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bringe dir Botſchaft, und fordre, daß du fie ruhig anhörſt.
Der König. Du forderſt es? Ha, daß es ſo weit mir kam, daß ich dies geduldig anhören muß und es nicht rächen darf! Wie lautet deine Botſchaft?
Der Ritter. Ganz kurz, aber auch eben ſo drin⸗ gend. Du haſt doch das Schreiben, welches vu ver⸗ rätheriſch erbrachſt, auch wohlbedachtſam überleſen?
Der König. Ich fordere Ehrfurcht, und werde nicht antworten, wenn du fortfährſt, mich gleich einem Leibeignen zu behandeln. Man nennt den König nicht Du, man ſpricht nicht durch verſchloßnes Viſir mit ihm.
Der Ritter. Um durch eure Hartnäckigkeit nicht noch mehr den Zorn des ergrimmten Löwen zu rei⸗ zen, will ich, ohne weitre Anfrage, euch beides ge⸗ währen eer zieht ſein Viſir auf. Seyd ihr nun zufrieden?
Der König. Ich bins, und will euch antworten: Ich habe das verrätheriſche Schreiben mit Aufmerk⸗ ſamkeit geleſen, mich ganz von Ottos ſchwarzen Ab⸗ ſichten, von der noch ſchwärzern Untreue, dem ſchänd⸗ lichen Meineide eures Bundes überzengt.
Der Ritter. So werden euch zweifelsohne auch die Bedingungen nicht unbekannt ſeyn, unter welchen ihr eure Freiheit wieder erhalten und einſt noch glück⸗ liche Tage genießen könnt?
Der König(acht bitter).
Der Ritter. Iſt das eure ganze Antwort?
Der König. Sie iſts, und wirds ewig bleiben.
Der Ritter. Ihr wollt alſo nicht, um eure Frei⸗ heit zu gewinnen, der Krone und dem Scepter ent⸗
ſagen? Wollt nicht freiwillig abtreten, was ihr doch
nie mehr beſitzen könnt.
Der König. Nein, ich wills nicht thun.
Der Ritter. Wollt nicht dieſe Schrift, welche die Entſagung enthält, in unſrer Gegenwart unter⸗ zeichnen?


