Teil eines Werkes 
1. Band (1847)
Entstehung
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von der durchdringenden Feuchtigkeit des Abends durchnäßt. Seine gelblichen Haare hingen ungekaͤmmt, ſtarr und dick wie eine Maͤhne um den Kopf. Seine hohlen und bleichen Wangen, ſeine ſcorbutiſch blaſſen Lippen, ſein erloſchenes Auge, ſein ſchleppender Gang bezeugten, daß er, wie man es dort nennt, die Fieber hatte. An Heilmittel koͤnnen dieſe Ungluͤcklichen nicht denken Der Arzt wohnt in unge⸗ heurer Entfernung, und uͤberdies wurde ſein Beſuch zu viel koſten. Sie haben alſo die Fieber und behalten ſie, bis dieſe durch ihre periodiſche Wiederkehr ihr Leben aufgezehrt, oder ſie ein Gleiches mit dem Fieber gethan haben, welcher

letztere Fall aber ſehr ſelten iſt.

Ein fahler, baͤrtiger, ſchmutziger, magerer Hund half die Heerde fuͤhren. Der kleine Kuhhirt gelangte můͤhſam dahin, ſein Vieh in einen kothigen und eiskalten Stall zu bringen, mit an mehren Stellen verfallnem Dache, wel⸗ chem Uebelſtande man dadurch abgeholfen, daß man uͤber die Luͤcken einige Weidenbundel gelegt.

Man ſah, wie eine gegenſeitige, auf einen haͤufigen Austauſch von Dienſten und eine völlige Gleichheit der Exi⸗ ſtenz begruͤndete Zuneigung den kleinen Hirten und ſeinen Hund verband. Wie viele lange Stunden des Herbſtes und Winters hatte der arme Knabe verbracht, hinter einen Gin⸗ ſterbuſch gekauert, mitten in den menſchenleeren Haiden, ſein Hund eng an ſeine Bruſt angeſchmiegt, um mit dieſer thie⸗

riſchen Waͤrme ſeine armen erſtarrten Glieder wieder zu be⸗ leben.

Martin. I. 10