Okerdepartements erhielt, regten ſich kaum irgendwelche Zeichen von Mißvergnügen gegen dieſe abermalige Umwandlung, und eben ſo gefügig nahm man die dritte Metamorphoſe innerhalb zweier Jahrzehnte hin, welche Hildesheim zu einer Stadt des mit allerlei anderen Annexionen vergrößerten Welfenreiches machte.
Es war damals anderwärts eben auch nicht anders, und überdies ſchlummerte der alte Freiheitsſinn der Bürgerſchaft nur. 1830 und 1831 merkte man das an ziemlich lebhaften Zuckungen, und an der Bewegung von 1848 nahm die Stadt eifrigen An⸗ theil. Man hatte durch Ernſt Auguſt erfahren, was die Welfen⸗ herrſchaft zu bedeuten habe. Wieder wohlhabender geworden, fühlte ſich das Bürgerthum wieder mehr. König Georg's Willkürregiment ließ den ganzen Freiheitstrotz einer im Kampf mit den Biſchöfen erzogenen Bevölkerung wieder erwachen. Die Stadt Hildesheim war fortan der Hauptſitz der Oppoſition im Süden Hannovers, und dieſe Oppoſition, die Anfangs mehr demokratiſcher Natur ge⸗
bei der Mehrzahl der zu ihr Gehörigen. Der berüchtigte Wermuth erhielt Auftrag, die ſpröde Stadt für das Welfenthum zu gewinnen, und Meiſter in allen den kleinen Polizeikünſten, welche zu Erfolgen auf der Oberfläche führen, mit den Demokraten Weinhagens gegen die Nationalen, mit den großdeutſchen Katholiken gegen die Pro⸗ teſtanten operirend, ſelbſt unſaubere Mittel nicht verſchmähend, hatte er allerdings nach einiger Zeit mehrere Erfolge aufzuweiſen. Namentlich gelang es ihm, die unbemittelte Claſſe gegen den Magiſtrat aufzuſtacheln, der die Seele der Oppoſitton, aber zugleich die Seele bei jeder Förderung der wahren ſtädtiſchen Intereſſen war. Die Majorität und darunter den Kern den Bürgerſchaft hat er nicht zu ſich herüberzuziehen vermocht. Er konnte weiter kommen, und er wäre vielleicht weiter gekommen, als die preußiſche Occu— pation die Stadt vor dieſer Verführung bewahrte. Wermuth ſchoß ſich, als er ſein letztes Spiel verloren ſah, eine Kugel in den Kopf. Sein begabteſter und thatkräftigſter Gegner, Senator
weſen, nahm ſpäter eine ſtark nationale Färbung an, wenigſtens Römer, war Hildesheims erſter Vertreter im norddeutſchen Reichstag.
X
Erinnerungen an Heinrich Heine.
Von Heinrich Laube.
Zwiſchen 1826 und 1827 habe ich zum erſten Male nennen hören. Ich war Fuchs auf der Uni⸗ verſität Halle und gehörte zur Burſchenſchaft. Dieſe Studenten⸗ verbindung hatte bekanntlich ein patriotiſches Ziel. Von den älteren halliſchen Mitgliedern wurde aber damals auch immer betont, daß der Student ſich nicht blos um Kneipe und Fechtboden, ſondern auch um die eben lebende Literatur zu bekümmern habe. Nieder⸗ ſächſiſche Studenten waren es vorzugsweiſe, Hildesheimer, Olden⸗ burger, Hanſeaten, welche zuweilen von Heine ſprachen. Das will ſagen: ſie erwähnten witzige Aeußerungen dieſes jungen Schriftſtellers.
Ich kann nicht ſagen, daß mir das einen beſonderen Eindruck gemacht hätte. Ich war nicht auf literariſche Dinge geſtellt, obwohl ich auf dem Gymnaſium die Wochenblätter unſicher gemacht mit mittelmäßigen Verſen und obwohl ich von Halle aus mit Adolph Müllner in Berührung gekommen war. Ein paar Meilen von Halle entfernt, gab er in Weißenfels die Mitternachtszeitung heraus und belehrte mich da in einem ausführlichen Schreiben über die Fehler von Sonetten, welche ich ihm eingeſchickt hatte. Heute iſt mir dies ein Zeichen von der literariſchen Stille, welche damals in Deutſchland herrſchze. In. Weißenfels wurde ein wichtiges Journal herausgegeben, und der Redacteur hatte Zeit und Luſt, einem unreifen Studenten über ſchlechte Sonette einen langen Brief zu ſchreiben!
