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meiner ſelbſt unbewußt; da wurde mir's klar, das arme Leben; die Aufgabe war geloͤſ't und den gro⸗ ßen Schluͤſſel gab mir die Liebe zu Emmelinen. Was ich damals fuͤhlte und dachte, es liegt in Däm⸗ merung verhuͤllt, hinter mir, und nicht zu beſchrei⸗ ben vermoͤchte ich's, und wenn ich den Griffel der bil⸗ denden Ratur ſelbſt abborgte. Ha! und nun ſo ſchändlich ſteht ſte da, die ich anbetete und die das Leben mir erſt werth machte, als feile Dirne, welche dem Meiſtbietenden dienſtfertig ſich in die Arme warf. O hätte ſie mich verſtanden, haͤtte ſie getheilt mit mir gleiche Empfindung und gleiche Begeiſterung, ich hätte ſie zur Gluͤcklichſten ihres Geſchlechts ge⸗ macht. Sie zu verlieren, war ich ſtark genug; aber ſie als unwuͤrdig ſolcher Liebe, ſie als ein gewoͤhnli⸗ ches Alltagsgeſchoͤpf zu erkennen— ſieh', das nagt, das frißt mir am Leben. Hätte ſie ſich mir ent⸗ deckt und um Entſagung mich gebeten, wohl, dann waͤhnte ich getraͤumt zu haben, und die ſchoͤnen Bil⸗ der der Vergangenheit haͤtten die ſchaale Gegenwart mir erſetzen ſollen; aber ſich davon ſchleichen und jedes Mittel anwenden, was ſie zur gewoͤhnlichen Theaterprinzeſſin herabwuͤrdigt, und Alles nur, um meiner los zu werden— Bruder, das bringt mich dem Wahnſinn nahe. Es war ein Fehlgriff, die Natur vergriff ſich in ihrem Stoffe, bildete einen Engel und blies ihm die Seele eines gemeinen Wei⸗ bes ein.“
Wilhelm fuͤhlte mit ſeinem theilnehmenden Her⸗


