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Der König. Frage mich, ſo lange du lebſt, laß deine Kinder dieſe Frage bis zu meinem Tode wie⸗ derholen, und ich werde dir und ihnen mit immer⸗ währendem Nein antworten.
Der Ritter. Laßt euch warnen, werachtet den Rath eines Mannes nicht, der zwar ſeine Pflicht ſtreng erfüllen wird, aber doch Mitleid mit eurer blühenden Jugend hat. Glaubt ihr wohl, daß wir, wenn ihr die Unterſchrift hartnäckig verweigert, euch dieſen Platz lange gönnen werden2 Uns iſts nur allzu wohl be⸗ kannt, daß ihr in Italien und ſelbſt in Deutſchland noch viele Anhänger zählt, ſollen wir ewig und un⸗ thätig die Thüre eures Kerkers bewachen? Sollen wir immer hoffen und fürchten, nie in Ruhe den Lohn unſrer That genießen? Ihr irrt, wenn ihr dies wähnt, euer Schickſal muß bald entſchieden ſeyn, ſonſt endets der Tod.
Der König. Und ich ſterbe als König.
Der Ritter. Dieſer Wunſch kann, wird bald er⸗ füllt werden. Noch einmal: Ihr wollt alſo nicht un⸗ terzeichnen? nicht freiwillig entſagen?
Der König. Gebt mir die Schrift.
Der Ritter. Hier iſt ſie.
Der Zweite. Hier auch das Schreibgeräthe.
Der König clächelnd)d. So haltet ihr mich wirk⸗ lich dieſer Niederträchtigkeit fähig 2 Ich will euch vom Gegentheile überzeugen(er zerreißt die Schrift und wirft ſie den Rittern vor die Füße). Da, geht, und meldet eurem Hauptmanne, wie ich ſie unterzeichnet habe.
Der Ritter. Armer Jüngling, du dauerſt mich, deine hartnäckige Weigerung hat dein Todesurtheil geſprochen. Widerrufe, oder es wird noch dieſe Nacht an dir vollzogen.
Der König. Heil mir und Dank euch, daß ihr nicht länger zögert, ich will lieber heute noch ſterben,