In dieſer ſtillen Zeit tauchte Heinrich Heine. auf. Er hatte ſeine Jugend in Düſſeldorf verlebt. Seine Eltern ſind offenbar begabte Menſchen geweſen. Der Vater ein Geſchäftsmann, ſeine Mutter von der holländiſchen Seite her. Mit der letzteren kokettirte Heinrich frühzeitig: er widmete ihr eine Schrift und gab mit Nachdruck ihren Familiennamen an: von Geldern. Daß ſeine Mutter von Adel und eine Chriſtin geweſen, das war etwas, was er betont ſehen wollte. Als ich ihn ſpäter einmal auf dieſen Gedankengang aufmerkſam machte, nickte er mit dem Kopfe und ſagte:„Allerdings!“ Es hat nicht an Genealogen gefehlt, welche dieſen Familienſtolz einen erkünſtelten nannten und das ‚von“ in ein gleichgültiges van“ verwandelten. Eine holländiſche iſraelitiſche Familie, welche in das nahe Düſſeldorf eingewandert, habe ſich dies„van“ beigelegt, welches nur eine geographiſche Bedeutung habe. Dies iſt auch wahrſcheinlich, denn Heinrich Heine ging niemals näher auf dieſe Frage ein. Es war ihm ein verführeriſcher Witz, daß er aus einer Miſchung chriſtlichen Adels und jüdiſcher Race entſproſſen ſein könne, und von Mutterleibe aus romantiſches Mittelalter, eingeweicht in zerſetzende Geiſtesſchärfe, darſtelle. Sein literariſches Weſen wird ja durch ſolche gemiſchte Abſtammung prächtig erklärt. Wenn ich ihn mit dieſer Racentheorie aufzog, ſo lachte er und ſprang auf ein anderes Thema über. Es war ein Zug ſeiner Eitelkeit aus ſeiner poetiſchen Jünglingsperiode. Das Leben hatte dieſen Zug ſpäter in ihm verwiſcht. Aber die halbe Lüge war durch eine Widmung an„die geborene von
den Namen Heine’s Fu
J.
³. Geldern“ gedruckt und eingeführt; er trug ſie auf leichter Schulter weiter und ſchüttelte ſie von der rechten auf die linke Achſel, wenn zudringlich daran getippt wurde.
Er ſollte die Rechte ſtudiren und war zu dem Ende in Bonn, in Göttingen und in Berlin. Jede dieſe Städte hat ihm ein Coöntingent ſtellen müſſen für ſeine ſchriftſtelleriſche Armee. Auch die Vaterſtadt Düſſeldorf. Seine Geburt fällt noch in's drittletzte Jahr des vorigen Jahrhunderts, er wuchs auf unter der Franzoſen⸗ herrſchaft am Rheine, der regierende Herr ſeiner Heimath hieß Kaiſer Napoleon. Sein Vater war in enger Berührung mit der „großen Armee“, er führte Lieferungsgeſchäfte für dieſelbe und kam in perſönliche Berührung mit den Marſchällen. Der Napoleon⸗ cultus datirt alſo aus ſeinen früheſten Jugendeindrücken. Daß er ihn poetiſch ausbildete und in ſeinem Buch der Lieder drucken ließ, gehört zu ſeinen ſtärkſten Dreiſtigkeiten. Denn die Freiheits⸗ kriege pulſirten während der zwanziger Jahre noch in allen deutſchen Herzen, und der Name Napoleon bezeichnete den ärgſten Landesfeind.
Dieſer Napoleonswelt iſt er übrigens auch immer und bis zuletzt treu geblieben. Inſofern treu geblieben, als er ihr ſtets die größte Macht zutraute. Immer wenn in Frankreich der Boden bebte, da erwartete er die Napoleoniden. In den vierziger Jahren, als die Orleans heftig angegriffen wurden und man mit der Republik drohte, da ſagte er:„Denk' an mich, wenn ſich das Alles unmächtig erweiſt! Die Kinder der alten Soldaten bedecken ganz Frankreich. Ihr Gott, welcher ihnen volle Gleichheit, Stärke und Ruhm erſchafft, heißt Napoleon. Unter dieſem Namen ge⸗ ſtaltet ſich Frankreichs Zukunft.“— Außer ihm dachte damals kein Menſch an eine Napoleoniſche Zukunft. Der Poet ſah tiefer als irgend ein politiſcher Scharfblick.
Sein Contingent aus Bonn hieß Auguſt Wilhelm Contingent aus Göttingen wurde der nahe Harz, ſeiner Reiſebilder. Sein Contingent aus Berlin Hegel.
Berlin war in jener Zeit ein recht langweiliger Ort. Der Aufſchwung aus dem Jahre 1813 wurde ſorgfältig und immer ſorgfältiger gedämpft in den politiſchen Folgerungen, welche ihm inne wohnten. Das rüttelte ſich bereits in ein Syſtem, als der blaſſe und magere Heine in der Behrenſtraße wohnte und in den breiten und leeren Straßen der Friedrichsſtraße umherſchlenderte.
Schlegel. der Schau⸗
Sein
platz
Mißmuth und Langeweile verſchonten ihn nicht, Drang nach
Schriftſtellerruhm begann in ihm zu nagen, und er ſuchte Leute kennen zu lernen, welche dafür etwas bedeuteten: Hitzing, Gans, Varnhagen, Rahel. Letztere, vom Judenthum ſtammend, belebte ihn am meiſten; er lenkte öfters gegen Abend ſeine Schritte nach dem ſtattlichen Hauſe in der Mauerſtraße, deſſen erſten Stock! Varnhagen mit ſeiner Gattin ſchon damals bewohnte. Ich habe zehn Jahre ſpäter, inmitten der dreißiger Jahre, oft mit Varn⸗ hagen darüber geſprochen, ob man wohl die ſchriftſtelleriſche Lauf⸗ bahn Heine's habe vorherſehen können. Kaum! war das Ergebniß.
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