekommen und wieder verſchwunden ſein!“ Das Mädchen kam mit dem Wein; Roſtmeyer ſchenkte ein begann er ſeine Mittl heilung. 3
ſolch'
Thalern rede und von 1
ſo ſpaße ich niemals! denn eigent tlich?“
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Verantwortue,
Sie dauerte ziemlich lange. Der Bauer hörte ihr erſtaunt und verwundert zu. Mit den Schlußſätzen aber, womit Roſtmeyer endete, ſchien er höchſt gründlich einverſtanden. Er nickte ihm überaus vergnügt und freudig zu; er rieb ſich die Hände aus Vergnügen über Alles, was er vernommen hatte.
„Macht nur die tauſend Thaler flüſſig, für alles Andere ſteh' ich ein,“ ſagte Roſtmeyer ſih erhebend d,„nur die Gelder ſind nöthig. Und dann freilich iſt's Mariannens Sache, den Friedrich beim Worte zu halten. Er muß Fuß bei Mal halten. Und ich denk’, der gute Burſche wird's! Eines dürft Ihr nicht unterlaſſen. Ihr müßt es ſo offenkundig wie möglich machen, daß die beiden jungen Leute verlobt ſind. So lange Niemand von ſolch' einem Verhältniß weiß, iſt's leicht wieder abgebrochen— aber wenn's öffentlich kund gemacht worden iſt, dann iſt man gebunden... der Friedrich wird dann nicht ſo leicht daran denken, ihr untreu zu werden.“
„Gewiß, gewiß,
“antwortete Bauer Be erbot,„dafür will ich
ſchon ſorgen!“
„Und ich,“ fuhr der Advocat fort,„will ſogleich an die Frau
von Thorbach, die im Bade iſt, einige Zeilen ſchreiben. Ich will ſehen, ſie für den Friedrich zu intereſſiren. Vielleicht geht ſie, um ihres Vaters willen, eifrig darauf ein— und vom wäre viel
gewonnen; ſolch' eine Dame vermag in der vornehmen Welt viel, und wer weiß, was wir da noch für Leute enöthig haben— Für⸗ ſprache und Connexionen ſind ein gutes Ding, und auch, wenn man ganz offenbar das Recht für ſich hat, nicht unnütz!“
„Thut das, Doctor, thut das!“ rief Bauer Herbot aus; „wir wollen jeder das Unſerige thun...“
„Und daran wird's nicht fehlen,“ Bauer das letzte Glas einſchenkend, Herbot!“
„Solch' einen Schwiegerſohn kann man ſchon leben laſſen,“ rief Herbot aus und ſtürzte, nachdem er mit dem Doctor an⸗ geſtoßen, den Wein hinunter,„und jetzt gute Nacht!“
„Gute Nacht!“ verſetzte der Rechtsanwalt.
Die beiden Verbündeten trennten ſich.
verſetzte Roſtmeyer, dem „auf den Schwiegerſohn,
3 J.
Es waxren acht Tage verfloſſen. In der Provincialhaupt⸗ ſtadt, in einem ſehr elegant eingerichteten Zimmer, welches die ſauberſte Ordnung zeigte, ſaß ein junger Mann von höchſt ge⸗ winnendem Aeußern. Er ſaß an einem der Fenſter, vor einem mit allerlei Zeichenmaterialien bedeckten Tiſche und war beſchäftigt, ein Aquarellbild, das eine düſtere Landſchaftsſcenerie, eine Fels⸗
gegend mit einem dunklen Gewitterhimmel darüber, darſtellte, zu
malen. Bald war er über ſeine Arbeit gebeugt, bald benutzte er
die Augenblicke, wo er innehalten mußte, die Farben trocknen zu
anzuſehen;
nicht viel
geweſen wäre, trat ein
befahl während die ausgebildete Geſtalt
laſſen, um zum Fenſter hinauszublicken und träumend den Himmel und dies ſtille Träumen, wobei ſich ſein hübſcher männ⸗ licher Kopf mit dem dunkelbraunen Haar und dem ſchönen Vollbart auf ſeine wohlgepflegte ariſtokratiſche Hand ſtützte, dehnte ſich dann meiſt weit über die Zeit aus, welche die Farben zum Eintrocknen behruft en.
Die Ausſtattung des Zimmers deutete darauf, daß der Be⸗ wohner ſeine Malerei ohnehin nur als Dilettant trieb. Die ge⸗ kreuzten Säbel zwiſchen Revolvern unter einem Helm mit langem ſchwarzem Roßſchweif verriethen,“ auch wenn der junge Mann nicht in einen mit rothem Tuche gefütterten dunklen Uniformrock gekleidet daß er Officier war.
Die Thür öffnete ſich, ohne daß angepocht worden, und herein großer, breitſchulteriger und feſtgebauter Mann, deſſen blühendes gutmüthiges Geſicht mit dem blonden Bart auf der Oberlippe kein höheres Alter als höchſtens vierundzwanzig verrieth, auf wenigſtens dreißig hätte ſchließen laſſen... es war eine jener kräftigen Erſcheinungen, welche unter den Söhnen ſeiner Heimath ſo häufig iſt und ſo viel Muſterbilder wackerer Vaterlandsvertheidiger darunter finden läßt.
Er trug die Uniform deſſelben Regiments, zu dem der Offi⸗ eier gehörhr, aber die eines Unteroſſiei ers.
„Du biſt's, Friedrich,“ ſagte der Officier,„etwas Dienſt⸗ liches?“— „Zu Befehl, ja, Herr Hauptmann, ich komme Sie zu
bitten, mir einen Urlaub von acht Tagen zu gewähren.“
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