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nichts ſagend klingen; er wuͤrde kaum ein Schatten ſein des himmliſchen Lichtes, was in mir aufgegan⸗ gen iſt. Ich verdanke Ihnen eine Stunde, wo ich vergaß ein Sterblicher zu ſein. Erſt jetzt habe ich Shakspeare verſtanden.“
Schweigend maß Ewald den Jüngling.„Sie ſind ein Geweihter!“ ſprach er dann tieftoͤnend: „Sie haben das Hoͤchſte erkannt. Nicht dieſe Pin⸗ ſelſtriche; nicht dieſe Farbenmiſchung war es, was Sie entzuͤckte; Sie haben Shakspeare's Geiſt geſe⸗ hen, Sie haben den groͤßten Maler verſtanden.“ Und vom Gefuͤhl uͤberwaltigt, ſchloß er den Juͤng⸗ ling in ſeine Arme.
Von nun an war Eduard immer um Meiſter Ewald, und wenn Schmerzing und Eichler herum⸗ ſtreiften, und nach den Vergnuͤgungen haſchten, da ſaß Eduard beim lieben Meiſter und horchte den Leh⸗ ren des großen Mannes, der das Hoͤchſte im Leben begriffen, der das Geheimniß geloſtt hatte, was Tau⸗ ſende kaum ahnen. Klar ſchaute er ͤber die ver⸗ worrenen Kreiſe der Menſchenwelt hin; keine Falte war ihm verborgen geblieben. Die Natur ſchien ſich ihm geoffnet zu haben, damit er Blicke thue in ihre geheiligtſten Tiefen.
Dabei beſaß er eine Menge belehrender Erfah⸗ rungen, wußte von den verſchiedenſten Zweigen des Menſchenwirkens mit einer umſicht zu ſprechen, als ob er ſelbſt alle Faͤcher durchwandert haͤtte. Aber die Art, wie er die Dinge auffaßte, in ſich ſelbſt verarbeitete
Die Intrigue. 1. 5


