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Des Wirth's Geſicht verzog ſich wieder zu den heiterſten und freundlichſten Mienen und mit ſchmun⸗ zelnder Schwatzhaftigkeit erzaͤhlte er in gehoͤriger Breite und Laͤnge, daß Lady Wilmeſon dieſes Haus ſeit vier Jahren abwechſelnd bewohne, daß der Lord Weir ſie oft hier beſucht und wie er wohl gemerkt, recht gut bei ihr geſtanden habe, was ja unter vor⸗ nehmen Leuten ganz gewoͤhnlich ſei, und ihnen Nie⸗ mand uͤbel nehme.
Voriges Jahr im Auguſt ſei die Lady Wilmeſon mit dem reizenden Fraͤulein von Gronau nach Muͤn⸗ chen gekommen, habe dieſes Haus bezogen, und viel Aufſehen gemacht. Einen Monat darauf ſei auch der Lord eingetroffen, habe ſich einen glaͤnzenden Staat zugelegt, habe die Augen der Reſidenz auf ſich gezo⸗ gen und ſogar am Hofe Zutritt gehabt. Die Lady und das Fräulein ſeien ſeine ſtete Begleiterinnen ge⸗ weſen und die erſten Damen bei allen Feſten. Die La⸗ dy habe, nachdem der Lord Fräulein von Gronau als ſeine Braut erklaͤrt, eine Menge Heirathsanträge gehabt, aber die ſchoͤnſten und reichſten Partien hartnäckig ausgeſchlagen, und doch ſei ſie mit Gunſt⸗ bezeugungen gegen ihre Anbeter nicht ſproͤde geweſen.
„Aha!“ rief Eichler:„ſie fuͤhrt einen poeti⸗ ſchen Lebenslauf. Eine zweite Ninon de'Enclos, da werde ich auch anklopfen, ſie iſt ja eine uralte Be⸗ kanntſchaft von mir, die erſte, die ich hatte!“ Und fortſchertzend druͤckte er dem gefälligen Wirth ein gut Stuͤck Geld in die Hand, ſchob die tiefſinnigen


