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Der König. Gott! welche blinde Ergebenheit, welche unerſchütterliche Treue! O welche herrliche Tha⸗ ten könntet ihr verrichten, wenn euer Hauptmann euch zum Guten anführte, eure Standhaftigkeit zum Schutze, zur Vertheidigung des Gerechten benützen wollte. Ich bedaure euch, aber ich kann euch nicht haſſen. Führt mich ins Gefängniß, führt mich zum Tode, euch will ich nicht anklagen, über euch nicht Rache erflehen.
Er folgte ſtillſchweigend dem Hauſen, welcher ihn mit blanken Schwertern umgab, durch die Vorhöfe der Burg nach einem kleinen Gefängniſſe führte, und die Thüre ſorgfältig hinter ihm verſchloß. Eine kleine Lampe verbreitete ſparſames Licht in dieſem dunkeln Kerker, der keine Oeffnung, kein Fenſter hatte, durch welches das Licht des Tages ſeine Dunkelheit vermin⸗ dern konnte. Wenn dies, ſprach der König zähnknir⸗ ſchend zu ſich ſelbſt, meine ewige Wohnung ſeyn, wenn ich hier bis zum hohen Alter meine Tage vertrauern, verſchmachten ſoll, ſo wird Verzweiflung mich tödten, und eine Qual enden, die ich zu ertragen nicht fähig bin. Ehe eine Stunde verfloß, hörte er die Riegel der Thüre raſſeln; ſechs geharniſchte Ritter traten mit geſchloßnem Viſire herein. Der erſte derſelben hielt eine Schrift in ſeinen Händen, der zweite ſtellte Schreibgeräthe auf den Tiſch, die übrigen zogen ihre Schwerter und nahmen Platz an der Thüre.
Der erſte Ritter. Gefangner, ich bringe dir⸗ unſers Hauptmanns Gruß.
Der König. Ich bin König, und fordere Ehr⸗ furcht.
Der Erſte. Du warſt, aber du biſts nicht mehr.
König. Nur der Tod kann mir dieſe Würde rauben.
Der Ritter. Ich komme nicht, mit dir über Dinge zu hadern, welche mich nichts angehen Ich


