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Abend; der duſt're Ernſt war durch einen ſanft ver⸗ klärten Zug gemildert, und ſein ganzes Geſicht ſtral⸗ te von den hohen Ideen wieder, die er jetzt auf die Leinwand uͤberzutragen bemuͤht war.
„Nach Allem, was mir mein Sohn von Ihnen geſagt hat, kann ich Sie hier freudig willkommen heißen. Der Tempel erſchließt ſich keinen Profanen.“
Ringsum waren die Meiſterwerke aufgeſtellt. Eduard verlor ſich bald in ſtummer Betrachtung. Ewalds Blicke hingen an ſeinen Mienen. Eduard wurde bald von einem Stuͤck ganz beſonders angezo⸗ gen, und er hatte ſchon eine Stunde davor geſtanden, ohne ein Wort zu reden, ohne ſich zu bewegen.
Die Darſtellung war aus Shakspeare's Koͤnig Lear, vierter Aufzug ſechſte Scene. Edgar hat den blinden Gloſter zum alten Koͤnig gefuͤhrt. Die drei Figuren waren ſo geſtellt, daß der wahnſinnige Ko⸗ nig, als die Hauptperſon, vorn im vollen Lichte ſtand, halb gegen Gloſter gekehrt, der ſchwach und gebuckt ſich der Leitung des ruͤſtigen Edgar hingibt, welcher im Hintergrunde die Scene herrlich ſchloß. So hatte wohl noch nie ein Menſch den großen Dich⸗ ter gefaßt. Nur ein Shakspeare konnte dies Stuͤck malen, wie es nur ein Shakspeare dichten konnte.
Wie hatte der Schmerz die Furchen des Geſich⸗ tes zerriſſen, die das Alter gegraben! Wie ſpielte der Wahnſinn um dieſen Mund, glaͤnzte aus dem Auge, thronte auf der Stirne! und doch nicht der gemeine, gewoͤhnliche Wahnſinn, es war der unge⸗


