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ſie hat mich in Verhältniſſe ge⸗ bracht, die mir ohne ihre Güte unerreichbar geblieben wären. Der geächtete Kurfürſt hat mich zum Officier gemacht; ihm gehört nicht allein unſere Treue als unſerem angeſtammten Landesherrn, wir gehören auch durch die Dankbarkeit, Sie wie ich, unſerem Fürſten⸗ hauſe an, und wären ſchlechte Menſchen, wenn wir das je vergäßen! Darum laſſen wir uns als ein paar gute Heſſen die Hand geben und.. einander vertrauen! Sie haben ein wichtiges Geheimniß auf dem Herzen— alſo eines, das unſern gnädigen Herrn be⸗ trifft Hich ſehe das und Sie ſollen ſich jetzt das Herz
— erleichtern, indem Sie reden.
laſſen; ſie hat für mich geſorgt,
Sehen Sfe mir in's Geſicht, Seitz; ſehe ich aus, wie ein Mann, der Sie verrathen könnte?“
„Nein, Menſing, nein,“ ſagte gepreßt der alte⸗Mann, indem er die Hand des Officiers ergriff und krampfhaft drückte.„Sie ſehen nicht ſo aus, und ich will Ihnen vertrauen? ich will Sie um Ihren Rath, Ihre Hülfe bitten,— ich muß, ich muß ja, denn wird mir nicht Nath, nicht Hülfe, ſo bringt mich die Ge⸗ ſchichte unter die Erde!“.
„Alſo, wah iſt es? Um was handelt es ſich?... Es will nicht über Ihre Lippen, Seitz. ſoll ich rathen? Handelt es ſich am Ende um des Kurfürſten Schatz?“ X
Seitz machte zuſammenſchreckend eine Bewegung, als ob er dem Officier das Wort auf den Lippen zurückhalten wolle, dann flüſterte er:„Um Gottes willen, ſprechen Sie leiſe. 4 „Alſo, vielgeſuchten Schatz, auf deſſen Angabe die Regierung einen Lohn von hunderttauſend Franken geſetzt hat?“.
„Und Todesſtrafe für den, der ihn fortbewegt oder dabei Hülfe leiſtet!“ flüſterte Seitz kaum hörbar.
„Ihnen, Ihrer Obhut hat der Kurfürſt ihn überlaſſen?“
„Es iſt ſo, Menſing, es iſt ſo ich will Ihnen Alles ſagen, ich will mein Leben in Ihre Hände geben, ich will Ihnen vertrauen, Menſing...“
„Bei Gott, Seitz, das
„So hören Sie zu.
„
Sie haben ihn, dieſen
dürfen Sie!“
Als der Kurfürſt entfloh in der Haſt jener ſchrecklichen Nacht des erſten November vorigen Jahres, konnte er nur einen Theil ſeines Reichthums mit ſich nehmen. Das übrige, es ſind mehrere Millionen in gemünztem Gold, in Papieren, in Noten der Bank von England, in Goldgeräthen,— das Alles wurde in Kiſten verpackt, und mir vertraute der Kurfürſt dieſen Schatz an als er eingepackt wurde, waren die Miniſter von Waitz und von Witzleben zugegen, dann aber blieb Alles allein in meiner Obhut. Anfangs bangte ich nicht um
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Uach dem Maskenballe.
Die Töne wirbeln in wilder Haſt,
Wild wirbeln die bunten Paare,
Sie halten im Fluge ſich feſt umfaßt,
Es flattern die Bänder und Haare⸗
„Zum Tanz, mein Liebchen, was zittert Ihr? Was athmet Ihr ſo beklommen?“—
„Mir war, als hätt' ich zu Seiten hier
4 Der Mutter Stimme vernommen!“— Und ſie ſtürmet hinaus, die Straßen entlang, Von Ahnung fortgeriſſen.
Es folget ihr nach in haſtigem Gang
Der Geiſt— das böſe Gewiſſen.
Es klingt, wie ein dumpfer Grabeschor,
Und die Glieder beb Doch eilt ſie die dur
In s
luge, 2ln. 2 deie e e I Im Sauſen des eiſigen Windes„Schläft Mütterchen Der Ruf, der ſchreckliche, an ihr Ohr:
„Weh, weh, des verloreuen Kindes!“ Sie iſt— zur Ruh
Noch einmal rege den bleichen Mund— O Mutter, habe Erbarmen, Mit einem Wörtlein thu mir kund, Daß Du verzieh'n mir Armen!
