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rann nach dem Fenſter und ſchrie mit voller Stim⸗ me, eine Leiter anzuſetzen. Der Menſchenhaufe, der ſich unten verſammelt hatte, hoͤrte eine Zeit lang bei dem anwachſenden Getoͤſe der Rettenden und Neugierigen und von allen Seiten Herbeiſtroͤmenden, den Rufenden nicht. Endlich gewahrte die Mutter des Kindes den Juͤngling am Fenſter; ſchnell wurde eine Leiter angeſetzt und Eduard ſtieg ſchleunigſt an derſelben hinab, legte das weinende gerettete Kind in die Arme derſelben und genoß, im Anſchaun ihres Gluͤcks verſinkend, den Lohn ſeiner That. Donnernd ſtuͤrzten die Trümmer des innern Gebaͤudes zuſam⸗ men und verkuͤndeten die nahe Gefahr zweier geret⸗ teten Menſchenleben.— Eduard ermannte ſich von dem gehabten Schrecken ſchnell und griff dann thätig und mit verzweifelnder Staͤrke das große Werk der Rettung an. Wo die Gefahr am groͤßten war, zeigte er ſich am gewandteſten und kuͤhnſten und nach einigen Stunden genoß die ganze rettende Ge⸗ ſellſchaft das Vergnuͤgen, die Gefahr verdraͤngt zu ſehn. Wilhelm umarmte ſeinen Freund und zeigte in dem Augenblicke der Ruͤhrung ſein volles, liebe⸗ glühendes Herz. Er machte Eduarden ſanfte Vor⸗ würfe, ſich ſo tollkuͤhn der Todesgefahr Preis gege⸗ ben zu haben und ſah jetzt erſt, was er vorher nicht bemerkt hatte, wohin dieſes leidenſchaftliche, große Gefuͤhl, ſeinen Freund in der Verzweiflung und im Schmerze fuͤhren konnte.


