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rechter handeln, und bedenken, daß das Blut des Ge⸗ ſalbten Rache heiſchen, Rache erhalten wird.
Der Anführer. Edler Herr, es iſt möglich, daß
ihr wahr ſprecht, aber mich bindet Schwur und Pflicht, ich muß dieſer gemäß handeln, und darf nicht hinter den Vorhang blicken, welcher wahrſcheinlich die weiſen Urſachen und Beweggründe bedeckt, warum unſer Hauptmann eben nur heute und vorzüglich an euch unedel zu handeln ſcheint. Der König. O ihr armen Betrognen, reißt die Binde vom Auge, zerhaut mit eurem Schwerte den dichten Vorhang, und ihr werdet hinter dieſen euren Führer als einen reißenden Tiger erblicken, welcher die Unſchuld mordet und ſich mit ihrem ſüßen Blute mäſtet.
Der Anführer. Möglich, aber nicht wahrſchein⸗ lich. Ich handle nach den Vorſchriften meiner Pflicht, dieſe kann mich nicht irre führen. Ich kann es euch daher nicht bergen, daß ich gemeßnen Auſtrag habe, wenn ich das Schreiben offen in eurer Hand erblicke, euch ins Gefängniß zu führen.
Der König(unter den Haufen tretend). Ich folge euch willig, denn Widerſtand kann nichts nutzen. Rit⸗ ter, es ſteht in eurer Macht, mich ganz unglücklich zu machen, aber, wenn ihr nicht vollkommne Böſewichte ſeyd, mich auch glücklich zu retten. Kann Belohnung eure Herzen reizen, kann dieſe das Gefühl der Tugend in euch wecken, ſo verſpreche ich euch die größte und ſchönſte. Führt ihr mich nicht ins Gefängniß, kann ich durch euern Beiſtand aus der verrätheriſchen Burg entfliehen, ſo ſollt ihr als die Nächſten an meinem Throne ſtehen, ſo ſoll jeder eurer Wünſche erfüllt, ſo ſollt ihr die glücklichſten Menſchen auf Erden werden⸗
Die Ritter. Wir haben dem Bunde Treue ge ſchworen, wir dürfen, wir können nicht meineidig werden⸗


