Teil eines Werkes 
1. Theil (1828)
Entstehung
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Es waren ungewoͤhnlich viel Fremde in dem Gaſthofe, die Alle auf der Reiſe nach der Frankfur⸗ ter Meſſe hier uͤber Nacht verweilten. So angenehm ihnen dies ſonſt geweſen waͤre, ſo waren ſie doch Beide zu bewegt und von dem, was zwiſchen ihnen vorgegangen war, noch zu erſchuͤttert, als daß ſie Vergnuͤgen an der Unterhaltung der Fremden gefun⸗ den hätten. Juden, Kraͤmer, Kaufleute, Mäkler, Roßhändler, waren in buntem Gemiſche vereinigt und ihre kreiſchenden Stimmen verriethen einen lau⸗ ten Streit, an dem man gemeinſchaftlich Antheil nahm. Wilhelm uͤberſah fluͤchtig die Scene und eilte dann mit Eduard nach dem angewieſenen Zimmer,

auf welches ſie ſich ihre Abendmahlzeit bringen lie⸗

ßen.O wie ſind mir die Menſchen verhaßt! rief Eduard, in ſeine alte Schwermuth verfallend, unmuthig aus:wie ſind ſie mir verhaßt, die wie die Würmer umherkriechen und um einen Pfennig ſich verfluchen und anfeinden; die ſich ruͤhmen, Feine Fliege toͤdten zu koͤnnen, und jauchzend in die Hände klatſchen, wenn ein reicher Mann durch des Schick⸗ ſals Sturz banquerot und bettelarm von der Borſe eilt, um in den Fluten ſeinen Schmerz zu loͤſchen. Beſter Eduard, rief Wilhelm, und ſuchte den ernſten Ausbruch ſeines Freundes in Scherz um⸗ zukehren:die Welt iſt ein großes Theater, wohl dem, der als Akteur von der Natur ſich ſeine Rolle gut bezahlen läßt. Wie lange dauert der Tanz und das Mimenſpiel, ſo eilen wir, die wir bettelarm und