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Fußes zerdruͤckt ſie zu Staub; was Du ſiehſt iſt neu und ſchoͤn, um dahinzuſchwinden, und nur der Wechſel und die Mannichfaltigkeit iſt das Ergoͤtzliche und Schoͤne. Da ſteht der Menſch, der Schoͤpfung Koͤnig, ſich bewußt des taͤuſchenden Spiels der Na⸗ tur; heute entzuͤckt und berauſcht im Arme des Gluͤcks und der Liebe, und Morgen der Laune des Schickſals und dem Zufall zum Spiel, auf dem Grabe ſeiner getraͤumten Hoͤhe!“
„Warum Gift ſaugen, theurer Eduard, aus dem Honig, den die Natur uns ſpendete? Warum das Gemälde zergliedern, und den Farbenſtoff zer⸗ ſtͤckeln, den Dir der goͤttliche Meiſter im Schatten⸗ bilde nur zeigt? Du biſt reich genug mit Deinem Gefuͤhl, das ganze große All der Schoͤpfung in der Tiefe Deiner Seele zu erfaſſen, warum ſo hartnäckig und beſonnen mit zerknirſchter Seele Dunkel und Truͤbſinn uͤber das heitere Gemaͤlde gießen?““
Eduard horchte nur mit halbem Ohr auf die troͤſtenden Worte ſeines Freundes und blickte wieder ſinnend in die weite Schoͤpfung hinaus. Es wogte in ſeinem Innern auf und ab. Doch plotzlich riß es ihn hin und er war ſeiner nicht mehr maͤchtig; er warf ſich ſeinem Freunde in die Arme.
„Bruder! Bruder!“ rief er tief ergriffen: „ich gehe zu Grunde mit dieſem Gefuͤhle. O wie ich ſie liebte, mit ganzer Seele ſie umſchlang und in dieſer Liebe meinen Himmel, mein Alles ſah. Lange war ich, von den Träumen meiner Kindheit erwacht,


