Teil eines Werkes 
1. Theil (1828)
Entstehung
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heuere Schmerz, der vöttliche, der in das Menſchen⸗ leben tritt, und mit eiſerner Hand der Koͤnige wie der Bettler Haupt ergreift und zerruͤttet. Dieſer Schmerz, nur das Eigenthum der hoͤheren Men⸗ ſchennatur, hat den Koͤnig erhoben uͤber alles Irdi⸗ ſche und ſchon halb verklärt ſteht er da, doch es dämmert der Gedanke, daß er noch die Feſſeln der Sterblichkeit trage, durch ſeinen irren Sinn.

Erſt abgewiſcht, ſie riecht nach Sterblichkeit! rief mit Shakspeare's Worten endlich Eduard aus. Ja, aus der unendlichen Fuͤlle dieſer Worte hatte der Kuͤnſtler ſein Gemaͤlde zuſammen gebaut. Der blin⸗ de Gloſter haſcht nach der Hand des Koͤnigs, ſeines unendlich theuren und unendlich ungluͤcklichen Herrn. Geruͤhrt ruft er die Worte aus:O laßt mich kuͤſſen dieſe Hand! Das Goͤttliche leuchtet plotz⸗ lich durch des Koͤnigs wirre Träume. Dieſer Kuß, er darf nur dem unſterblichen Geiſte gelten, und

Erſt abgewiſcht, ſie riecht nach Sterblichkeit! ruft er aus, und faͤhrt mit golddurchſtickten Rocke daruͤber.

Jede der drei Figuren hatte ſo etwas Herrli⸗ ches, daß Eduard bei jeder lange verweilte und doch wieder zur erſten zuruͤckkehrte.

Trunken von allen den hohen Empfindungen, die durch ſeinen Kopf geſtroͤmt waren, wandte er ſich endlich zu Meiſter Ewald.

Ich kann Ihnen kein Wort ſagen uͤber das, was ich empfinde, jeder Laut wuͤrde mir ſchal und

nichts