188
als Jahrelang in der verrätheriſchen Burg in Geſell⸗ ſchaft heilloſer Buben wohnen, welche mit Ehre und Schwur ein ſchändliches Spiel treiben, durch Liſt und Verſtellung die Unſchuld in ihre Räuberhöhle locken, um ſis ungehindert ermorden zu können.
Der Ritter. Bedenkt, daß euer Schimpf unſere Rache nur noch mehr entflammt, daß dieſe die Todes⸗ qual verlängern kann.
Der König. Geh! Geh! Deine Drohungen ſchrecken mich nicht. Bitter wird der Tod unter den Händen der Verräther ſchmecken, aber ſüß die Erin⸗ nerung ſehn, daß der Gerechte ihn gewiß blutig an euch rächen wird.
Der Ritter. Ich frage zum letztenmale——
Der König. Geh, und erzähle, was du gehört
haſt.
Die Ritter ſchieden; nach kurzer Zeit kehrten ſie aber zurück; in ihrer Mitte ging ein anderer Ritter, ſeine Trauerrüſtung war mit Flor behangen, er trug einen bedeckten Becher in ſeiner Rechten und ſtellte ſich neben dem Könige.
Einer der Ritter. Die Langmuth des Bundes hat geendet, wir bringen dir den Tod, und haben den ernſten Auftrag, nicht eher zu ſcheiden, als bis du dieſen Becher geleert haſt.
Der König. Schrecklich! Ach mehr als ſchreck⸗ lich! Sie waren einſt meine Freunde, und tödten mich jetzt mit Gift.
Der Ritter. Deine Hartnäckigkeit zwang uns dieſen Entſchluß ab, den mein Hauptmann gerne än⸗ dern will, wenn du dich nicht länger weigerſt, zu ent⸗ ſagen und zu unterzeichnen.
Der König. Euer Hauptmann iſt doch ein groß⸗ müthiger Ritter, die Nachwelt wird ſeine Thaten mit Ehrfurcht erzählen: er läßt der Unſchuld die Wohl


