156
da ſie mit dem Menſchen in gar keiner Verbindung ſtehe. Ich benutzte dieſe Gelegenheit, meinen Muth an den Tag zu legen, und erbot mich, ihn wegen ſeines Uebermuths zu züchtigen, ein Vorſchlag, den ſie unter dem Vorwande, ich möchte dabei Schaden nehmen, ablehnte. Doch konnte ich an dem Funkeln ihrer Augen abnehmen, ſie würde ſich nicht beleidigt gefunden haben, wenn ſie die Veranlaſſung eines Duells geworden wäre. Ueber dieſe Ent⸗ deckung war ich durchaus nicht erfreut, denn ſie bewies nicht nur die unentſchuldbarſte Eitelkeit, ſondern auch die herzloſeſte Gleich⸗ gültigkeit. Indeſſen, mich lockte ihr Vermögen, und ich entſchloß mich darum, ihrem Stolze Befriedigung zu gewähren, indem ich ſie zum Gegenſtande eines Zweikampfs zwiſchen mir und Brag⸗ welln machte, von dem ich überzeugt war, er werde die Sache niemals auf den äußerſten Punkt treiben.
Während wir mit einander tanzten, bemerkte ich dieſen furcht⸗ baren Nebenbuhler am einen Ende des Zimmers, umgeben von einem Schwarm Stutzer, mit denen er ſich ſehr heftig unterhielt, und mir manchen grimmigen Blick von Zeit zu Zeit zuſandte. Ich errieth den Gegenſtand ſeines Geſprächs, ſchritt, ſobald ich meine Tänzerin an ihren Sitz geführt hatte, auf die Stelle zu, wo er ſtand, ſetzte meinen Hut in ſeiner Gegenwart auf, und frug ihn laut, ob er mir Etwas mitzutheilen habe. Er gab mir mürriſch zur Antwort:„Nichts, vor der Hand, mein Herr!“ und drehte ſich auf ſeinem Abſatze herum.„Gut,“ ſagte ich, „Ihr wißt, wo ich jederzeit zu finden bin.“ Seine Gefährten ſahen einander ſtarr an, und ich kehrte zu dem Fräulein zurück, deſſen Züge bei meiner Annäherung vor Freude ſtrahlten. Un⸗ mittelbar darauf ging ein Flüſtern durch den ganzen Saal, und ſo viele Blicke kehrten ſich mir zu, daß ich vor Scham hätte mögen in den Boden ſinken. Als der Ball aufhörte, begleitete ich ſie an ihre Kutſche, und würde, gleich einem ächten franzöſi⸗ ſchen Liebhaber, hinten aufgeſeſſen ſeyn, um ſie vor Gewaltthätig⸗