5 Dein reuig Kind kehr' ich zurück— Willſt Du mich nicht erheben? 1 3 Verlorener Segen, verlorenes Glück—
Zwiefach verlorenes Leben!“
meinen Schatz; ich hatte ihm ein ſicheres Verſteck gegeben, wo ihn Niemand fand, und ich wußte, unter Denen, weiht waren, war kein Verräther. ſchluß faßte, auf der Wilhelmshöhe
Und ſie tritt in's Haus in behendem Lauf
Gemach der geliebten Kranken. Wie matt die Lampe,
Die Nachbarin ſpricht:„ſchaut ſelber nach!
welche darin einge⸗ Erſt als König Jeröôme den Ent⸗ zu reſidiren, begann mein Leiden, denn denken Sie ſich, Menſing, mein Erſchrecken, icher Ingenieurofficier zu mir kommt des Schloſſes zu geleiten; da
meine Angſt als eines Tages ein königl und mir befiehlt, ihn auf das Dach oben über dem Frontiſpiz in der Mitte habe er eine große Fahnen⸗ ſtange errichten zu laſſen für das königliche Banner...“ „War denn der Schatz auf dem Dache verborgen?“ „Auf dem Dache nicht allein,“ flüſterte der Inſpector,„nein, juſt über dem Frontiſpiz war er eingemauert, juſt da, wo dieſer ſchreckliche Franzoſe ſeine Fahnenſtange wollte errichten laſſen. wer in aller Welt hätte denken können, daß dieſer Schiffscapitän von König werde auf der Wilhelmshöhe eine Flagge aufziehen laſſen wollen...“ „Das konnten neue Mode, eine abſonderliche Marotte un was begannen Sie?“ „Was ich begann? zitterte an allen Gliedern,
Sie freilich nicht denken, denn es T
iſt eine ganz ſerer Majeſtät
Z. aber
Mein Gott, ich ſtand wie vernichtet, ich die Gedanken gingen mir wirr durch den Kopf,— es war ein Glück, daß der Ingenieur durch mein Stottern, mein Ausflüchteſuchen nicht argwöhniſch wurde, weil er ſich vorſtellte, daß ich mit der franzöſiſchen Sprache nicht fertig werde. Endlich gab mir der ſtürmiſche Regentag den Vorwand, ihn fortzubringen; ich erklärte ihm, daß ich bei ſolchem Wetter ein Arbeiten auf dem Dache nicht verſtatten könne, weil es in den unter dem Frontiſpiz liegenden Saal durchregnen und die Decke deſſel⸗ ben verderben werde; ich müſſe dawider erſt Vorkehrungen treffen laſſen und ſo gelang es mir, den Menſchen für einen oder zwei Tage los zu werden.“ 3 „Welche Lage!“ rief Menſing aus.„Was begannen Sie?“ „Ich rannte zu den ehemaligen Miniſtern des Kurfürſten, zu Waitz und Witzleben; aber ſie ſandten mich achſelzuckend fort, der Schatz ſei mir anvertraut, nicht ihnen, ſagten ſie... ich mußte mir anderswo Hülfe ſchaffen und ich fand ſie Hich fand treue heſſiſche Männer. drunten in Wahlershauſen. wir gingen, mit dem nöthigen der nächſten Nacht in's Schloß, wir erſtiegen zogen die Millionen aus ihrem Verſteck und ſacht hinab, zum Schloſſe hinaus, bis... „Bis?“ fragte Menſing, den Athem anhaltend. (Fortſetzung folgt.) 1
Geräth verſehen, in den Dachraum und und dann trugen wir ſie ſtill
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„Das Mütterlein ſchlief in ſichrer Nacht,
Als Ihr von dannen hüpftet,
Und mit mir hinaus in die ſtille Nacht
Zum Feſte der Freude ſchlüpftet.“—
„Und ſeht Ihr nicht dort das bleiche Geſicht? Es blicket mich an mit Grimme!
Fort, fort! Ihr haltet mich fürder nicht— Mich rufet der Mutter Stimme!“
Da ſtürzt ſie in jäher Seelenqual Am Bette der Mutter nieder: „O hebe nur noch ein einzig Mal
Die lieben Augenlider!
Nur einmal ſtrecke noch aus die Hand,
Sie auf mein Haupt zu legen!
Ich kann nicht leben in Schimpf und Schand' Und ohne der Mutter Segen!—
en und wanken, uklen Treppen hinauf
wie ſtill das Gemach! u fragt ſie mit Bangen.
gegangen.“
Der Morgen dämmert durch's Fenſter lind, Vergoldend der Kammer Wände.
Die Nachbarin blickt auf das büßende Kind
Und hebt zum Himmel die Hände:
„O geh' mit ihr nicht in's Gericht!
eß Herz iſt frei von Fehle?
Erbarm' Dich in Deiner Gnade Licht,
err, der— verlorenen Seele!“
Rud. Löwenſtein.


