Teil eines Werkes 
1. Theil (1828)
Entstehung
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dann geruͤhrt:Mein Sohn! du überraſcheſt mich. Sei mir willkommen! Kein Wort weiter. Eichler ſtellte die Beiden als ſeine Reiſegeſellſchafter und neu⸗ en Freunde vor. Er verneigte ſich kaum merkbar und ſtumm gegen ſie.

Eduard war in Anſtaunen verſunken. Ein ſol⸗ ches Geſicht hatte er noch nicht geſehen. In dieſen tiefliegenden Augen ruhte eine Welt rein, klar und ruhig, die Stuͤrme waren niedergekämpft. Der

Ton dieſer Stimme hatte einen Ausdruck, daß es

Eduard vorkam, als hoͤre er jetzt zum erſtenmal ſpre⸗ chen. Jeder Zug des Geſichtes ſchien Eduard eine Erhabenheit auszudruͤcken. Das iſt ein Menſch; dach⸗ te er, während Millionen, denen es gefaͤllt, ſich eben ſo zu nennen, nur Affen ſind.

Ewald ſprach wenig, doch jedes ſeiner Worte hatte einen tiefen Sinn, der in Eduards Bruſt har⸗ moniſch wiedertoͤnte. Er fuͤhlte eine ſolch unendliche Ehrfurcht fuͤr dieſen Mann, wie er noch nie fuͤr Je⸗ mand gehegt; er haͤtte vor ihm niederknien mögen.

Von der Kunſt wurde an dieſem Abend nicht geſprochen; es ſchien Eduard, als wolle er erſt ſei⸗ ne Gaͤſte kennen lernen, um nicht Perlen den Säuen vorzuſchuͤtten, und er billigte im Herzen ſehr das Verfahren des Mannes. Eichler erzählte von per⸗ ſonlichen Verhältniſſen in Dresden, die Ewald alle recht gut zu kennen ſchien, und dieſer berichtete

mehre Nachrichten aus Rom von bekannten Künſt⸗ lern.